Integration is' auf'm Platz

Amir Hasanovic (Zweiter von rechts) trägt stolz das Shirt des SV Neusorg. Wenn er mit seinen Freunden zum Kicken kommt, ist sein Vater Rasan Hasanovic oft als Zuschauer dabei. Der junge Mehani Blendi (vorne) spielt in einem Nachwuchsteam des SV. Bild: ndi
Lokales
Neusorg
30.07.2015
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"Fußball verbindet" - beim SV Neusorg tut er das tatsächlich. Auf dem Platz fanden einige bosnische Asylbewerber Anschluss - und der SV internationale Verstärkung für sein A-Klassen-Team.

(wüw) Für drei junge Bosnier hat SV-Abteilungsleiter Alex Hörl inzwischen Spielerpässe angemeldet, zwei hat der Bayerische Fußballverband schon zugeschickt, sie dürfen ganz offiziell für den SV Neusorg auflaufen. "Von uns haben sie Trainingsanzüge und Fußballschuhe bekommen", sagt Hörl. Der Abteilungsleiter freut sich über den Stolz, mit dem die jungen Leute die SV-Farben tragen. Vor allem für Amir Hasanovic sind Hörl und der SV in den letzten Monaten wichtige Bezugspunkten geworden. Der 17-Jährige ist beinahe täglich auf dem Fußballplatz, rufe ihn häufig an, nehme am Vereinsleben Anteil.

Hörl hilft gern, aber nicht ohne Gegenleistung. "Ich will sehen, dass auch etwas zurückkommt. Wenn jemand zu uns kommt, aber die Sprache nicht lernen will, dann ist das nicht richtig." Mit dem jungen Amir kann Hörl deshalb viel anfangen. Der sei zuverlässig und gebe sich mit der Sprache große Mühe. Seit 2014 lebt er mit seiner Familie in einem ehemaligen Gasthof in Neusorg, Bürgermeister Peter König habe für die Neuankömmlinge damals einen Sprachkurs organisiert und der zeige besonders bei Amir Wirkung. "Der Junge spricht richtig gut Deutsch", sagt Hörl.

Weil sie nicht Arbeiten dürfen und kein Geld haben, bleibt den Bosniern neben dem Deutsch lernen nur eine Abwechslung: Von Anfang an seien die jungen Männer aufs Sportgelände zum Kicken gekommen, bis heute beinahe täglich. Den Verantwortlichen des SV gefällt diese Begeisterung für den Fußball, schließlich sind sie selbst von dem Spiel begeistert. Deshalb hatten sie auch kein Problem mit den Gästen, die zunächst unter sich blieben. Weil sich über Fußball aber so herrlich Fachsimpeln lässt, kamen bald deutsch-bosnische Gespräche in Gang und zu Beginn der Vorbereitung für die neue Saison fragten nun tatsächlich drei Bosnier nach, ob sie nicht in der Mannschaft mittrainieren und -spielen dürfen.

Sie dürfen: Die Integration funktioniere gut, sagt Hörl. Die deutschen SV-Spieler zeigten keine Vorbehalte und die drei Bosnier geben sich Mühe. Das größte Hindernis sei die Sprache. Abgesehen von Amir fehlen noch Deutschkenntnisse. "Und uns kostet es einfach Überwindung, Englisch zu sprechen", sagt Hörl. Deshalb sollen die Neuen vom Balkan vorerst in der zweiten Mannschaft in der A-Klasse spielen, auch wenn das Talent für das Team in der Kreisliga reichen würde. "Die Fußballersprache ist zusätzlich speziell. Deshalb lassen wir es langsamer angehen."
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