Wegen Überprüfung der Anlagenteile: Eixendorfer See lässt Wasser
Ab Dienstag sinkt der Stausee-Pegel

An der Vorsperre des Eixendorfer Stausees haben die Arbeiten begonnen. Vor der Absenkung dort wird ein Einbaukasten versenkt, der den Schlamm zurückhalten soll. Bilder: Mardanow (2)
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Neunburg vorm Wald
12.09.2016
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Dieses Team um Dr. Katharina Stöckl (Vierte von links), Leiterin der Koordinationsstelle für Muschelschutz an der Technischen Universität München, kümmert sich um die Bergung der Wasserbewohner. Baudirektor Mathias Rosenmüller (rechts), Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Weiden, erläuterte Details zur Revision.

Das Wasserwirtschaftsamt zieht den Stöpsel: Um bis zu 25 Zentimeter pro Tag wird der Eixendorfer Stausee ab heute bis etwa Mitte Oktober abgesenkt. Auslöser ist eine nötige Überprüfung der technischen Anlagen. Trocken fallen wird auch der Bereich der Vorsperre.

Wie angekündigt, leitet das Wasserwirtschaftsamt Weiden ab heute die Absenkung des Wasserspiegels ein. Ursprünglich für August geplant, "sind wir mit dem späteren Termin dem Tourismus in der Region entgegen gekommen", erklärt der Behördenleiter, Baudirektor Mathias Rosenmüller, bei einem Pressetermin.

Nach 40 Betriebsjahren sei es für die Anlagensicherheit dringend notwendig, das Revisionsschütz am Einlauf des Grundablasses des Staudamms an der Hauptsperre zu überprüfen. Tauchereinsätze hätten ergeben, dass die Steuereinrichtungen detailliert untersucht werden müssen. Für die nötigen Arbeiten muss der See-Pegel um gut fünf Meter abgesenkt werden.

Abfluss künftig steuern


Neu ist, dass zusätzlich in der Vorsperre bei Hillstett die sogenannten Schützentafeln umgebaut und mit einem Antrieb versehen werden, um künftig den Abfluss steuern zu können. Diese Gelegenheit, habe sich durch den geplanten Bau der Wasserkraftanlage durch die Bayerische Landeskraftwerke GmbH ergeben. Künftig sei an der Vorsperre ein Stromanschluss vorhanden, so dass der Einbau eines elektrischen Hubzylinders möglich sei. Bisher mussten die Tafeln mit einem Lastkran gezogen werden. Für das Vorhaben hätten sich Amt und Landeskraftwerke zeitlich abgestimmt. Allerdings sei es für den Umbau notwendig, den Bereich der Vorsperre bis auf einen kleinen Grundsee (mindestens einen Meter Höhe) zu entleeren.

Algenblüte entschärft


Es sei Ziel, die Auswirkungen auf die Umwelt so gering wie möglich zu halten. Beim Fischbestand glaubt Rosenmüller, die kritische Phase der Algenblüte - mit hohen Wassertemperaturen und starkem ph-Wert im See - durch die Verschiebung der Absenkung entschärft zu haben. Der Behördenleiter gehe von einem "fachgerechten Besatz" durch den Fischereiverein aus - "dass nicht mehr Fische drin sind, als der See bei genehmigtem Niedrigststand verträgt".

Besonders im Blickpunkt ist die Muschel-Population im Stausee. Während der Absenkphase ist die Koordinationsstelle für Muschelschutz an der Technischen Universität München mit der Bergung der Tiere betraut. Leiterin Dr. Katharina Stöckl schildert, dass im Vorfeld durch Taucher der Wasserwacht-Ortsgruppe Neunburg die Bereiche mit besonders großer Muschel-Dichte lokalisiert wurden. Mit Wathosen, Booten, Eimern und Aquaskop werden die Muscheln nun gesammelt und in tiefere Bereiche des Sees umgesetzt.

Für die Bergung, die bis zu vier Wochen dauern könne, stehe ein Team aus drei Gewässerbiologen, fünf Studenten und Mitarbeitern des Wasserwirtschaftsamtes bereit. "Wir werden unser Bestes tun, und so viele Tiere wie möglich umsetzen", versicherte Dr. Stöckl. Allerdings werde nicht jede Muschel zu retten sein.

Um den Schlammeintrag in den Hauptsee zu verringern, werde die Vorsperre bei noch "vollem" Hauptsee abgelassen. Zusätzlich werde oberhalb der beiden Schützen ein massiver Einbaukasten platziert, der den oberhalb lagernden Schlamm zurückhalten soll. Bei einer Absenkung von 20 bis 25 Zentimetern pro Tag rechnet WWA-Leiter Rosenmüller damit, dass der minimale Wasserstand von 425,50 Metern NN Mitte Oktober erreicht wird. Damit werde sich nach 40 Jahre wieder ein einzigartiger Blick auf Teile des eingestauten Tales bieten, der alte Verlauf der Schwarzach werde wieder auf einer Länge von circa einem Kilometer sichtbar. Vom früheren Kirchenturm sei aber wohl nichts mehr übrig.

Kritik: "Kein Notfallplan"


Als Vertreter des Fischereivereins kritisierte Robert Bäumler gegenüber Pressevertretern, dass das Entleeren der Vorsperre für die Anlagenrevision gar nicht nötig sei, dies hänge einzig mit dem Bau des Wasserkraftwerks zusammen. Er bemängelte, dass seitens der Landeskraftwerke ein vorgeschriebener Bau- und Absenkplan, der verschiedene Begleitmaßnahmen aufzeige, nach wie vor nicht vorliege. Zusätzlich fehle ein "Notfallplan", wenn es im abgesenkten See doch zu einem Fischsterben durch die Algen kommen sollte. In den Reihen der Petrijünger seien die Befürchtungen groß, "dass das nicht gut geht".

Pegel im Internet abrufenDas Wasserwirtschaftsamt Weiden beginnt ab heute mit der Absenkung des Eixendorfer Stausees, um den Grundablass und die Regel-Einrichtungen der Talsperre inspizieren zu können. Bis Mitte Oktober wird der Wasserspiegel um rund fünf Meter fallen.

Die Wasserstände im Zeitraum der Absenkung werden auf der Homepage des Wasserwirtschaftsamtes www.wwa-wen.bayern.de unter der Rubrik "Flüsse und Seen", Unterpunkt "Maßnahmen", eingestellt. Die Behörde weist darauf hin, dass die Wasserstände lediglich einen groben Anhalt bieten und kein rechtlicher Anspruch auf die Einhaltung dieser Wasserstände durch das WWA besteht.

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Weitere Informationen:

www.wwa-wen.bayern.de
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