Ausgrabungen am Rauhen Kulm: Forschungsteam von Dr. Hans Losert will Rätsel der Geschichte lösen
Filigranarbeit mit Kelle und Pinsel

Mit kleiner Kelle, Pinsel und Eimern gehen die Helfer von Dr. Hans Losert (stehend) ans Werk. Jeden Kubikdezimeter Erdreich nehmen sie genau unter die Lupe, und stoßen dabei auf interessante archäologische Funde. Heuer erforschte das Team am Rauhen Kulm eine weitere Stelle am unteren Ringwall. Bild: msh
Lokales
Neustadt am Kulm
28.08.2014
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Bruchstücke eines slawischen Gefäßes wurden vom Ausgrabungsteam wieder zusammengesetzt. Das Gefäß stammt wohl aus dem 9. Jahrhundert. Solche Funde sind erst wieder nahe Prag und Eger zu finden. Bild: msh

Pfeilspitzen, Scherben, Reste von Mauern und auch Teile von Knochen. Es ist erstaunlich, was die Ausgrabungen am Rauhen Kulm alles ans Tageslicht bringen. Dr. Hans Losert vom Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit an der Universität Bamberg ist begeistert von der Vielfalt, die im Erdreich am Kulm schlummert.

Im Jahr 2003 begannen die Ausgrabungen am Rauhen Kulm. Jedes Jahr kommt Losert mit einigen Helfern für rund vier Wochen, um die Forschungen voranzutreiben. Das Ausgrabungsteam besteht aus ihm und seinen fünf bis sechs Helfern, die sich aus Freiwilligen und Studenten zusammensetzen.

"Der Rauhe Kulm ist weit und breit das ergiebigste Gebiet in dieser Region, was Ausgrabungen angeht", erklärt Losert. Drei Schwerpunkte legte das Team in diesem Jahr fest: den unteren Ringwall auf der Nordseite des Kulms, einen zweiten Ringwall, der oberhalb des ersten liegt, und schließlich die Grabhügel nahe des Sandbergs.

Wälle mit Holzaufbau

Die beiden Wälle stammen wohl aus der karolingischen und ottonischen Zeit. Die Überreste sind noch deutlich zu erkennen. Diese Wälle müsse man sich als eine 1,50 Meter hohe Mauer mit einem rund zwei Meter hohen Holzaufbau vorstellen. Zwei Wälle schützten so ringförmig die Burg und machten sie nahezu uneinnehmbar, auch aufgrund der Hanglage. Die Hanglage kommt heute auch dem Ausgrabungsteam zu Gute, denn dort wurden im Laufe der Zeit Überreste nach unten gespült und die Wälle wurden zum Auffangsieb. Deshalb finden Losert und sein Team vor allem an diesen Stellen viele unterschiedliche Stücke.

Ältere Funde reichen von der frühen Bronzezeit bis zur keltischen Zeit im vierten Jahrhundert vor Christus. Doch dann können plötzlich keine Überreste mehr zugeordnet werden. "Hier muss ein Abbruch der Besiedlung stattgefunden haben. Die Gründe dafür sind nicht nachvollziehbar", erläutert Losert.

Zu den Entdeckungen aus älteren Epochen gehören auch die beiden Grabhügel, deren Erforschung noch ziemlich am Anfang steht. Dabei handelt es sich um zwei recht große Grabstätten, in denen üblicherweise neben den Toten auch Wertsachen abgelegt wurden. Die Hügel wurden wahrscheinlich bei Plünderungen zerstört, aber die Ausgrabungen bringen dennoch Scherben und vielleicht auch Knochen zutage.

Losert datiert die Grabstätten auf das siebte oder sechste Jahrhundert vor Christus. "Außerdem weist die Größe der Grabhügel darauf hin, dass es am Rauhen Kulm örtliche Eliten dieser Epoche gegeben haben muss. Denn nur hochrangige Personen wurden in derart großen Gräbern bestattet", fügt er hinzu. Hochinteressant allemal: Deshalb sollen die Gräber auch der Schwerpunkt für die Ausgrabungskampagne 2015 sein. Viele Fundstücke sind der slawischen Kultur zuzuordnen, das beginnt auch schon beim Namen des Berges: Kulm ist das slawische Wort für Berg. Die Bevölkerung war slawisch und sprach auch die slawische Sprache. Sie stand aber unter der Fremdherrschaft der Bayern und Franken. Die Burg, die auf dem Kulm existierte, und zu der auch die Wälle gehörten, wurde von den Böhmen und später von den Ungarn belagert. Das beweisen zum Beispiel die vielen Pfeilspitzen, die an den Wällen gefunden wurden.

Noch viele Fragezeichen

"Der Rauhe Kulm ist völlig isoliert. Am Berg finden sich massenhaft Überreste, aber rund herum kaum etwas. Doch es muss auch außerhalb des Walls eine Infrastruktur gegeben haben, zumal der Kulm auch an einer Handelsroute lag. Das gibt uns noch immer Rätsel auf", so Losert.

Heute Führung

Bevor die Ausgrabungskampagne für dieses Jahr endet, bietet sich allen Interessenten die Möglichkeit, heute um 16 Uhr eine letzte Führung von Dr. Losert durch die Ausgrabungsstätten mitzumachen. Außerdem sollen einige Fundstücke präsentiert werden. Die Teilnahme ist kostenlos, Spenden werden gerne angenommen. Treffpunkt am Sandberg.
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