"Samba Secco" aus Neustadt am Kulm
Taktvolle Trommler

Ob bei Faschingszügen oder anderen Festen, "Samba Secco" sind fast überall vertreten, wo ein guter Rhythmus passt. Bild: Samba Secco
Freizeit
Neustadt am Kulm
11.03.2016
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Für den Nachwuchs ist bei "Samba Secco" gesorgt. Franziska Scharf, Tochter vom Leiter der Samba Gruppe, Reinhard Scharf, übernimmt schon bei einigen Stücken die Regie, sprich die Pfeife. Dirigiert wird bei "Samba Secco" nicht. Ein Pfiff bedeutet: "Achtung, jetzt kommt was Neues!" Dann wird durch Handzeichen eingezählt, ein neuer Rhythmus vorgegeben oder es gibt eine Soloeinlage. Bild: pzaf

Samba ist ein Gefühl: so sieht das die Gruppe "Samba Secco" aus Neustadt am Kulm. Im Vordergrund stehen südamerikanische Rhythmen, die Freude, zusammen Musik zu machen, gemeinsam Spaß zu haben und dieses spezielle Gefühl zu vermitteln.

Ein Pfiff von Leiter Reinhard Scharf und ein kurzer Rhythmus auf der Snare-Drum - und sofort steigen Trommeln, Glocken, Shaker und Tamborim ein. Bevor "Samba Secco" zu musizieren beginnt, unterhalten sich die Musiker erst einmal ausgiebig und trinken ein Gläschen Prosecco. Diesem Rituals verdankt die Gruppe ihren Namen: "Samba Secco".

Angefangen hat alles 16 Jahre zuvor in einer anderen Stadt und unter einem anderen Namen. In Bayreuth gründete sich im Jahr 2000 die Gruppe "Divertimento do Samba", was so viel heißt wie "Freude am Samba". Erst ein paar Jahre später teilten sich die Musiker: In Bayreuth musiziert seitdem die Gruppe "Afro Samba", während die jetzigen "Samba Secco", damals noch unter dem Ursprungsnamen in Neustadt am Kulm weiter machte.

Seit 2008/2009 hat Reinhard Scharf aus Oberbibrach die Leitung der Trommelgruppe übernommen und kümmert sich um die musikalischen Arrangements. "Die Leitung ist nicht so einfach, nicht nur musikalisch, sondern auch organisatorisch", erzählt Scharf, der Schlagzeug gelernt hat. Er und andere Mitglieder der Gruppe haben einige Workshops von Brasilianern und Samba-Musikern besucht und an Sambafestivals teilgenommen, zum Beispiel in Nijmegen in Holland oder in Coburg und Bad Wildungen.

Internationaler Andrang


Genauso vielfältig wie die Musik ist die Herkunft der 20 Mitglieder bei "Samba Secco". Mit Neustadt am Kulm, Amberg, Lauf, Nürnberg und Bamberg sind nicht nur die Oberpfalz, Ober- und Mittelfranken vertreten. Auch aus Polen, Kenia, Mexiko, den USA, Österreich und der französischen Karibik sind Frauen und Männer dabei. Die meisten Musiker sind zwischen 40 und 50, allerdings senkt die Tochter des Leiters, Franziska Scharf, mit 17 Jahren den Altersdurchschnitt. "Jeder hat seine eigenen Ideen", sagt Scharf. Das sei auf der einen Seite gut, auf der anderen Seite nicht immer leicht zu koordinieren. Dazu komme, dass die meisten Trommler Laien sind. Neben dem Leiter, hat nur die Tochter Schlagzeug gelernt. Umso mehr müsse die Leistung der Gruppe hervor gehoben werden.

In musikalischer Hinsicht spielen "Samba Secco" traditionellen Samba, jedoch individuell umgesetzt. Viel wird ohne Noten gespielt. Neben den verschiedenen Trommeln und Rhythmusinstrumenten will Reinhard Scharf andere Instrumente einbauen, beispielsweise eine brasilianische Gitarre, eine Querflöte oder ein Schifferklavier. "Die passen klanglich gut dazu". Auch an einem Stück mit Gesang hat sich die Gruppe schon versucht. "Der Samba Stil, der in Deutschland gespielt wird, ist allerdings ein anderer als zum Beispiel der in Holland", fügt der Leiter hinzu. Der Stil hier sei etwas langsamer. Den schnelleren "Rio Style" möchte Scharf allerdings immer mehr in der Gruppe etablieren und allgemein musikalisch weiter kommen. "Wir wollen noch fitter werden". Trotzdem ist ihm die Gemeinschaft und das zusammen Musizieren am wichtigsten.

Chaos aber viel Spaß


Neben den Sambafestivals in Coburg oder Bad Wildungen tritt die Gruppe auch bei Faschingszügen in der Umgebung, beim "Maisels FunRun", dem Straßenlauf der Brauerei Maisel in Bayreuth, oder auch bei Geburtstagen und anderen Festen auf. Im Sommer begleiten bei Auftritten im Freien auch zwei Tänzerinnen die Samba Gruppe.

"Bei uns geht es immer etwas chaotisch und lustig zu", lacht Scharf. Aber es solle ja schließlich Spaß machen. "Samba ist ein Gefühl und dieses Gefühl wollen wir auch vermitteln." Deswegen werden bei den Auftritten, wenn es möglich ist, auch die Zuschauer mit eingebunden. Scharf ist es wichtig, dass die jungen Leute sich einbringen können. Deswegen übernimmt in den Proben schon mal Tochter Franziska die Leitung der Gruppe. Zudem erwähnt Scharf, dass bei "Samba Secco" jederzeit neue Mitglieder willkommen sind.

Samba"Die Brasilianer trinken immer viel Bier, wenn sie Samba spielen", erzählt "Samba Secco"-Leiter Reinhard Scharf. So vermitteln die Brasilianer den Samba als Gefühl. Dieses Gefühl wollen auch "Samba Secco" rüberbringen, allerdings ganz ohne Bier. Dabei kann es schon mal sehr laut werden. "Wer die Musik genießen und gleichzeitig sein Gehör behalten will, sollte Ohropax benutzen", ergänzt Scharf.

Dabei spielt die Gruppe den in Deutschland verbreiteten langsamen Samba-Stil, der aus Salvador de Bahia im Norden Brasiliens stammt. Scharf möchte sich mehr dem schnelleren "Rio-Style" widmen. Der wird vor allem in Holland auf dem Sambafestival in Nijmegen gespielt. Dieser Stil stammt aus dem südlicheren Teil Brasiliens. Sein Wissen über Samba und südamerikanische Rhythmen holt sich der Leiter von bekannten Musikern, wie dem Sambakünstler Michael de Miranda aus den Niederlanden. Der Musiker gibt Samba-Workshops und hat auch auf der Plattform Youtube einige Videos.

Gespielt wird auf verschiedenen teilweise traditionell südamerikanischen Trommeln und Rhythmusinstrumenten, wie zum Beispiel den tiefen Surdo-Trommeln oder den kleinen Tamborim, die einen sehr speziellen Klang erzeugen. Nicht fehlen dürfen Snare-Drums, die für "dreckigen Sound sorgen" und Glocken, die einen Kontrast zu den restlichen Rhythmusinstrumenten bilden. (pzaf)
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