"Mehr Mitte wagen"

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Lokales
Neusorg
25.11.2014
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Die "neue" Eva lebe immer noch mit dem "alten" Adam. Mit diesem biblischen Bild verdeutlichte der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Ludwig Stiegler beim Besuch in Neusorg, dass die Gleichstellung von Mann und Frau noch längst nicht vollzogen ist. Grund für seinen Abstecher war ein Jubiläum.

Der Kreisverband Tirschenreuth der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) feierte 30-jähriges Bestehen. Vorsitzende Sibylle Bayer und "Verbandspatin" Hannelore Bienlein-Holl engagierten deswegen Ludwig Stiegler als Festredner. "Als die Anfrage kam, war ich zunächst verwirrt: Ein Mann bei Frauen? Das gibt's doch nicht", sagte Stiegler eingangs. Hinter der SPD liege ein langer und schwerer Weg. Die AsF habe großen Anteil am "Reißverschluss"-Verfahren bei der Aufstellung der SPD-Bundeslisten. Männer und Frauen wechselten sich darauf ab. "Selbst gegen ,große' Frauen der Genossen war es schwer, die Quote durchzudrücken", blickte Stiegler auf den turbulenten Parteitag 2011 in Berlin zurück. Das Programm sei bei weitem nicht überall akzeptiert gewesen.

Nicht träumen lassen

Die AsF gehe hier mit guten Methoden voran. "Ihr lebt soziales Engagement, bevorzugt die Politik der kleinen Schritte und habt euer Denken und Fühlen geändert." Die Gesellschaft befinde sich in einer Kulturreform. Da die SPD bei Revolutionen grundsätzlich zurückhaltend sei, dauere es eben etwas länger. "Wer hätte sich vor 40 Jahren träumen lassen, dass sich Vater und Mutter die Erziehung der Kinder teilen? Da bekam mancher Mann schon das Bundesverdienstkreuz, wenn er den Müll raus brachte." Stiegler lobte dabei den Auftritt von Familienministerin Manuela Schwesig. "Vieles, das für junge Frauen heute selbstverständlich ist, geht auf den Einsatz der AsF zurück. "

Gerade vor dem Hintergrund der ländlichen Gegend und des konservativ geprägten Landkreises rage der Einsatz im Kreisverband Tirschenreuth heraus. Neben all dem Lob hatte Stiegler aber auch einen Auftrag für Sibylle Bayer und Co. dabei. "Ihr braucht Nachwuchs. Nächstes Ziel muss es sein, auch das 50-jährige Bestehen feiern zu können - mit neuen, jungen Frauen." Persönliche Wärme und viel Einfühlungsvermögen sorgten dafür, dass dieser Kreisverband auf der Charme-Skala weit vor anderen AsFs liege - optimale Voraussetzungen für Neuzugänge.

Mit mehr schon weniger

Ludwig Stiegler streifte bei seinem Referat auch die Bühne der "großen" Politik in Berlin. Dabei gab er unumwunden zu: "Wir Sozialdemokraten hatten schon bessere Zeiten." Immerhin amtiere Sigmar Gabriel nun schon fünf Jahre am Stück als Parteivorsitzender. "Fast ein Rekord", fügte der ehemalige Abgeordnete an. Und die SPD sei inzwischen wieder in Tritt. Mit 25 Prozent habe man beim Koalitionspartner CDU eine Menge erreicht. "Da haben wir mit mehr schon weniger geschafft." Skeptisch beurteilt Ludwig Stiegler den sozialdemokratischen Linksruck, beispielsweise in Thüringen. "Die sollen Rot-Rot-Grün ruhig mal probieren, aber wir müssen wieder mehr in die Mitte arbeiten." Die aktuelle Frauenpolitik der CDU liefere genügend Argumente pro Sozialdemokratie. Und "mehr Mitte machen" gehe nicht über Nacht. "Wir müssen auf die Zeit nach Angela Merkel vorbereitet sein. Die Kanzlerin hat ihren Zenit überschritten, doch wer kommt hinter ihr? Ich kenne da keinen. Die leben alle von Merkel", sieht Stiegler gute Chancen bei der nächsten Bundestagswahl.

Kreisvorsitzende Sibylle Bayer betonte, dass es Aufgabe der AsF sei, das Frauenbild zu verbessern. Dies sei mit der CSU schwierig, weil sie ein anderes Frauenbild vertrete. Für Uli Roth, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Kreis-SPD, setzt die AsF überregional Glanzlichter. Ihr Einfluss reiche bis in die Bundesspitze. "Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist und bleibt das große Ziel der AsF." Laut Neusorgs Bürgermeister Peter König prägt die SPD "seine" Gemeinde seit Jahrzehnten. "Wir sind eine relativ junge Gemeinde, und sozialdemokratische Bürgermeister trugen mehr als eine Halbzeit lang die Spielführerbinde." Bereits in den 1960er-Jahren seien die ersten Frauen in Neusorg aktiv gewesen. Heute seien sie aus der Kommunalpolitik nicht mehr wegzudenken. "Unsere AsF-Ortsgruppe ist sehr umtriebig, und auch hier gilt: Hinter jedem starken Mann steht auch eine starke Frau." (Kurz notiert)
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