Realschüler geben Impulse für neue Nutzung der Neunburger Spitalkirche
Rauminstallation aus Pappe heizt die Ideenschmiede an

Schulleiterin Diana Schmidberger (Mitte) übergibt zusammen mit den Achtklässlern die bunte Ideensammlung für eine Nutzung der Spitalkirche an Bürgermeister Martin Birner. Bilder: Bugl (2)
 
Die Falttechnik war sogar Thema für eine praktische Schulaufgabe. Dieses besonders gelungene Exemplar bekam auch der Bürgermeister zu Gesicht.

Papp-Karton kann neue Räume eröffnen. In der Neunburger Spitalkirche haben Realschüler mit diesem Material den Blick auf ein architektonisches Kleinod gelenkt. Danach regnete es Ideen.

Was als Folge der Rauminstallation auf die Initiatoren von der Klasse 8d der Gregor-von-Scherr-Realschule niederprasselte, bekam nun auch Bürgermeister Martin Birner zu Gesicht. Bei einem Pressetermin im Rathaus übergaben ihm die Schüler ein Stück gefaltete Pappe, gespickt mit Vorschlägen von Besuchern für das weitere Schicksal der Spitalkirche.

Für Gottesdienste wird die Kirche längst nicht mehr genutzt, die meiste Zeit ist sie versperrt. Das änderte sich zumindest vorübergehend, als die Schüler in Kooperation mit der Landesarbeitsgemeinschaft Architektur und Schule aktiv wurden: Ein architektonisches Kleinod rückte ins Blickfeld. "Einfach die Kirche aufsperren, das ist ein bisschen wenig. Wir wollten der Bevölkerung zeigen, was man mit dieser Kirche anstellen könnte", schildert Schulleiterin Diana Schmidberger die Ausgangssituation.

Im Kunstunterricht vermittelten Stephanie Reiterer und Studenten der Universität Regensburg die Technik für eine Rauminstallation aus Papier und Pappe. "Also falteten und knickten wir drauflos, und schon bald konnten wir die ersten Module auf Grundrissen der Kirche zu unseren Entwürfen verbauen", berichteten die Schülerinnen Judith Kiefl, Anna-Maria Bösl und Pia-Marie Stegerer bei ihrer Bilanz.

Stabiler mit Säule


Mit 100 Modulen traf die Gruppe per Bus an der Kirche ein. "Der Bogen im Eingangsbereich stürzte drei Mal ein, bis wir endlich auf die geniale Idee kamen, stützende Pappsäulen einzubauen", berichteten die jungen Architekten, die das Kunstwerk zum Burg-Advent der Öffentlichkeit zugänglich machten. Dabei sammelten sie auch Ideen für eine Nutzung der Räume - und Spenden: Ein Betrag von über 500 Euro ging an Dr. Patricia Tcherepnine für ein Brunnenprojekt in Marokko.

Einfach die Kirche aufsperren, das ist ein bisschen wenig. Wir wollten der Bevölkerung zeigen, was man mit dieser Kirche anstellen könnte.Schulleiterin Diana Schmidberger

Das Engagement der Schüler sei bei diesem Projekt "weit über das normale Maß hinaus gegangen", berichtete die Realschulleiterin. Was die Besucher nun an neuen Vorschlägen für das Gebäude lieferten, gab sie Bürgermeister Martin Birner "Ich war beeindruckt", erklärte er. Die Ausstellung habe beim Burg-Advent zusätzlich Leute angelockt, zeigte sich der Bürgermeister überzeugt und ging auf die Spitalkirche ein, die früher Teil eines umfassenderen Ensembles mit Alten- und Pflegeheim war.

Gefragte Impulse


Die Beschäftigung der Schüler mit dem Bauwerk erachte er als absolut wertvoll. "Wir brauchen solche Impulse junger Leute", stellte er klar und versprach: "Ich bin auch gerne bereit für einen Stadtentwicklungs-Workshop."

Vorschläge für die SpitalkircheVom Wasserfall bis zu einer Art Iglu reichten die Vorschläge der Schüler für eine Rauminstallation in der Spitalkirche. Der Favorit wurde schließlich aus insgesamt vier Modellen ausgewählt. Das Ergebnis war ein raumgreifendes Gebilde, das auf der Struktur von Dreiecken aufbaute. Solchermaßen inspiriert sollten auch die Besucher der Ausstellung aktiv werden. Die Klasse 8d hat ihre Vorschläge gesammelt. Nicht nur in Form bunter Zettel sondern auch als Tabelle übergab sie Rektorin Diana Schmidberger nun und ging dabei auch auf die beliebtesten Ideen ein: Auf Platz eins landete ein Ausstellungsraum, gefolgt von einem Café und einem Raum für Stille und Meditation. Aber auch ein Jugendtreff und ein Raum für kleine Hochzeiten wurden in Erwägung gezogen. "Es gab aber auch erboste Reaktionen von Besuchern, denen es nicht passte, dass die Räume profaniert wurden", berichtete Schmidberger. Bürgermeister Martin Birner legte sie außerdem einen Vorschlag von Architekt und Stadtentwickler Jan Weber-Ebnet ans Herz, der das Projekt begleitet hatte: Ideal sei es, die frühere Einheit mit angebauten Räumen wieder herzustellen. Eventuell gebe es auch Fördergelder für sozialen Wohnungsbau oder Flüchtlingswohnungen. Und falls die Kirche nicht ständig beheizt werde, sei auch der finanzielle Aufwand nicht allzu hoch. "Wir sind bereits in Kontakt mit dem Besitzer", gab der Bürgermeister zu verstehen und zeigte sich nicht abgeneigt. (bl)
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