Fischereivertreter Neunburg befürchten Zerwirtschaftung des Sees
Wasserkraft scheidet die Geister

Gut 60 Meter lang ist das Bauwerk der Vorsperre bei Hillstett. Die Landeskraftwerke Bayern GmbH plant, auf dem rechten Betonsockel ein bewegliches Wasserkraftwerk zu errichten. Doch vor allem Umweltverbände stehen dem Vorhaben skeptisch und ablehnend gegenüber. Bild: Mardanow
Wirtschaft
Neunburg vorm Wald
23.09.2014
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Nach wie vor umstritten ist der geplante Bau eines Wasserkraftwerks an der Vorsperre des Eixendorfer Stausees. Während die Betreiber beim Erörterungstermin von einem Vorzeigeprojekt sprachen, befürchteten Fischereivertreter eine "Zerwirtschaftung des Sees".

Fast sechs Stunden stand das Für und Wider im Blickpunkt. Insgesamt sieben Einwendungen waren gegen das Projekt bei Hillstett eingereicht worden. Kathrin Haas, Leiterin der Umweltabteilung am Landratsamt Schwandorf, leitete den Erörterungstermin. Kurz skizzierte sie das Vorhaben, mit dem am Querbauwerk der Vorsperre ein bewegliches Wasserkraftwerk errichtet werden soll.

"Einmalige Anlage"

Es sei Ziel, die Umweltverträglichkeit der Wasserkraft weiterzuentwickeln, erklärte Jochen Zehender, Projektleiter der Landeskraftwerke GmbH. In Hillstett sei ein ökologisches Kraftwerk mit fischverträglicher Turbinentechnik geplant, "so eine Anlage wäre bislang einmalig in Bayern". Planer Wolfgang Nierlich rechnete mit fünf Monaten Gesamtbauzeit und bezifferte die geplante Ausbauleistung auf 175 Kilowatt.

Als Gegner der Anlage bezog der Fischereiverein Neunburg ausführlich Stellung. Robert Bäumler, im Verein zuständig für Naturschutzfragen, kritisierte unter anderem das Fehlen eines Fischaufstiegs. Er bezweifelte die Wirtschaftlichkeit der Anlage, die vorgesehene Leistung sei "gerade einmal für 80 Staubsauger" ausreichend. Mit dem Wasserkraftwerk würden nicht nur die Belange der Fischer sondern auch der Allgemeinheit extrem tangiert. Vorsitzender Michael Throner sprach beim Erörterungstermin gar von einer "Zerwirtschaftung des Sees".

Ökologische Verschlechterung befürchtet

Durch die Anlage befürchten die Petrijünger "eine erhebliche ökologische Verschlechterung". Weil die Vorsperre nur noch an 100 Tagen im Jahr von Wasser überströmt sein soll, sei eine "Katastrophe" (Bäumler) für die Muschelpopulation zu erwarten. Auch das Laichgebiet des Rapfen (Schied), das sich im Bereich des Überlaufs befinde, werde in Mitleidenschaft gezogen. Hier widersprach Dr. Manfred Holzner (Büro für Gewässerökologie und Fischökologie) als Gutachter für die Landeskraftwerke. Er bezweifelte das Vorkommen von Schied-Jungtieren, ein "Laichausschlag" könne bei dieser Art teilweise von der Wassertemperatur abhängig sein. Das Anlegen von "Ersatzlaichplätzen", wie von Jochen Zehender ins Spiel gebracht, sah Dr. Thomas Ring, Fischereifachberater des Bezirks Oberpfalz, mit Skepsis: "Wir kennen das ökologische System im See nicht."

Noch keine Tendenz

Nicht gelten lassen wollte Dr. Holzner die Aussage, mit der neuen Anlage gebe es kein "Vorbei" für Fische. Gerade weil das geplante Kraftwerk dies ermögliche, solle es ja auch umgesetzt werden. "Nicht genügend Argumente für einen zusätzlichen Fischaufstieg" sah Günther Michler vom Wasserwirtschaftsamt Weiden. Er wies darauf hin, dass die Auswirkungen der Anlage durch die TU München in einem Monitoring-Programm untersucht werden. Anders argumentierten die Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde: Der Rapfen sei eine gefährdete Art, eine Aufstiegshilfe sei nötig, um die Wanderung zu den Laichplätzen in der Vorsperre zu ermöglichen. In Sachen Fischschutz forderte der Verein einen Rechenabstand von maximal 15 Millimetern. Ohnehin sei zu befürchten, dass die eingebaute Turbine eine "Fisch-Häcksel-Maschine" werde.

Nahezu drei Stunden wurden die Einwände des Fischereivereins besprochen. Erst nach der Mittagspause kamen die weiteren Stellungnahmen zur Sprache. Am Landratsamt werden die verschiedenen Argumente nun abgewogen. "Die Äußerungen müssen auch einer rechtlichen Prüfung standhalten", erklärte Pressesprecher Franz Pfeffer. Wie lange es dauert, bis der Bescheid mit der Genehmigung oder der Ablehnung an die Landeskraftwerke geht, konnte Pfeffer nicht sagen. "Es gibt noch keine Tendenz in irgendeine Richtung".
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