Banker sieht schwarz

Edmund Kopp. Bild: hia
Lokales
Neustadt am Kulm
15.06.2015
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Zum letzten Mal sprach Edmund Kopp als Chef der Raiffeisenbank am Kulm zur Genossenschaftsversammlung. Den Auftritt nutzte er für eine Abrechnung und schlechte Prognosen.

Seit 1982 ist Edmund Kopp in Führungsfunktion bei der Raiffeisenbank am Kulm. Im Frühjahr geht er in Ruhestand. Am Donnerstag bestritt er seine letzte Generalversammlung (wir berichteten). Seinen letzten Auftritt nutzte er für eine Abrechnung mit der Politik. Er habe in seinem fast 50-jährigen Berufsleben schon einiges erlebt. Doch was die zurückliegenden sieben Jahre an gesetzlichen Änderungen gebracht haben, könne er nicht mehr nachvollziehen.

Kopp kritisierte die für die Banken teure Regulierung. Ab 2017 seien Kredite ab 25 000 Euro an die EZB zu melden. Pro zu meldenden Kreditnehmer seien Kreditrisikodaten zu übersenden. Darüber hinaus müssen Banken ohne Gegenleistung hoheitliche Aufgaben übernehmen. Kopp nannte die Zinsabschlagsteuer und die Kirchensteuer, die Banken eintreiben müssen. 2014 bedeutete dies 33 Millionen Euro Zusatzkosten für die 281 Genossenschaftsbanken in Bayern. Banken seien gezwungen Kosten einzusparen. Andererseits nehme die für den Kunden zur Verfügung stehende Zeit ab. "Der Politik ist der Überblick über die deutsche Bankenwelt entglitten. Die Fäden ziehen die Organisationen wie BaFin, Deutsche Bundesbank, EZB, EBA, EFSM, SSM, ESMA", so Kopp.

Er prognostizierte, dass die Niedrigzinsphase lange anhalten kann. Die Null-Zinspolitik der Europäischen Zentralbank löse aber die Probleme nicht. Die überschüssige Liquidität kurble nicht die Realwirtschaft an. Sie fließe in hochspekulative Anlagen. Zocker nutzten das Geld für Wetten auf Währungen. Da Banken, Versicherungen, Rentenversicherungsträger, Pensionsfonds und Sparer auf die Ertragsquelle Zinsen angewiesen sind, stehe mehr als die Altersvorsorge auf dem Spiel.Von der Zukunft zeichnete Kopp ein düsteres Bild. Die Erträge werden weiter abschmelzen.
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