Genie oder Wahnsinn?

Ein TV-Team der BR-Sendung "quer" befragte die Bürgermeister Manfred Kratzer, Peter König, Hubert Kraus und Ludwig König (von links) zum Kögi-Rathaus. Bild: soj
Lokales
Neusorg
09.10.2014
1
0

Ein Rathaus auf der Kösseine? Ein Zusammenschluss von Kommunen rund um die Kösseine zum Oberzentrum Kögi? Mit dieser Vision hat Wunsiedels Stadtrat Matthias Popp für Gesprächsstoff gesorgt. Auch bei den Bürgermeister der Anliegergmeinden.

Matthias Popp macht sich Sorgen um Städte und Gemeinden rund um die Kösseine (wir berichteten). Finanzielle Probleme und die Abwanderung junger Leute in Ballungszentren führt er als Beweggründe für einen ungewöhnlichen Vorschlag an: Die Kommunen sollen sich zusammenschließen. Äußeres Zeichen soll ein Rathaus auf dem Gipfel der Kösseine sein. Der Namen des Projekts: Kögi (von Kösseinegipfel). "Der neue Tag" wollten von den Bürgermeistern aus Neusorg, Ebnath, Pullenreuth und Brand wissen, was sie von Popps Plänen halten.

Peter König (Bürgermeister von Neusorg): "Die Idee der interkommunalen Zusammenarbeit finde ich grundsätzlich gut und begrüßenswert. Dieser Gedanke ist aber für alle möglichen Kommunen nicht neu. So wie dieser Zusammenschluss bis jetzt angedacht ist, ist er für uns rund um den Steinwald bereits seit längerer Zeit guter Brauch. Auch die Steinwald-Allianz besteht aus 16 Gemeinden mit rund 40 000 Bürgern.

Dadurch haben wir auch eine sehr gute Vermarktung und sind beispielsweise durch die Radwege gut vernetzt. Gewisse Entwicklungen werden schon durch die Steinwald-Allianz unterstützt und gefördert. Diese Überlegungen zeigen aber, dass wir auch Verantwortung gegenüber der Steinwald-Allianz zeigen müssen. Wir wollen und werden da weiter gut kooperieren. Eine Gemeinde befindet sich stets in gewissen finanziellen Auseinandersetzungen und Problemen, deshalb wäre es jetzt die falsche Strategie, während der Schlacht die Pferde zu wechseln."

Manfred Kratzer (Ebnaths Bürgermeister): "Ich begrüße die Visionen von Matthias Popp. Es schadet nie, wenn sich die Menschen mit den aktuellen Gegebenheiten in unserer Heimat beschäftigen. Allerdings ist es nicht damit getan, dass man mit einem Oberzentrum das Geld in unserer Heimat lässt und unsere Kinder oder junge Menschen allgemein mit mehr Arbeitsmöglichkeiten eine Perspektive gibt. Es gilt für jede Gemeinde, die Vor- und Nachteile in einem Oberzentrum aufzuzeigen. Es wird immer Gewinner und Verlierer geben. Wahrscheinliche Sieger sind sicher die Städte mit der Hoffnung auf weitere Bildungseinrichtungen oder Gewerbegebieten. Wichtig sind bei einer solchen Vision die regierungsbezirksübergreifenden Hilfestellungen. Ohne das Zusammenspiel der Regierungen von Oberfranken und der Oberpfalz geht es ganz bestimmt nicht.

Die Kögi-Partei ist für mich nur ein Zusammenschluss der Befürworter der Visionen von Popp. Meine erster Gedanke bei einem Rathaus auf der Kösseine: ein Aprilscherz. Für mich ist nicht nachvollziehbar was das bringen soll. Das Bild in den Medien war jedoch ein Hingucker, das die Bürger animiert hat, den Artikel zu lesen und darüber zu diskutieren. Für mich ist Popp weder ein Genie noch ein Wahnsinniger. Er hat Ideen, die zwar noch viel zu wenig zu Ende gedacht sind, scheut sich jedoch nicht Dinge, anzusprechen, die für manche auch unangenehm sein können."

Hubert Kraus (Bürgermeister von Pullenreuth): "Grundsätzlich ist die Idee interkommunaler Zusammenarbeit sehr gut. Pullenreuth ist schon seit vielen Jahren Mitglied der Steinwald-Allianz, um genau dieses Ziel zu erreichen. Im Lauf der Jahre wurden so viele Projekte erfolgreich realisiert. Für uns ist es aber nur schwer möglich, hier noch einem Verbund beizutreten, geschweige denn einer Stadt, wie es Popp plant. Einen Rathausbau auf der Kösseine sehe ich nicht zu realisieren, da dies immense Kosten für den Bau und die dazugehörige Infrastruktur nach sich ziehen würde. Auch von der Seite des Naturschutzes aus gesehen, käme so ein Bau nicht in Frage. Wir kämpfen gegen Stromtrassen und Windräder in Naturschutzgebieten und würden dann die Kösseine mit so einem Projekt verbauen. Undenkbar. Ob Popps Idee genial oder wahnsinnig ist: Er ist ein Visionär. Wir brauchen solche Leute, die auch ausgefallene Ideen einbringen. Aber das Ganze sollte dann auch realisierbar sein."

Ludwig König (Bürgermeister von Brand): "Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich ein Oberzentrum Kögi um den Kösseinegipfel verwirklichen lässt. Richtig ist, dass man ohne interkommunale Zusammenarbeit nicht mehr an die Fördertöpfe kommt. Hier sind die 16 Gemeinden in der Steinwald Allianz aber auf dem richtigen Weg." (Blickpunkt)
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2014 (9311)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.