Mit 19 Jahren wurde Günther Rehbein von der Stasi verhaftet
Drei Jahre im Arbeitslager verbracht

In einem informativen, gleichzeitig aber auch erschütternden Vortrag, schilderte Günther Rehbein den Mittelschülern sein Schicksal in der ehemaligen DDR. Bild: muk

Es war eine erschütternde Lebensgeschichte, die den Mittelschülern erzählt wurde: Bei einer autobiografischen Lesung schilderte Günther Rehbein, Überlebender und Zeitzeuge der Gulag-Arbeitslager in der ehemaligen UdSSR, sein Schicksal.

In der Schulmensa berichtete der Referent auf ergreifende Weise über sein Leben. Günther Rehbein war 1952 im Alter von 19 Jahren ohne Begründung von der Staatssicherheit in der damaligen DDR verhaftet und dem sowjetischen Geheimdienst übergeben worden. Folter und Scheinerschießungen waren an der Tagesordnung. Um seine Familie zu schützen, war er nach Drohungen gegen seine Frau und die beiden Kinder schließlich bereit, sein Schuldeingeständnis zu unterschreiben.

In Folge wurde Rehbein zu 25 Jahren Arbeitslager verurteilt und mit vielen anderen Mithäftlingen in die Gulag-Arbeitslager in Workuta am nördlichen Ende des Ural überführt. Unter menschenunwürdigsten Bedingungen mussten die Häftlinge dort Kohle abbauen. Erst als Bundeskanzler Konrad Adenauer, als Voraussetzung für diplomatische Beziehungen zu der UdSSR, eine Massenentlassung durchsetzen konnte, kehrte Rehbein 1955 in die Heimat zurück. Doch sein gewohntes Leben konnte er nicht mehr aufnehmen: Seine Frau hatte das neugeborene Kind zur Adoption freigegeben und hatte mittlerweile einen neuen Mann, da sie ihren Gatten totgeglaubt hatte.

In der Folgezeit beschränkten die DDR-Behörden immer wieder die Rechte von Günther Rehbein, da er sich den politischen Systemen widersetzte. Dies mündete in einer erneuten Haftstrafe. Nach der Wiedervereinigung konnte er - 56 Jahre nach ihrer Geburt - seine Tochter in die Arme schließen und ihr die Wahrheit erzählen. Im Jahr 1994 wurde Günther Rehbein schließlich von der Moskauer Staatsanwaltschaft rehabilitiert.

Die Schüler der neunten und zehnten Klassen verfolgten die Lesung äußerst interessiert und stellten vielen Fragen. Der Autobiograph brachte dabei ganz deutlich und ohne einen seiner Peiniger anzuklagen oder zu verurteilen zum Ausdruck, dass die heutige Jugend auf die damaligen Vorkommnisse aufmerksam gemacht werden muss.

Konrektorin Silke Schmid dankte Günther Rehbein für den erschütternden wie informativen Vortrag. Sie hob die Bedeutung seiner Lesung hervor indem sie betonte, dass jedem Menschen die gleichen Grundrechte zugestanden werden müssen. Mit Blick auf die Zukunft gelte es, gerade die Jugendlichen dafür zu sensibilisieren, damit sich solche Ereignisse nicht mehr wiederholen.
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