Skelett vom "Schiltenhilm" in der Glasvitrine
Knochenmann ruht im Museum

Der Knochenmann vom "Schiltenhilm" hat seine letzte Ruhestätte im Schwarzachtaler Heimatmuseum gefunden. Im Raum Stadtgeschichte zeigt Museumsleiter Theo Männer die Vitrine mit dem Gerippe des "Neunburger Ötzi". Bild: Mardanow
 
Auf ärztliche Hilfe konnte der Arbeitskreis Museum beim Zusammensetzen des Skeletts bauen. Dr. Richard Wagner ordnete das Knochen-Puzzle mit seinen anatomischen Kenntnissen. Bild: Museum (hfz)

Ein 600 Jahre altes Skelett vervollständigt die Sammlung im Schwarzachtaler Heimatmuseum. Für Heimatpfleger Theo Männer sind die bleichen Knochen "der prominenteste, erhaltene Tote der Stadtgeschichte". Mit ärztlicher Hilfe landete das Gerippe in der Vitrine.

16 Jahre ist es heuer her, dass das Skelett bei einer archäologischen Grabung im Bereich des ehemaligen Turms "Schiltenhilm" entdeckt worden war. Anlass dafür war die geplante Sanierung der Stadtmauer im Bereich Bleihof. Ende Juli 2000 "ist dann plötzlich unser ,Ötzi' zum Vorschein gekommen", erinnert sich Heimatpfleger und Museumsleiter Theo Männer.

Knochen eines Reiters


Eine Untersuchung in der Staatssammlung für Anthropologie in München ergab später, dass es sich bei den Gebeinen um einen 40 Jahre alten Mann handelte. "Abgenutzte Wirbel deuteten darauf hin, dass er viel zu Pferde unterwegs war." Mehr Licht ins Dunkel brachte die Datierung per C14-Methode durch die Universität Erlangen - hier wurde festgestellt, dass der Knochenmann im ersten Drittel des 15. Jahrhunderts, und damit zur Zeit des Pfalzgrafen Johann (1383 bis 1443) gelebt hatte.

Der damalige Fundort lässt Rückschlüsse auf sein Schicksal zu. Im Mittelalter war der "Schiltenhilm" ein Verteidigungsturm - und zusätzlich mit einem Gefängnisverlies ausgestattet. "Es ist höchstwahrscheinlich, dass er etwas ausgefressen hatte", erklärt Theo Männer. Diese These untermauert, dass die Fundstelle außerhalb der einstigen Stadtmauern lag - "nur ,Unehrenhafte' wurden dort begraben". Üblicherweise wurden die Neunburger Toten zur damaligen Zeit im Friedhof an der Jakobskirche bestattet.

Doch was genau der Tote auf dem Kerbholz hatte, kann nur vermutet werden. Männers Spekulation: "Er war ein Ketzer oder ein Hussit." In Regensburg habe es im Mittelalter einen eigenen Turm gegeben, in den man ausschließlich Ketzer, also Leute, die von der offiziellen Kirchenmeinung abwichen oder einen anderen Glaubensweg verfolgten, sperrte. "Das könnte durchaus auch in Neunburg der Fall gewesen sein."

Ungelöst bleibt, ob es sich bei dem Skelett um die sterblichen Überreste des Minnesängers Peter Unverdorben handelt. Dieser hatte um 1430 eine Ballade verfasst, in der er in einem "Todeslied" sein Schicksal besingt und neben dem Pfalzgraf und der Pfalzgräfin auch alle möglichen Heiligen um Gnade bittet und anruft. Als Ort seines Leidens nannte er einen Turm "Schiltenhilm".

Dorrer erkennt Neunburg


Dieses Gedicht wurde 1442 durch den Mönch Heinrich Otter in schwäbisch-alemannischer Mundart aufgezeichnet. Der deutsche Dichter und Literaturwissenschaftler Ludwig Uhland setzte sich 1844 und 1869 mit der Ballade "Peter Unverdorben" auseinander und hat sie veröffentlicht. So hat das Gedicht wohl auch der Neunburger Chronist und Heimatzeichner Georg Dorrer gelesen, der schließlich 1893 den Bezug zu seiner Heimatstadt herstellte.

Die Thematik "Schiltenhilm und Peter Unverdorben" ist ein Segment des Raums "Stadtgeschichte" im Schwarzachtaler Heimatmuseum. Dort, in einer Glasvitrine, hat der "Neunburger Ötzi" seine letzte Ruhestätte gefunden, nachdem er zuletzt im Depot untergebracht war. Dabei hat der Arbeitskreis Museum Unterstützung durch Dr. Richard Wagner erhalten, der mit seinen Kenntnissen über Anatomie die einzelnen Knochen fachmännisch zusammengesetzt hat.

Direkt über der Vitrine hängt zusätzlich ein Tableau mit Darstellungen des "Schiltenhilm"-Turms. Neben Gemälden und Zeichnungen finden sich auch Fotos aus verschiedenen Zeiten, ein Bauplan von 1883 und eine Rekonstruktionszeichnung der gesamten Stadtbefestigung von Architekt Siegi Wild.

ÖffnungszeitenDas Schwarzachtaler Heimatmuseum ist noch bis Ende September sonntags von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr geöffnet, außerdem mittwochs, 14 bis 17 Uhr. Aktuell ist die Sonderausstellung "Brauereien, Wirtshäuser & Sommerkeller" zu sehen. Eine Besichtigung ist auch nach Vereinbarung unter Telefon 09672/4183 oder per E-Mail unter museum-neunburg@gmx.de möglich. (mp)
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