Martin Wittmann hat beste Waldschafe Deutschlands
Namenlose Champions

Stolz präsentiert Martin Wittmann seinen preisgekrönten Bock. Noch hat das etwa neun Monate alte Tier keinen Namen. Den muss es sich sozusagen erst durch den Einsatz in der Zucht "verdienen". Er wird aber auf jeden Fall einmal mit dem Buchstaben H anfangen. Bild: jzk
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Neusorg
20.10.2016
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Der Schafbock von Martin Wittmann hat noch keinen Namen. Die Juroren bei der Körung in Hemau kennen das Tier als Nummer 17. Sie setzen es bei der Gesamtwertung auf Platz zwei. Dennoch fährt der Oberpfälzer Züchter mit dem besten Waldschaf Deutschlands nach Hause.

Wernersreuth. (luk/jzk) Im Frühjahr hatte Wittmann insgesamt vier Böcke der vom Aussterben bedrohten Waldschafe nach Hemau abgegeben. Mit etwa 20 anderen Tieren von bayerischen Herdbuchzüchtern standen sie dort ein halbes Jahr auf der Weide - und unter Beobachtung. Experten hielten regelmäßig die Gewichtszunahme (Futterverwertung) und den Gesundheitszustand fest. Der Tiergesundheitsdienst kontrollierte in einem Versuch die Wurmresistenz.

Dies sei alles ein Versuch der Zuchtverbände Bayern, Österreich und Tschechien gewesen, da die "Landrasse für den Oberpfälzer und den Bayerischen Wald", ähnlich wie das Rotvieh, im Bestand bedroht ist, erklärt der Wernersreuther.

Erste Teilnahme


Am Wochenende traf er sich mit seinen Züchterkollegen wieder in Hemau, wo die Körkommission der Bayerischen Herdbuchgesellschaft für Schafzucht die Prämierung vornahm. In ihre Bewertung ließen sie Kriterien wie Wolle, Fleisch und allgemeinen Gesundheitszustand (Zähne, Klauen, Gelenke) einfließen. "Mein Schafbock kam in seiner Altersgruppe auf den ersten Platz", freut sich Wittmann, der erstmals an einer Körung teilnahm. In der Gesamtwertung nahm der 38-Jährige für das Tier den zweiten Preis entgegen. Als bei der anschließenden Versteigerung auch der Siegerbock unter den Hammer kam, schlug der Forstamtsrat bei der Forstverwaltung in Kemnath zu. "Jetzt sind die zwei am besten prämierten Schafböcke in meinem Besitz", meint er stolz.

"Waldschafe sind sehr fruchtbar. Sie können schon jung decken oder gedeckt werden." Bei seinen beiden Champions erwartet Wittmann im Dezember oder Januar den "Natursprung". Bei Extensivrassen wie den Waldschafen sei die natürliche Befruchtung üblich. Erst dann erhalten die beiden auch einen Namen. Bei einem müsse der Anfangsbuchstabe ein H sein, beim anderen ein M - entsprechend ihrer Abstammungslinie.

Seit 15 Jahren interessiert sich Wittmann für die Schafzucht. Zunächst in Wernberg, seit sieben Jahren in Wernersreuth. Auf Wildschafe hat er sich vor zwölf Jahren spezialisiert. Studienkollegen hatten ihn auf einen Schäfer aufmerksam gemacht, der seine Tiere verschenkte. Zugegeben, groß war die Herde des 38-Jährigen damals nicht. Nachdem er noch einen alten Zuchtbock aus Österreich gekauft hatte, waren es fünf Tiere.

Inzwischen stehen auf seiner Weide 39 Exemplare. An ihnen schätzt er, dass sie "genügsam, robust und am besten den klimatischen Verhältnissen und den Böden angepasst" sind. Sie kämen selbst mit schlechten Wiesen zurecht und brauchen kaum Betreuung. Zudem gebe es bei dieser Rasse weniger Klauenprobleme, und auch beim Lammen habe es noch nie Schwierigkeiten gegeben.

Sie fressen mehr weg als sie erbringen.Martin Wittmann über seine Waldschafe

Jedoch sind Waldschafe in der Haltung weniger lukrativ. "Sie fressen mehr weg als sie erbringen." Im Vergleich zu Fleischrassen seien sie zu leicht, ebenso wachsen sie nicht so schnell. "Wer sich intensiv um Schafe kümmern kann, der nimmt Rassen, die das Doppelte auf die Waage bringen." Damit die Zucht kein Minusgeschäft wird, kommen seine Schafe im Naturschutz zum Einsatz. Viele Halter haben die Tiere zwischen Photovoltaikanlagen stehen, damit die Flächen nicht zuwachsen oder verbuschen. "Die Flächenprämie sorgt fürs Überleben," erklärt der Forstmann. Allerdings gehören die Schafe, die im Zinster Steinbruch die Landschaftspflege übernehmen, einem Nachbarbetrieb.

Auch wenn es sich bei seinen Tieren eher um Leichtgewichte handelt, bleibt ihnen der Metzger nicht erspart. Dieser schlachte die Schafe und verkaufe das Fleisch. Auch das ist für Wittmann ein Beitrag zum Naturschutz, "denn dabei wird ein naturnahes Lebensmittel nachhaltig erzeugt."
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