Angst vor der Pflasterwüste

Lokales
Neustadt am Kulm
24.10.2014
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Mehr Information, mehr Mitsprache. Die Markplatzanlieger in Neustadt am Kulm bringen sich in Sachen Ortssanierung in Position. "Wartet doch die Pläne ab", entgegen die Stadtvertreter. Wenn die vorliegen, lasse sich über alles reden.

(wüw) Die Sorge um den Markplatz treibt die Anlieger um. Während der Architektenwettbewerb für die Neugestaltung läuft, formieren sich die Hausbesitzer zur Interessengemeinschaft. 67 von 71 Anlieger haben für acht Forderungen an Stadt und Bürgermeister Wolfgang Haberberger unterschrieben. "Basisdemokratische Mitbestimmung" sowie den Erhalt der Grünflächen und Bäume will die Gruppe erreichen, eine Pflasterwüste verhindern. Die "vorhandenen, in Jahrhunderten gewachsenen urbanen Strukturen" will die Gruppe erhalten.

"Der Platz soll bleiben, wie er ist", meint Barbara Tschirschnitz. Natürlich bestehe Sanierungsbedarf, den Platz aber optisch und gestalterisch zu verändern, sieht sie keinen Grund. Die 31-Jährige ist am Stadtplatz aufgewachsen. Inzwischen hat sie dort ein Haus gekauft, weil ihr das Zentrum ihrer Heimatstadt gefällt. "Immer wieder sprechen mich Besucher an, beglückwünschen mich zur Wohnlage." Tschirschnitz fürchtet, der Platz könnte zum Experimentierfeld für Städteplaner werden: "Die müssen später ja nicht hier wohnen."

Genug schlechte Beispiele

Beispiele für misslungene Ortssanierungen kenne sie viele, und nennt Kirchenthumbach, Tirschenreuth oder Eschenbach: graue Plätze ohne Pflanzen. "Unsere Bäume und Grünflächen müssen bleiben." Gelungen seien die Sanierungen in Burkhardsreuth und Speinshart. "Weil Anwohner eingebunden waren und ihre Vorschläge umgesetzt wurden."

Um sich einzubringen, müssen Bürger Abläufe und Verfahrensschritte kennen. Hier setzt Manuel Biewalds Kritik an: "Mir fehlt etwas die Transparenz." Wie Tschirschnitz ist er der 36-Jährige ein Neustädter Hoffnungsträger. Gegen den Trend fühlt er sich seiner Heimatstadt verbunden. Beruflich zog es ihn nach Nürnberg. "Spätestens meinen Ruhestand möchte ich wieder in Neustadt verbringen", sagt er. Deshalb hat er sich für ein leeres Haus am Markplatz entschieden. Dass davor nun die Bagger anrollen, findet Biewald nicht problematisch. Es stört ihn allerdings, dass er kaum etwas über Planung und Verfahrensschritte weiß. "Wieso kann ich die Ausschreibungsunterlagen für den Architektenwettbewerb nicht einsehen?"

Von Heimlichtuerei will Käthe Pühl nichts wissen. Dem Architektenwettbewerb liege das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) zugrunde, sagt die Stadträtin. Der alte Stadtrat habe dieses 2013 beschlossen. "Das war eine öffentliche Sitzung. Ich war selbst als Zuhörerin dabei", sagt sie. "Im ISEK sind die Ergebnisse der Bürgerarbeitskreise enthalten", ergänzt Bürgermeister Wolfgang Haberberger. "Ausdrücklich weist das Werk darauf hin, dass die Bürger Pflasterflächen auf dem Markplatz ablehnen.

Letztes Wort beim Stadtrat

Grundsätzlich äußern beide aber Verständnis für die Kritiker. "Mit den meisten Forderungen der Interessengemeinschaft kann ich mich identifizieren", meint Haberberger. Pühl sagt, sie freue sich, wenn sich junge Leute einbringen. Kein Verständnis habe sie aber, wenn Ängste geschürt werden, bevor Pläne vorliegen.

Beide versprechen, dass der Architektenwettbewerb Grundlage einer neuen Runde der Bürgerbeteiligung sein soll. "Der Vorschlag des Wettbewerbssiegers wird nicht einfach gebaut", versichert Haberberger. Wie sich die Bürger einbringen können, müsse der Stadtrat noch entscheiden, sagt Pühl. Mit Haberberger ist sie sich einig, dass die endgültige Entscheidung über den Bau der Stadtrat trifft. Der sei für solche Aufgaben gewählt, und schließlich trage die Stadt rund 90 Prozent der Kosten.
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