Gedenken bleibt unsere Pflicht

Kränze am Ehrenmal legten eine Abordnung der 5. Batterie des Artilleriebataillons 131 (Bild), die Soldatenkameradschaft sowie Neusorgs Bürgermeister Peter König (links) nieder. Bild: hkö
Lokales
Neusorg
18.11.2014
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Nicht wenige halten den Volkstrauertag für entbehrlich. Viele Jahrzehnte lägen die Weltkriege schon zurück. Doch die Sprecher bei der Feierstunde in Neusorg waren anderer Meinung. So lange nicht Frieden auf Erden herrsche, sei das Gedenken Pflichtaufgabe.

(hkö) Mit einer Feier am Kriegerdenkmal beging die Gemeinde Neusorg den Volkstrauertag. Vorausgegangen waren ein Kirchenzug und ein Gottesdienst, den Pfarrer Hans Riedl und Diakon Harald Schraml zelebrierten. Der Männergesangverein Neusorg und die Neusorger Blaskapelle umrahmten die Feierlichkeiten.

Nach dem Gottesdienst zogen die Vereine und Verbände mit ihren Fahnenabordnungen und zahlreiche Gemeinderäte zu den Klängen der Blaskapelle Neusorg zum Kriegerdenkmal, um der Vermissten und Gefallenen zu gedenken.

Diakon Harald Schraml merkte an, dass sich viele Menschen vor Beginn des Ersten Weltkrieges manipulieren ließen. Nach dem Motto "Heute gehört uns Deutschland, morgen die ganze Welt" hätten sie sich mitreißen lassen und träumten von einer neuen Zeit, bis dann die Quittung erfolgte. Harald Schraml stellte heraus, dass das Gedenken am Volkstrauertag für viele Hinterbliebenen eine bittere Erfahrung an Gewalt, Folter und Krieg sei, die die Menschen ein Leben lang nicht vergessen.

Erschütternde Briefe

Der Volkstrauertag 2014 stehe im Zeichen des Ersten Weltkrieges, stellte Bürgermeister Peter König heraus. Vor 100 Jahren wandelte sich eine anfängliche Kriegsbegeisterung schnell in Entsetzen und Trauer. Gesteigert wurde diese Urkatastrophe durch den Zweiten Weltkrieg. Wie schlimm die Gefühlslage der einzelnen Soldaten war, sei aus ihren Briefen zu entnehmen, die sie in die Heimat schrieben.

Viele Generationen seien seitdem vergangen. Nicht wenige fragten sich, ob es nicht besser wäre, die Erinnerung an die Geschichte ruhen zu lassen, diese schrecklichen Zeiten zu vergessen und die Tradition des Volkstrauertages zu beenden. Das Gemeindeoberhaupt betonte jedoch, dass dies der falsche Weg wäre. Der Volkstrauertag sei ein Tag des stillen Gedenkens an alle Opfer von Kriegen und Gewalt, aber auch ein Tag der Besinnung.

Doch auch heute setzten Soldaten bei Auslandseinsätzen ihr Leben aufs Spiel. "Dafür schulden wir ihnen nicht nur Dank, sondern wir haben auch die Verpflichtung, für die Freiheit einzutreten." Angesichts der Weltgeschichte sei der Volkstrauertag kein entbehrlicher Gedenktag. Entbehrlich wäre er erst dann, wenn einmal das einträte, was wir in wenigen Wochen in der Weihnachtsbotschaft hören werden: Frieden auf Erden.

Norbert Schwarz, der Vorsitzende der Soldaten- und Reservistenkameradschaft, ging auf die Geschichte beider Weltkriege ein. Während im Ersten Weltkrieg 70 Millionen Soldaten bewaffnet waren, standen sich im Zweiten Weltkrieg über 110 Millionen gegenüber. 60 Nationen waren an diesem Krieg beteiligt.

Kränze niedergelegt

Der Sprecher dankte allen Soldaten für ihren Einsatz. Zum Fahnengruß und dem Lied vom guten Kameraden legte er, wie zuvor schon der Bürgermeister, einen Kranz am Ehrenmal nieder. Auch Oberleutnant Sokol legte für die 5. Batterie des Artilleriebataillons 131 stellvertretend für alle Soldaten einen Kranz am Ehrenmal nieder.
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