Ausgeschenkt
Traditionelle Gasthäuser schließen

Das Bild zeigt rechts einen Teil den Gasthofes zum goldenen Löwen wohl um 1900. Links im Bild das ehemalige Gasthaus Walter. Daneben das alte Zettner Rosl Haus, das 1984 abgebrochen wurde. Im Hintergrund das alte Tor, das dem Bombenangriff am 19. April 1945 zum Opfer fiel. Bilder/Repro: ww (2)
Freizeit
Neustadt am Kulm
23.02.2016
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Nachdem die jetzige Eigentümerin Gabi Kraus das Gasthaus nicht verkaufen konnte, plant sie den Abbruch des markanten Gasthauses. Nach dem Abbruch sollen auf dem Grundstück zwei Garagen und eine Holzlege entstehen.

Einst beherbergte die Stadt Neustadt am Kulm insgesamt neun Gastwirtschaften und das Café Herath. Im Laufe der Jahrzehnte schlossen sechs davon, darunter auch das Café. Das Gebäude der Wirtschaft "Zum goldenen Löwen" steht kurz vor dem Abriss.

Den Anfang machten bereits vor Jahrzehnten die Gastwirtschaften Sertl in der Jahnstraße und Baumann in der Pfarrgasse. Es folgten das Café Herath und die Gastwirtschaft "Zur schönen Aussicht" auf dem Kleinen Kulm. Als 2006 die Wirtin des Gasthofs "Zum goldenen Löwen", Ottilie Kraus, starb, wurde auch der geschlossen.

Keine schöne Aussicht


Ein herber Verlust für den Ausflugsverkehr war der 30. Dezember 2011, als das am Fuße des Rauhen Kulm gelegene und weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannte Ausflugslokal "Sandberg" seine Pforten schloss. Der Tod der Wirtin Johanna Walter im April 2013 war auch das Ende der Gastwirtschaft Walter. Übrig blieben letztlich die Gastwirtschaften "Zum Reichsapfel" Künneth und "Zur Sonne" Burucker sowie die Gastwirtschaft Schindler. Während die Gaststätten Künneth und Burucker mit einer umfangreichen Speisekarte aufwarten, wird in der Gaststätte Schindler kein Mittagstisch mehr angeboten.

Die meisten der geschlossenen Gaststätten werden nunmehr zu Wohnzwecken genutzt. Das ehemalige Gasthaus "Zur schönen Aussicht" auf dem Kleinen Kulm jedoch fristet seit mehr als 15 Jahren ein tristes Dasein, das einstige schöne Gasthaus ist praktisch dem Verfall preisgegeben.

Vergeblich versuchte die Erbin des Gasthauses "Zum Goldenen Löwen", Gabi Kraus, in den letzten Jahren, das Gasthaus zu verkaufen. Ein Käufer fand sich leider nicht. Damit wäre das jahrelang unbewohnte Gebäude im Laufe der Zeit ebenfalls dem Zerfall ausgesetzt worden. Um zu verhindern, dass sozusagen in der "Einflugschneiße" der Kulmstadt im Laufe der Zeit ein unansehnliches Gebäude entsteht, hat sich die Tochter der letzten Wirtin nach reiflicher Überlegung entschlossen, das Gasthaus im Laufe des Jahres abzubrechen.

Auf der frei werdenden Grundstücksfläche sollen zwei Garagen und eine Holzlege errichtet werden. Aus Anlass des bevorstehenden Abbruchs gibt Georg Miedel, dem die Geschichte seiner Heimatstadt sehr am Herzen liegt, einen Einblick in die Eigentumsverhältnisse des geschichtsträchtigen Gasthofes samt Nebengebäuden (siehe Kasten) .

Verkauf der Scheune


Im Jahre 1999 ließ die Tochter von Hermann und Ottilie Kraus, Gabi, den an das Gasthaus angrenzenden Stall und Scheune abreißen um dort ein Wohnhaus zu errichten. Vor rund drei Jahren verkauften schließlich die beiden Erbinnen Gabi Kraus und Petra Oswald die der Gastwirtschaft gegenüberliegende und unter Denkmalschutz stehende Scheune an Georg Miedel.

Vor allen Dingen für Einheimische wird sich nach dem Abriss des Gasthauses "Zum Goldenen Löwen" ein gewöhnungsbedürftiger Anblick bieten.

Geschichtlicher RückblickUm 1800 war der Gastwirt Johann Friedrich Heinlein Eigentümer des "Löwenwirtshauses" mit der Hausnummer 49. Am 21. Februar 1827 verkaufte er es mit realer Metzgerei- und Taferngerechtigkeit für 1500 Gulden an seinen Sohn Friedrich. Das Gebäude bestand aus einem Wohnhaus mit Stallungen und Wohnraum. Außerdem gehörte ein Felsenkeller auf dem Sandberg dazu. Die nächsten Besitzer waren Georg und Wilhelmine Heinlein.

Sie kauften 1857 um 330 Gulden das ihnen gegenüberliegende Drechslertripfhäuschen mit der Hausnummer 57 von einem Johann Hösch. Seit dieser Zeit gehörte das Flurstück mit Bebauung zur Hausnummer 49. Um 1860 starb Georg Heinlein. Seine Witwe Wilhelmine verkaufte 1863 die Hausnummern 49 und 57 für 5400 Gulden an Thomas Heinlein. Er errichtete 1873 auf der Hausnummer 57 den Neubau einer Wagenremise mit Gebäude und Hofraum. Thomas Heinlein heiratete 1875 Anna Margaretha Haberstroh. 1919 erwirbt Barbara Burucker für 35 000 Mark das Anwesen. 1925 kaufen Otto Wagner (Opa der jetzigen Eigentümerin) und Balbina Diepold das Anwesen für 36 500 Mark.

1926 wird ein Wohnhaus mit der Hausnummer 49 mit Stallungen, Stadel und Hofraum neu gebaut. Otto Wagner heiratet Balbina Diepold und erwirbt dadurch den halben Anteil am Besitz. 1943 wird der Stall neu umgebaut. Zur Hausnummer 49 gehören fortan das Wohnhaus mit Gastwirtschaft, Stall und Hof sowie das gegenüberliegende Grundstück mit der Hausnummer 57. Am 17. November 1959 übergibt Otto Wagner sein Anwesen an seine Tochter Ottilie und seinen Schwiegersohn Hermann Kraus. (ww)
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