Verwaltungsgemeinschaft Neunburg feiert 40.Geburtstag
Den Zankapfel gut im Griff

"Wir raufen uns immer besser zusammen, da wird bald nichts mehr zwischen uns passen", sagt Bürgermeister Hans Graßl. Immerhin vier Jahrzehnte Kooperation liegen hinter den Mitgliedern der Verwaltungsgemeinschaft Neunburg, die seit 1. Juli "nicht immer in einer Liebesehe" vereint sind.

Auf den Tag genau 40 Jahre alt geworden ist die Verwaltung am Freitag und lieferte damit einen Anlass für einen Rückblick am Sitz der Verwaltung in Neunburg. Viele Altbürgermeister und frühere Mitarbeiter hatten sich zusammen mit den amtierenden eingefunden, um diesen vier Jahrzehnten Tribut zu zollen, in denen Dieterskirchen, Neukirchen-Balbini, Schwarzhofen und Thanstein Verwaltungsaufgaben gemeinsam gestemmt haben. Und dafür gab es nun auch jede Menge Lob.

Der Vorsitzende der Verwaltungsgemeinschaft und Dieterkirchener Bürgermeister Hans Graßl beleuchtete die Ausgangslage im Gründungsjahr 1976. Die Mehrzahl der Gemeinden im ehemaligen Landkreis Neunburg hatte damals weniger als 100 bis höchstens 500 Einwohner und war außerdem mit einer steigenden Gesetzesflut konfrontiert. 16 von insgesamt 36 Gemeinden im Altlandkreisschlossen sich der Verwaltungsgemeinschaft an - und das war nicht immer einfach. So hätte die Gemeinde Kulz lieber mit Winklarn als mit Thanstein agiert, berichtete Graßl. "Wahrscheinlich spielte auch Angst eine nicht zu unterschätzende Rolle: wusste doch niemand, wie und ob eine solche Form der Verwaltung überhaupt funktionieren würde."

Gerechter Schlüssel


Basierend auf der Einwohnerzahl wurden die Sitze in der Gemeinschaftsversammlung verteilt: je drei für die größeren Kommune, zwei für Thanstein. Und an der Einwohnerzahl orientierte sich auch der Umlageschlüssel, der nicht selten Zankapfel in ähnlichen Konstellationen ist. "An diesem Umlageschlüssel wurde bis heute festgehalten, da sich gezeigt hat, dass dieser am aussagekräftigsten und gerechtesten ist," zeigte sich der VG-Vorsitzende überzeugt. Allerdings betrug die Umlage pro Einwohner im Jahr 1976 knappe 50 Mark, heute sind es rund 178 Euro. Das sei aber in Relation zum Haushaltsvolumen zu sehen, das von 170 000 Mark auf 970 000 Euro stieg.

Die Schilderung, wie die VG zu ihrem aktuellen Domizil in Neunburg gekommen ist, überließ Graßl seinem Vorgänger, dem Schwarzhofener Bürgermeister Maximilian Beer. In den Anfangsjahren hatten sich die sechs Mitarbeiter demnach mit sehr kleinen und teilweise maroden Räumen im ehemaligen Gesundheitsamt begnügen müssen. "Da war kein Platz für Besucher, kein Tisch und kein Telefon für die Bürgermeister", berichtete Beer. Auf dem Klo aus Nachkriegszeiten habe mancher befürchtet, die ganze Anlage könne unter seinen Füßen wegbrechen und er selbst im Burggraben landen. Und dann drohte auch noch eine höhere Miete. 1996 sei deshalb eine neue Unterkunft anvisiert worden, der Bezug des Neubaus erfolgte nach nur 15-monatiger Bauzeit.

Konfliktfähig


"Und da sitzen wir nun heute, nach 40 Jahren, 126 Gemeinschaftsversammlungen und einem Einwohnerzuwachs von 3819 im Jahre 1976 auf 4873 im Jahre 2016", rekapitulierte Graßl und verwies auf die elf Vollzeitjobs, die hier inzwischen angesiedelt sind. "Die Verwaltung ist ein Garant für Lebensqualität in unseren Gemeinden und Märkten", machte der VG-Vorsitzende deutlich und lobte die Mitarbeiter: "Wir weichen Konflikten nicht aus, sondern lösen sie durch sachliche Argumente und Diskussion." Das konnte auch Neunburgs Bürgermeister Martin Birner bestätigen, der die Verwaltungsgemeinschaft als "beispielgebend" rühmte und zur Geburtstagsfeier einen Obstkorb - "Vitamine für die nächsten 40 Jahre" - beisteuerte. Ein Kompliment für die vernünftige Entscheidung hin zu einer effizienten Verwaltung hatte auch Landrat Thomas Ebeling im Gepäck. Auch wenn der Zusammenschluss "nicht immer nur eine Liebesehe" gewesen sei, so sei das doch eine Erfolgsgeschichte, sagte der Landrat und fügte hinzu: "Ich wünsche mir, dass sie noch lange fortdauern wird."

Entwicklung geprägtGeschäftsstellenleiter

Rudolf Scheitinger (1976 bis '92), Karl Berger (1992 bis '99), Peter Hartl (Februar 1999 bis Dezember 2005), Johann Krämer (Januar 2006 bis Dezember 2010), Sabine Wilde (Juni 2011 bis Mai 2012), Sven Lederer (September 2012), André Schille (seit Januar 2014).

Gemeinschaftsvorsitzende

Matthias Weiß (1976 bis '78), Xaver Hinteneder (1978 bis 1984), Johann Bauer (1984 bis 1990), Johann Schwendner (1990 bis 1996), Maximilian Beer (1996 bis 2008), Wolfgang Probst (2008 bis 2014), Hans Graßl (seit 2014). (mp)


Die Verwaltung ist ein Garant für Lebensqualität in unseren Gemeinden und Märkten.VG-Vorsitzender Hans Graßl
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