Themenabend „Lehm – ein alter Baustoff neu entdeckt“
Mit Lehm nicht am Holzweg

Der Stellvertretende Vorsitzende der Akademie, Josef Schönhammer, Professorin Anne Beer, Professor Cristobal Crespo, Bauhofleiter Konrad Uschold sowie Professor Dietmar Kurapkat und Veranstaltungsleiter Johann Fischer (von links) freuen sich über den gelungenen Themenabend. Bilder: weu (2)

Neunburg vorm Wald/Nabburg. Erstaunliche Informationen erhielt die stattliche Teilnehmergruppe beim Themenabend "Lehm - ein alter Baustoff neu entdeckt" im Freilandmuseum Neusath. Die Akademie für den Natur- und Kulturraum Ostbayern-Böhmen mit Sitz in Neunburg konnte dazu mit Professorin Anne Beer und Professor Dietmar Kurapkat zwei Spezialisten gewinnen. Begleitet wurden sie von Professor Cristobal Crespo aus La Coruña in Spanien.

Anhand ausgewählter Beispiele dokumentierte Professor Kurapkat die Entwicklung der Bauweise mit Lehm, zunächst mit handgeformten, luftgetrockneten Ziegeln, die später auch vorfabriziert wurden, weshalb sie lagerfähig und transportabel wurden. Längere Haltbarkeit der in Modeln geformten Ziegel wurde erreicht durch die Magerung des Lehms mittels Stroh oder Dung. Mit Lehmziegeln wurden gigantische Bauwerke errichtet wie der Inanna-Zikkurat in Uruk 2100 v. Chr. oder das berühmte Ishtar-Tor aus Babylon, bei dem die Ziegel sogar bunt glasiert wurden. Die Weiterentwicklung der Lehmbauweise ermöglichte Ausfachung von Fachwerkwänden mittels Lehmziegeln sowie Lehmbewurf von Staken mit oder ohne zusätzlichem Flechtwerk im Fachwerkrahmen. Jüngstes Beispiel in Deutschland ist die Kapelle der Versöhnung in Berlin, ein vom österreichischen Lehmbauspezialisten Martin Rauch oval geformter Stampflehmbau, errichtet 1999, auf dem ehemaligen Grenzstreifen am Standort der ehemaligen Versöhnungskirche.

Sogar ein Schwimmbad


Cristobal Crespo stellte den Bau des wohl jüngsten Stampflehm-Gebäudes in Europa vor, das Schwimmbad in der Stadt Toro, etwa 200 Kilometer nordwestlich von Madrid gelegen. Es befindet sich in einem zweigeschossigen Baukörper aus Stampflehm, dem sich Gebäudeteile mit den Funktionalräumen anschließen. Die 60 Zentimeter dicken Wände sind tragend, mussten auf den 35 Metern Länge des Schwimmbads aber aufgrund einer Raumhöhe von 6.40 Metern durch zylindrische Stahlstützen verstärkt werden. Allerdings musste man beim Bau auf Handwerker aus Portugal zurückgreifen, die noch die Arbeitsweise mit Lehm beherrschten.

Lehm im Kommen


Derzeit wird vor allem im modernen Hausbau bewusst auf den Baustoff Lehm zurückgegriffen. Mit Bauhofleiter Konrad Uschold konnte bei drei Hofstellen die Lehmverwendung auf dem Boden und an den Wänden besichtigt werden. In der Werkhalle demonstrierten zwei Handwerker an Modellwänden die fachgerechte Verarbeitung von Lehm. "Bei der Errichtung des Museumsdorfes mussten wir uns die alten vergessenen Handwerkstechniken erst wieder mühsam aneignen", ergänzte Uschold.

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Weitere Informationen:

www.akademie-neunburg.de
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