Abriss gibt Hoffnung

Architekt Ralf Köferl stellte das Media-Areal so vor, wie es künftig aussehen könnte. Bild: hkö
Politik
Neusorg
09.11.2016
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Für ein über 100 Jahre altes Firmengelände in Neusorg wird es langsam eng. Die ehemalige "Rosenthal- Einrichtung" mit Besteckfertigung und spätere "Media- Einrichtung" wird abgerissen.

Bürgermeister Peter König, die Ingenieur- und Planungsbüros sowie die beauftragte Abrissfirma Plannerer gaben bei der Informationsversammlung in der Rektor- Haindl-Aula einen Einblick in die bevorstehenden Arbeiten auf dem Areal an der Marktredwitzer Straße.

König konnte im nahezu voll besetzten Saal auch Pfarrer Hans Riedl, einige Gemeinderatskollegen und viele ehemalige Rosenthal- und Media-Mitarbeiter begrüßen. Das Gemeindeoberhaupt ging auf die Vergangenheit des Firmengeländes ein, das 100 Jahre ein Industrie- beziehungsweise Gewerbestandort gewesen sei. Die Nutzung reiche zurück bis in das Jahr 1902. Aufzeichnungen zufolge produzierte dort die "Möbelfabrik und Sägewerk Neusorg GmbH" bis zum Jahr 1908.

Dornröschenschlaf ab 2005


Die nächsten 30 Jahre, von 1908 bis 1938 betrieb die Firma Karl M. Kempf eine Möbelfabrik mit Dampfsäge und Hobelwerk. In diesem Zeitraum entstand auch das markante vierstöckige Gebäude, das zum Wahrzeichen wurde. Ab 1938 übernahm die Firma Gebrüder Becher OHG die Möbelfabrik und produzierte bis zum Jahr 1957. Die Rosenthal AG hat ab 1957 die Gebäude übernommen. Es wurde eine Besteckfabrikation neu eingerichtet. Möbel und Einrichtungsgegenstände wurden hergestellt. Leider, so der Rathauschef, wurde die Besteckabteilung im Jahre 1995 geschlossen. Im Jahre 1997 übernahm, als neuer Eigentümer Willibald Rosner. Die "Media Einrichtung" produzierte bis 2002. Danach entstand die "Holz-Tec GmbH"

Der gesamte Gebäudebestand war nach der Produktionsaufgabe der Firmen "Media" und "Holz-Tec" ab 2005 ungenutzt und verfiel in einen Dornröschenschlaf. Der schleichende Verfall beeinträchtigte mehr und mehr das Ortsbild, die Verkehrssicherheit und die städtebauliche Entwicklung. Nachdem sich keiner mehr um die "Media-Brache", wie das Areal nun genannt wurde, gekümmert hatte, ergriff 2008 die Gemeinde die Initiative und lud am 11. September zu einer Gesprächsrunde in das Rathaus ein. Daraufhin wurden im Februar 2009 erste Anstrengungen unternommen, die Altlastensanierung in Gang zu bringen.

Es folgten unzählige Besprechungen und Ortsbesichtigungen, bis im Jahr 2015 die Wiederaufnahme der Bodenluft- und Grundwasserreinigung und die technische und finanzielle Regelung zum Betrieb der Grundwasserreinigungsanlage wieder aufgenommen wurden.

"Historisches Jahr"


Bürgermeister König bezeichnete 2016 als ein historisches Jahr. So wurde der Kaufvertrag zum Erwerb der "Media-Brache" am 22. Februar 2016 mit Eintragung in das Grundbuch am 11. Juli 2016 von der Kommune vollzogen. Die Anerkennung der Ausführung von Abrissmaßnahmen und das Nachnutzungskonzept durch die Regierung der Oberpfalz wurden am 11. Oktober besiegelt. Somit war der Weg frei, um die Ausschreibung der Abrissleistungen zu erstellen und den Auftrag am 24. Oktober zu vergeben.

König brachte zum Ausdruck, dass die Neugestaltung der "Media-Brache" für Neusorg eine große Herausforderung sei, die nur mit sehr viel Herzblut gemeistert werden könne.

Komplexes ProzedereArchitekt Ralf Köferl stellte heraus, dass die Bausubstanz der einzelnen Gebäude als marode einzustufen sei. Das Hauptaugenmerk liege auf dem Abriss des vierstöckigen Gebäudes und dem Verschließen der Hallen mit Mauerwerk, die bestehen bleiben. Ein weiterer Schwerpunkt wird sein, dass die bestehenden Hallen in das Entwicklungskonzept integriert werden.

Als wichtigsten Punkt bezeichnete Ralf Köferl die Altlastsanierung. Hier sei es unumgänglich, dass in den betroffenen Bereichen das Erdreich ausgetauscht werde. Roland Heberl vom Ingenieur-Büro Rupp Bodenschutz ging auf das Prozedere im Bereich der Abbruchleistungen ein. Sehr ernst werde für dieses Projekt das Thema Abfallbeseitigung und Entsorgung genommen. Hier müsse darauf geachtet werden, dass alle Materialien fachgerecht entsorgt und die strengen Regeln der Entsorgung zwingend eingehalten werden.

Auch das Thema Staub- und Lärmbelästigung ließ Heberl nicht unerwähnt. Er bat aber jetzt schon um Verständnis, wenn die Abrissarbeiten anlaufen. Die Kosten liegen bei 820 000 Euro.

Stefan Plannerer vom gleichnamigen Abbruchunternehmen beschrieb die Vorgehensweise. Die geplante Entkernung aller betroffenen Gebäude werde am kommenden Montag beginnen. Danach werde mit den Abbruch des niedrigen Gebäudeteils neben dem Wahrzeichen begonnen. Die Staubbelästigung wird mit Einsatz von Wasserwerfern möglichst gering gehalten. Das Ende der Arbeiten ist für April 2017 vorgesehen. (hkö)
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