Neusorg sucht einen Doktor
Noch kein zweiter Mann

Modern und hell sind die Praxisräume in der Goethestraße. Doch auch ein professionelles Youtube-Video konnte noch keinen qualifizierten Mediziner nach Neusorg locken. Bild: hkö
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Neusorg
26.01.2016
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Es wird weitergehen. Aber wie und wie lange? Dr. Engelhard Happel (66) geht in den Ruhestand, sein Kollege Dr. Rolf Bollig wird die landärztliche Gemeinschaftspraxis in Neusorg alleine weiterführen. Ein Werbefeldzug auf fast allen denkbaren Wegen hat noch nicht zum Ziel geführt: Kein zweiter Mann in Sicht.

"Ich höre definitiv im März auf", beantwortet Happel die Frage, ob er sich womöglich zum Weitermachen überreden ließe. Der Mediziner bedauert, dass sämtliche Bemühungen, einen qualifizierten Kollegen - oder natürlich eine Kollegin - anzulocken, gescheitert sind: "Keine Nachfrage, kein Anruf". Selbst ein professionell anmutendes Video auf Youtube hat zwar ein paar Tausend Klicks gebracht, aber keine Rückmeldung.

Einer war mal da, aber der war ziemlich neben der Spur.Dr. Engelhard Happel

"Einer war mal da, aber der war ziemlich neben der Spur", beschreibt Dr. Happel mit dezenten Worten die offensichtlich mangelnde Eignung des Kollegen. Ansonsten regiert das Prinzip Hoffnung. Die Zuversicht ist allerdings nicht sehr groß. Dass Dorfärzte eine aussterbende Art sind, ist längst bekannt. Die Statistik gibt dabei aber ein besseres Bild ab als die Realität. Nach der Aufhebung der Altersgrenze für praktizierende Ärzte sind viele von Happels und Bolligs Kollegen auch jenseits der 68 noch tätig, was den Eindruck einer ausreichenden flächendeckenden Versorgung erweckt.

"Arzt und Gemeinde gehen Hand in Hand", bekräftigt Bürgermeister Peter König, der sich wundert, dass niemand in den modernen Räumer arbeiten will und sich quasi ins gemachte Nest setzen könnte. "Ich kann mir eigentlich nur vorstellen, dass Ärzte inzwischen ein Angestelltenverhältnis dem freiberuflichen Dasein vorziehen. Pauschal-Honorar und bürokratischer Aufwand sei Dank. "Ich gebe die Hoffnung aber trotzdem nicht auf", bekräftigt der Verwaltungschef.
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