Vortrag schildert historische Hintergründe des Neunburger Festspiels
Hussiten mit Kriegslist besiegt

Landrat und Schirmherr Thomas Ebeling (hintere Reihe, Dritter von links) sowie Vertreter von Stadt und Festspielverein ehrten mehrere "Hussenkrieg"-Mitwirkende für ihren langjährigen Einsatz auf der Bühne. Bilder: Mardanow (2)
Vermischtes
Neunburg vorm Wald
25.07.2016
152
0
 
"Ein Angriff zu dieser Stunde war für damalige Verhältnisse völlig blödsinnig." Zitat: Referent Peter Pauly

Feldhauptmann Hindschi Pflug setzte alles auf eine Karte: Es war bereits später Nachmittag, als er den Befehl zum Sturm auf die hussitische Wagenburg gab. Eine für das Spätmittelalter "völlig blödsinnige Zeit", erläuterte Referent Peter Pauly beim Festakt von Stadt und Festspielverein. Doch am Matthäustag anno 1433 eine erfolgreiche Kriegslist.

Die Bühnenfassung der historischen Schlacht von Hiltersried wird seit 1983 jeden Sommer auf der Burghof-Bühne erzählt. Einblick in die geschichtlichen Hintergründe vermittelte am Sonntag der Festvortrag "Matthäustag 1433 - die Schlacht von Hiltersried" im Schlosssaal. Der Referent steht selbst Jahr für Jahr auf der Bühne: Peter Pauly, Darsteller des Pfalzgrafen Johann und ehemaliger Oberstleutnant. Ziel seines Referats sei es, "die Szenen des Stücks in die historischen Gegebenheiten einordnen zu können", erläuterte er.

Es waren verschiedene Faktoren, die im 15. Jahrhundert die hussitische Bewegung in Böhmen ausgelöst hatten. Der Reformator Jan Hus hatte verschiedene Missstände des Klerus angeprangert und forderte die Rückkehr zu einer einfachen Kirche. Seine Verbrennung 1415 löste eine Rebellion gegen Kirche und Reich aus, die sogar Kreuzzüge nach sich zog.

Disziplin und Wagenburg


Die Hussiten, wie die Anhänger des Jan Hus genannt wurden, fielen ab 1418 in die Nachbarländer ein. Sie wollten Proviant und Geld für Pferde und Waffen rauben, und die Ideen des Jan Hus verbreiten. Der Erfolg ihrer Kriegszüge lag zum einen in der Motivation - "die Hussiten kämpften für ihre Sache" sowie in der eisernen Disziplin ihrer Kämpfer. Außerdem setzten sie die Wagenburg als taktisches Mittel ein: Doppelte Wände schützten Wägen und Besatzung vor Geschossen, der Feind wurde mit Geschützen und Armbrüsten ins Visier genommen, Geländehindernisse behinderten den Ansturm des Feindes.

Doch diese Taktik verpuffte am 21. September 1433. Zwar waren die Hussiten in der Übermacht - 2000 böhmischen Streitern stand ein Oberpfälzer Heer mit 200 Rittern, 1000 Fußknechten und 300 Schützen gegenüber -, doch mit vermuteten 100 Karren konnte lediglich ein Wall um das hussitische Lager gezogen werden - üblich waren zwei bis drei. Um den Feind zu überraschen, griff Hindschi Pflug, der Feldhauptmann des Pfalzgrafen Johann, zu einer Kriegslist: Er ließ um die Vesperzeit - zwischen 16 und 18 Uhr - angreifen, und überraschte damit den Gegner. "Die Hussiten waren nit bereit", heißt es dazu in einer alten Chronik. Außerdem konzentrierten die Oberpfälzer ihren Angriff auf die Schmalseiten und nicht die Breitseiten der Wagenburg. Die Schützen nahmen die Wagenburg unter Feuer, den Berittenen gelang es, in die Wagenburg einzudringen, das Fußvolk ging die Karren von außen an.

Die Kriegslist glückte: Die Oberpfälzer behielten das Feld für sich, 1500 Hussiten starben in der Schlacht, 300 wurden gefangen. Im Heer des Pfalzgrafen fielen lediglich 14 Kämpfer, darunter kein einziger Ritter. Im hussitischen Lager vor Pilsen löste die Nachricht von der Niederlage einen Streit aus, die Gegensätze zwischen den einzelnen Bewegungen - den gemäßigten Utraquisten und den radikalen Taboriten - brachen offen aus. Die Unruhen kulminierten ein Jahr später in der Schlacht von Lipan, als zwei hussitische Heere den "nationalen Selbstmord" begingen und der Bewegung damit das Rückgrat brachen.

Spaß für das Publikum


Der Festakt wurde durch die Gruppe "Der Kelch", das historische Ensemble der Städtischen Musikschule und des Festspielvereins, gestaltet. Als Schirmherr des "Hussenkrieg" dankte Landrat Thomas Ebeling allen, die sich dafür einsetzen, dass das Stück dem Publikum Spaß macht. Bürgermeister Martin Birner rückte in seinem Dank an das Ensemble vor allem die Helfer bei der Technik und hinter den Kulissen ins Blickfeld. Gemeinsam mit Helmut Mardanow, Vorsitzender des Festspielvereins, zeichneten Birner und Ebeling danach langjährige Mitwirkende aus.

EhrungenStadt und Festspielverein haben eine Vielzahl langjähriger Ensemble-Mitglieder des "Hussenkrieg"-Festspiels ausgezeichnet.

30 Jahre: Rosmarie Habel, Carola Lacher, Philipp Mardanow.

20 Jahre: Nikol Putz (Regisseur) .

15 Jahre: Charlotte Alt, Alfons Leitl, Markus Meier. 10 Jahre: Jonathan Binder, Lisa-Marie Buchholz, Anna-Karina Gollwitzer, Fabian Jonas, Tanja Lingl, Diana Mazurek, Horst Palmer.

5 Jahre: Karin Alesik, Markus, Nadja, Sophia und Yvonne Brandl, Alexandra Demleitner, Franziska Dorrer, Agnes Jonas, Felix Jonas, Alexander Malterer, Matthias Müller, Florian Nothas, Daniela Ruder, Tobias Sulzmeier, Simon Schmid, Mathias Walbrun.

Insgesamt zählt das Ensemble heuer 145 Mitwirkende. (mp)


Ein Angriff zu dieser Stunde war für damalige Verhältnisse völlig blödsinnig.Referent Peter Pauly
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.