Bischof macht "einfach so" Mut

Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss sprach in Neustadt zur Flüchtlingskrise. Bild: hfz
Lokales
Neustadt am Kulm
13.10.2015
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Hoher Besuch bei der evangelischen Kirchengemeinde: Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss war zum Gottesdienst in die Stadtkirche gekommen. In der Predigt sprach er ein heikles Thema an.

"Einfach so", wie Pfarrer Klausfelder sagte, gestaltete er den sonntäglichen Abendmahlsgottesdienst in der Dreieinigkeitskirche mit: "Es ist eine große Ehre für eine kleine Gemeinde am Rand des Kirchenkreises Regensburg, wenn der Bischof ohne äußeren Anlass zum Gottesdienst vorbeischaut", freute sich Klausfelder. Weiss sagte, dass er sehr gerne "in eine der schönsten Kirchen seines Kirchenkreises" komme.

In seiner Predigt über die "Heilung des Gelähmten" griff Weiss dann aber schnell ein brisantes aktuelles Thema auf: Die Welle der Hilfsbereitschaft sei angesichts des Flüchtlingsstroms in Deutschland und Bayern immer noch spürbar. "Inzwischen mischen sich aber Sorgen und Ängste in die öffentliche Meinung." Weiss rief auf, die Sorgen, die eine solche "Völkerwanderung" auslöst, ernst zu nehmen. Gleichwohl dürften Christen die ängstliche Stimmung nicht einfach übernehmen. Vor allem verbiete sich jede Ausschlachtung sorgenvoller Gedanken für parteipolitische Ziele.

Erinnerung ans Wendejahr

Kritisch äußerte sich der Regionalbischof zu Stimmen, die auch im kirchlichen Bereich lauter würden: Dass der Strom der Flüchtlinge die Gesellschaft überfordere, sie die Herausforderung nicht schaffen kann. Dazu verwies Dr. Weiss auf seine Erfahrungen aus dem Wendejahr 1989, als eine friedliche Revolution zur Wiedervereinigung vielen unvorstellbar erschien. Was dann in den Tagen des Mauerfalls geschah, mutet heute noch wie ein Wunder an.

Wunder möglich

In diesem Sinne rief der Regensburger Regionalbischof dazu auf, das Vertrauen auf Wunder nicht aufzugeben. "Wunder sind möglich, wo die Kraft der Liebe, die von Jesus Christus ausgeht und Wunder bewirkt, unser Handeln bestimmt. Gerade die Flüchtlinge, auch die Muslime, sollten positiv erfahren, wie sich Christen von dieser Liebe, die vergibt und heilt, leiten lassen."

Den Gottesdienst gestaltete das Gesangsquartett Manuela Brand, Carolin Deinlein, Stefanie Kaufmann und Christine Pühl . Im Anschluss an den Gottesdienst hatten die Gottesdienstbesucher bei einem Stehempfang im Gemeindehaus Gelegenheit, in ungezwungener Atmosphäre mit dem Bischof ins Gespräch zu kommen.
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