Exkursion am Rauhen Kulm
Überraschendes "da oben"

Die geologische und archäologische Geschichte des Rauhen Kulm fesselt die Menschen. Bei einer Exkursion auf Einladung des Historischen Vereins Oberfranken und des Fördervereins Rauher Kulm staunten die circa 30 Teilnehmer über die reiche Vergangenheit rund um den Vulkankegel. Bilder: do (2)
Freizeit
Neustadt am Kulm
29.08.2016
127
0
 
Grabungsleiter Dr. Hans Losert von der Universität Bamberg. Bild: do

Der Rauhe Kulm gibt immer wieder zu Fragen und Spekulationen Anlass. Spuren der Vorgeschichte geht Privatdozent Dr. Hans Losert auf den Grund. Am Freitagnachmittag berichtete der Grabungsleiter bei einer Exkursion von einem neuen Sensationsfund.

Puh! Bei über 30 Grad im Schatten kraxelten viele Interessierte auf die Kulmhalde. Statt des Vulkans dampfte mancher Besucher. Gefühlt stand die Magmasäule des Kulms vor einem neuen Ausbruch. Doch mit den Höhenmetern kam etwas Frische in die Gruppe. Diese Frische steigerte sich mit jedem Schritt vor- und aufwärts zur Neugierde. Welche Neuigkeiten werde Dr. Hans Losert wohl mitteilen, fragten sich die Exkursionsteilnehmer, nachdem der Wissenschaftler "für da oben" Überraschendes ankündigte.

Gleich einem schlafenden Vulkan erhebt sich die Silhouette des Rauhen Kulm über die weitläufige Landschaft der "Fiednitz", eine über 1000-jährige Siedlungskammer im Oberlauf der Haidenaab. Die einleitenden Ausführungen des Experten der Universität Bamberg galten deshalb der frühen Besiedlung rund um den Rauhen Kulm und auf dem Berg. "Funde belegen Siedlungsanfänge bereits zur Jungsteinzeit (5000 bis 2000 v. Chr.)", urteilte Dr. Losert. Bei der Exkursion auf Einladung des Historischen Vereins für Oberfranken und des Fördervereins "Rauher Kulm" fesselte der Grabungsleiter auf Schritt und Tritt die circa 30 Teilnehmer mit lebendigen Informationen über die vulkanologische Entstehung des Areals vor rund 20 Millionen Jahren und der früh- und mittelalterlichen Siedlungsgeschichte (siehe Kasten) .

Dr. Hans Losert hielt die Spannung hoch. Auf dem Weg zu einer weiteren Grabungsstelle sprach er von tollen Neuentdeckungen im Forschungsjahr 2016. Der Grabungsleiter analysierte Gesteinsreste als Fragmente einer Innenmauer und eines weiteren Burg-Tores. "Bei den nächsten Kampagnen hoffen wir auf weitere Überraschungen", zeigte sich der Archäologe optimistisch. Diese Zuversicht wird von einem anderen Siedlungsbefund genährt. Das "Team Losert" entdeckte in Erdschichten einen kleinen Keller und ordnete diesen zu einem Haus in Blockbauweise aus der sogenannten Urnenfelderzeit (9. bis 13. Jahrhundert v. Chr.) zu. "Weitere Sensationen werden bei solchen Überraschungsfunden nicht ausbleiben", davon ist Dr. Hans Losert überzeugt. In nächster Zeit kann auch die Bevölkerung manch sensationelles Fundstück bestaunen. In Zusammenarbeit mit der Stadt Neustadt am Kulm kündigte der Wissenschaftler eine Ausstellung im Rathaus an.

SiedlungsgeschichteSeit den Kelten

Neustadt am Kulm. (do) Eine dauerhafte Besiedlung am Rauhen Kulm stufte Dr. Hans Losert seit der Zeit der Kelten ab circa 500 vor Christus ein. Nach kurzen Erläuterungen zu Funden aus allen Menschheitsepochen von der Zeit der Neandertaler bis hin zur Bronze- und Eisenzeit ging der Diplom-Archäologe auf eine spannende geschichtliche Zeitreise und untermauerte sie mit anspruchsvollen Funden rund um den Kulm.

Besonders fasziniert zeigten sich die Besucher über die Informationen zur slawischen Kultur im Kulmgebiet und die Leidenszeiten der Bevölkerung während Ungarn-Einfällen. Aus dieser Zeit stamme auch die wehrhafte Ringwallanlage als "Annäherungshindernis für Angreifer". Bruchstücke der Basaltanlage konnten die Exkursionsteilnehmer bestaunen.

Große Burganlage

Neustadt am Kulm. (do) Der Hochphase der Besiedlung um das 10. Jahrhundert nach Christus herum widmete Dr. Hans Losert seine weiteren Erklärungen. Er berichtete vom Bau einer mächtigen Burganlage oberhalb der Basalt-Blockhalde, der wohl mächtigsten Burg der Franken und Bayern in der Region. Hintergrundschilderungen galten den damaligen Machtstrukturen, Hinweisen zur Grenzsicherung der Karolinger nach Osten hin und den Ungarneinfällen bis hin zur Ungarnschlacht auf dem Lechfeld.

Bei der Besichtigung von Fragmenten zweier Burgtore verwies Losert auf die circa 600-jährige Burggeschichte mit wechselnden Herrschern und Eigentümern bis zur Zerstörung im Zweiten Markgräflichen Krieg 1554. Mit viel Fantasie und fachkundigen Erläuterungen konnten die "Laien-Forscher" unterhalb der Basalt-Halde Tor-Reste der Burganlage erkennen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.