Kolumne: OTon
Identitätssuche eines Frankopfälzers

Regensburg - die wunderschöne Hauptstadt der Oberpfalz.
Vermischtes
Neusorg
20.05.2016
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Wer bin ich – und wenn ja wie viele? Für meine Kollegen in der Oberpfalz bin ich „unser Franke“ und für meine Freunde in Oberfranken schon seit jeher „unser Pfälzer“. Ja was denn nun? Identitätssuche eines Frankopfälzers.

Geboren in Marktredwitz (Oberfranken, rein auf den Krankenhausaufenthalt bezogen), aufgewachsen in Neusorg (Oberpfalz), Gymnasium in Marktredwitz, Studium in Regensburg (Oberpfalz) und Bayreuth (Oberfranken), inzwischen wohnhaft in Marktredwitz und beruflich tätig in Weiden in der Oberpfalz. Wie der berühmte rote Faden zieht sich der Bezug zu beiden Regierungsbezirken durch mein bisheriges Leben. Da ich in Neusorg aufgewachsen bin, stellen sich bei meiner Kategorisierung als Franke alle Haare zu Berge. Wenn aber meine allseits geschätzte Kollegin aus der Weidener Lokalredaktion bei der abendlichen Seitenschau nach einem Kommentar von mir wieder anmerkt: „Unser Franke hat gesprochen“, kann ich einen leicht fränkischen Einschlag in meiner Artikulation wohl nicht gänzlich leugnen.

Nur um eins klarzustellen: Den Unterschied zwischen Power und Bauer hört man bei mir deutlich, während der Begriff in der Kulmbacher Gegend ein- und diesselbe Lautschrift hat. Allerdings vergleichen oberfränkische Freunde die Reaktion ihres „Auswärdichn“ auf die Ankündigung, dass es irgendwo Freibier gibt, gerne mit dem Bellen eines Hundes. Mein „Wou denn?“ ist aber doch die einzig denkbare Reaktion, oder?

Und wenn ich am Frühstückstisch die Butter verlange, bildet sich auch niemand ein, ich philosophierte über die Lehre Buddhas. Oder wenn ich in der Mittagspause mit meinem Kollegen aus dem Stiftland die lokalen Fußballergebnisse analysiere („D’Fix hout scho wieder verlorn“, „Nächst Wochn kummt Alweraath“), kommentiert die junge, reinstes Hochdeutsch sprechende Kollegin schon mal: „Ich verstehe kein Wort bei euch.“

Aber was bin ich denn nun? Pfälzer oder Franke? Neugirg und Lauerer oder Waltraud und Mariechen? T oder d? P oder b? Vielleicht bin ich einfach nur ein „multilingualer“ Bayer, der Dialekte mit unterschiedlichen, regionalen Einschlägen spricht. Und wenn ich will und mich ganz besonders anstrenge und konzentriere, kommt sogar etwas heraus, das als Hochdeutsch durchgehen könnte. Aber nur im äußersten Notfall – ansonsten bevorzuge ich die Verbreitung des bayerischen Kulturguts, das unseren Freistaat so einzigartig macht. Ich bin ein Bayer!

OTon Wir sind junge Mitarbeiter des Medienhauses „Der neue Tag“. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.
Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.
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