Andreas Pickert und Norbert Sack referieren im Neustädter Gemeindehaus über "Adel am Rauhen ...
Wie Filchendorf zu seinem Schloss kam

Käthe Pühl dankte Andreas Pickert (Mitte) und Norbert Sack mit einer Brotzeit und verpflichtete sie für einen weiteren Vortrag. Es gibt noch eine Menge Adelsfamilien, die am Kulm Spuren hinterlassen haben. Bild: ow
Lokales
Neustadt am Kulm
14.10.2014
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. Ob im Buckingham Palace oder am Rauhen Kulm: Geschichten rund um die Blaublüter dieser Welt bewegen die Menschen. Das beweisen der Absatz einschlägiger Klatschblätter und der riesige Andrang beim Vortrag "Adel am Rauhen Kulm", zu dem Andreas Pickert und Norbert Sack ins Evangelische Gemeindehaus gekommen waren. Der Förderverein "Rauher Kulm" hatte dazu eingeladen.

Pickert durchforstet seit 20 Jahren Kirchenbücher und Pfarrarchive. In mehreren Vorträgen hat er bereits Ergebnisse vorgestellt. Sack arbeitet auf der Kulmbacher Plassenburg als Gästeführer. Geschichte und vor allem die Wappenkunde haben es ihm angetan. Deshalb interessierte er sich auch für die Region um den Kulm, finden sich hier doch Spuren vieler adeliger Familien.

Im Mittelpunkt des Vortrag standen die Familien Pfreimbder, Arnim und Bombardt. Aus dem Jahr 1473 finde sich ein Nachweis, dass die "Feste zu Bruck an Hans Pfreimbder zu Bruck" als kurpfälzisches Lehen vergeben wurde. Eine Teilung ließ aus den Ländereien die Landsassengüter Bruck im Weiher und Bruck am Turm entstehen. Allerdings blieben beide Anwesen bis ins 18 Jahrhundert hinein im Besitz der Familie. Die Oberbrucker Kirche St. Helena werde erstmals im Jahr 1320 erwähnt, eine ihrer Glocken stammt sogar aus dem 12. Jahrhundert. Alt ist auch die Nepomuk-Statue an der Brücke der Straße nach Kulmain. Georg Bernhard Pfreimbder stellte sie 1740 auf. Damit dankte er Großvater Paul Christoph von Frankenreuth, der 1628 nicht ganz freiwillig wieder zum Katholizismus übergetreten war und ihn zum Erben gemacht hatte.

Die Konfession des Landesherren war die der Untertanen. Pickert berichtete, dass sich in der Oberpfalz mehrfach Luthertum, Calvinismus und Katholizismus abwechselten. In 100 Jahren mussten die Bewohner fünfmal ihr Bekenntnis wechseln. Um evangelisch bleiben zu dürfen, siedelte Neidhard Pfreimbder 1625 von Oberbruck nach Filchendorf.

Ein Jahr später ließ er das Schloss errichten. 1662 verstarb er und fand in der Stadtkirche die letzte Ruhe. Sein Grabstein findet sich heute neben der Tür zum Glockenturm. Eine Tafel erläutert seine Familienverhältnisse und zeigt sein Wappen. Auf der Empore steht der Epitaph, auf dem Degen und Steigbügel des Verstorbenen angebracht sind. Im Inneren zeigt ein Gemälde den Stifter knieend vor dem Kreuz. Daneben ist der Stammbaum der Pfreimbders mit Ahnenwappen und Stammvater Jörg Pfreimbder abgebildet. Neidhard hatte seine Beerdigung akribisch geplant. Ohne Degen wollte er in schwarzem Gewand "mit einem Betbüchlein in der Hand" bestattet werden. Sogar den Lohn für Pfarrer und andere an der Beerdigung Beteiligte legte er fest. Den Neustädtern ließ er einen Eimer Bier und ein Brot als Leichenschmaus bringen.

Mitte des 18. Jahrhunderts bewohnte die Familie von Arnim das Filchendorfer Schloss. Aus einer Pfarrbeschreibung von 1916/17 geht hervor, dass sich auf dem Neustädter Friedhof eine Gruft dieses Geschlechtes findet. Später erwarb die Familie Bombardt das Schloss. Diesen Besitzer hatten bis Mitte des 19. Jahrhunderts Lehnsrechte über einen Ortsteil. Bis 1865 waren viele Filchendorfer Schlossuntertanen. Danach verkaufte Charlotte von Bombardt den Bau an die Brüder Ludwig und David Isaak Fleischer. Diese teilten das Anwesen und verkauften die Grundstücke an Filchendorfer Bauern. Sie ließen auch das zweite Stockwerk abtragen und das Schloss zum Bauernhof umwandeln. Von der einstigen Blüte zeugt heute das Wappen über der Eingangstür.
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