Trotz Schwerhörigkeit: Junge Frau arbeitet erfolgreich als Bauzeichnerin
Mutmacher mit Handicamp

Die Technische Zeichnerin Büsra Tigli (rechts) kommt an ihrem Arbeitsplatz bei der Firma Steininger trotz ihres Handicaps gut zurecht. Davon konnten sich Geschäftsführer Siegfried Dettmann, die Agentur-Vertreter Eveline Reil und Joachim Ossmann sowie Abteilungsleiter Günther Gruber (von links) überzeugen. Bild: rhi
Wirtschaft
Neunburg vorm Wald
28.11.2016
38
0

Büsra Tigli (23) ist seit ihrem vierten Lebensjahr schwerhörig, besuchte eine spezielle Schule für Hörgeschädigte und machte eine Ausbildung zur Technischen Zeichnerin. Seit gut einem Jahr arbeitet sie erfolgreich im Planungsbüro der Baufirma Steininger.

Der Leiter der Arbeitsagentur, Joachim Ossmann, wählte die junge Dame für einen Pressetermin aus, um Menschen mit Handicap Mut zu machen. Seine Behörde wolle mit einer Aktionswoche aufmerksam machen auf eine Gruppe von Leuten, "die es schwerer hat als andere, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen".

Über der Quote


Im Agenturbezirk Schwandorf sind 800 Schwerbehinderte auf der Suche nach einem Job. "63 Prozent von ihnen haben eine abgeschlossene Berufsausbildung", entnimmt Joachim Ossmann der Statistik. Trotz guter Qualifikation sei es aber schwer, sie in den Arbeitsmarkt zu vermitteln. Die Neunburger Baufirma Steininger geht mit gutem Beispiel voran, beschäftigt derzeit elf Mitarbeiter mit Handicap und liegt damit bei 200 Beschäftigten über der gesetzlich vorgeschriebenen Quote.

Geschäftsführer Siegfried Dettmann ist zwar dankbar für die staatliche Förderung, sie stehe aber bei der Anstellung behinderter Mitarbeiter nicht im Vordergrund. Die Arbeitsagentur stellt im Bezirk Schwandorf jährlich zwölf Millionen Euro zur Eingliederung von Schwerbehinderten in den Arbeitsmarkt zur Verfügung. Weitere Fördermittel gewährt das Integrationsamt.

Von Lippen ablesen


Architekt Günther Gruber leitet die Planungsabteilung mit acht Mitarbeitern und ist mit Büsra Tigli "sehr zufrieden". Das Team habe sich mittlerweile auf die Behinderung der Mitarbeiterin eingestellt und könne damit umgehen. "Büsra braucht Augenkontakt und liest von den Lippen ab", erklärt Günther Gruber. Zurufe über Schreibtische hinweg oder in Büroräume hinein gingen nicht. Büsra könne auch keine Telefonate mit Kunden oder Mitarbeitern führen. Bei der jüngsten Betriebsversammlung war ein Dolmetscher anwesend und gab die Informationen in Gebärdensprache weiter.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.