Wasserwirtschaftsamt reicht Pläne für Fischaufstiegsanlage ein
Barrierefrei in die Schwarzach

Diese Konzeptzeichnung veranschaulicht die Planung für die vorgesehene Fischaufstiegsanlage an der Vorsperre. Rot eingezeichnet ist die Lage des geplanten Wasserkraftwerks. Vom Vorhaben nicht tangiert ist das in der Nähe verlaufende Teilstück des Wanderwegs (gelb) nach Rötz. Bild: WWA Weiden
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Neunburg vorm Wald
11.04.2016
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An der Vorsperre im Eixendorfer Stausee soll eine Umleitung für schuppige Bewohner eingerichtet werden: Für den Bau einer Fischaufstiegsanlage hat das Wasserwirtschaftsamt Weiden das Planfeststellungsverfahren beim Landkreis beantragt.

Aus einer Pressemitteilung, die Mathias Rosenmüller, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes (WWA) Weiden, übermittelte, geht hervor, dass der Bau des Fischaufstiegs an die Errichtung der Wasserkraftanlage an der Vorsperre verknüpft ist. "Dabei sollen Synergien aus beiden Baumaßnahmen genutzt werden", so der Behördenchef.

Wie Rosenmüller ausführte, stellen solche Barrieren wie beispielsweise die Vorsperre bei Hillstett, eine Beeinträchtigung für die Lebewesen im Wasser dar. "Querbauwerke zerschneiden Lebensräume von Fischen und anderen Kleintieren und hindern diese daran, zu geeigneten Laichplätzen oder Wintereinständen zu gelangen", verdeutlichte Mathias Rosenmüller. Die geplante Fischtreppe soll es "wanderwilligen" Flussfischen und Kleintieren wieder ermöglichen, vom Stausee in die Schwarzach aufzusteigen.

Zwei Gewässertypen


Verwaltungsintern sei die Notwendigkeit der Durchgängigkeit an der Vorsperre durchaus umstritten gewesen, gab der Amtsleiter zu verstehen. Er verwies auf die Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie, zu der im März 2011 das Bayerische Landesamt für Umwelt ein "Priorisierungskonzept Fischbiologische Durchgängigkeit in Bayern" erstellt hatte. Darin sei festgelegt, für welche der rund 8500 der staatlichen Querbauwerke Gelder und Planungskapazitäten zuerst einsetzt werden sollen. Eine Durchgängigkeit der Vorsperre Eixendorf habe nach dieser Einstufung zunächst nicht ganz vorne rangiert. Zumal dabei zwei unterschiedliche Gewässertypen - künstlicher See mit adäquatem Fischbesatz und ein naturnahes Fließgewässer - mit sehr verschiedenen Lebensräumen verknüpft werden.

Doch weil das durch die Bayerische Landeskraftwerke GmbH geplante "Öko-Wasserkraftwerk" (Rosenmüller) an der Vorsperre Pilotcharakter besitze und auf einen fischschonenden Betrieb ausgerichtet sei, habe sich das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz dazu entschlossen, vom Priorisierungskonzept abzuweichen. Die Aufstiegsanlage werde aber nur gebaut, wenn auch die Öko-Wasserkraft an der Vorsperre realisiert wird. Aktuell ist gegen die Kraftwerkspläne noch eine Klage des Neunburger Fischereivereins vor dem Verwaltungsgerichtshof anhängig.

Den Ausschlag gegeben hätten letztendlich die Ergebnisse einer System-Untersuchung im staatlichen Forschungsprogramm "Wasserkraftnutzung und Gewässerökologie" durch die TU München im Sommer 2015. Wie der WWA-Chef informierte, sei die Herstellung der Durchgängigkeit von "unten nach oben" Aufgabe des Wasserwirtschaftsamtes als Eigentümers der Wehranlage. Die Aufstiegsmöglichkeit für Fische und andere Lebewesen sei bislang nicht gegeben, der Abstieg und der Fischschutz seien künftig durch die Ausstattung der ökologischen Wasserkraftanlage sichergestellt.

"Offene Planung"


Die Planung habe die "Bietergemeinschaft ÖKON/Technisches Büro für Gewässerökologie Gumpinger/Ingenieurbüro Humer/IBBG Geotechnik" erstellt. Die Planungsgrundsätze seien in einer "offenen Planung" mit Vertretern von Fischerei, Naturschutz und Landeskraftwerken diskutiert worden. Die Festlegung auf die nun beim Landratsamt vorgelegte Variante unter Abwägung der teils unterschiedlichen Interessen sei durch das Wasserwirtschaftsamt erfolgt.

Eine Mischung aus Natur und TechnikWie das Wasserwirtschaftsamt ausführt, besteht die Schwierigkeit bei der Planung des Fischpasses darin, dass einerseits so viel Wasser durch die Wanderhilfe fließen muss, dass sie auch sehr große Fische, wie beispielsweise ein ausgewachsener Schied, problemlos passieren können. Andererseits darf die Strömung nicht zu stark sein, damit auch kleine oder "schwimmschwache" Arten durch können.

Mit dem Aufstieg müssen auf kurzer Strecke circa 5 bis maximal 7 Höhenmeter überwunden werden, weshalb die Fischtreppe teils als technischer Aufstieg (mit 47 Betonbecken), teils als naturnahes Gerinne (etwa 120 Meter Bachlauf) hergestellt werden soll.

Da der Eixendorfer See im Jahresverlauf naturgemäß Wasserspiegelschwankungen von mehreren Metern aufweisen kann, besteht laut Behörde die besondere Herausforderung darin, die hydraulischen Verhältnisse im Fischpass so auszurichten, dass eine "Durchwanderbarkeit" an mindestens 300 Tagen im Jahre möglich ist. (mp)
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