Blütezeit am Rauhen Kulm

Für ihren Vortrag bedankte sich Käthe Pühl (Mitte) bei den Referenten Andreas Pickert (rechts) und Norbert Sack (links) mit Geschenken. Bild: ow
Lokales
Neustadt am Kulm
13.10.2015
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Adel zieht: Das gilt für bunte Illustrierte - und in der Heimatforschung: Nach dem Vortragsserfolg über Adelsgeschlechter am Rauhen Kulm im Vorjahr luden Andreas Pickert und Norbert Sack zum zweiten Teil. Und auch ihre Ausführungen zur Familie von Lindenfels und das Markgrafentum Bayreuth hielten sie vor vollen Reihen.

Die von Lindenfels' und ihre Adelssitze in der Frankenpfalz und in der Flednitz stellte Norbert Sack vor. Die Freiherrn stammen von der im Odenwald gelegenen Burg Lindenfels, die der Lorscher Klostervogt Graf Berthold der Jüngere von Hohenberg im frühen 12. Jahrhundert bauen ließ. Der 1531 geborene Philipp von Lindenfels wechselte als kurpfälzischer Richter zum säkularisierten Kloster Speinshart, wo er am 27. Mai 1600 verstarb und in der Klosterkirche beigesetzt wurde. Der kinderlose Philipp hatte seinen Neffen Hans Kaspar II. zum Erben bestellt.

1609 verehelichte er sich mit Martha Cordula von Künsberg. Er bewohnte das ererbte Schloss Nairitz. Dort starb er am 2. Januar 1634. Die Nachkommen erwarben durch Kauf oder Heirat die Schlösser Weidenberg, Thumsenreuth, Reislas, Erkersreuth, Wolframshof und Guttenthau. Das Wappen derer von Lindenfels zeigt einen schwarzen, mit drei goldenen Sternen belegten Schrägbalken auf silbernem Grund, die Helmzier einen gerüsteten Männerrumpf ohne Arme, der einen Gurt mit den drei Sternen und eine Kopfbedeckung in Gold trägt. Die Gemeinde Speichersdorf erinnert in ihrem Wappen an die Familie, die dort die Hofmark und die Niedergerichtsbarkeit hielten. Ihr Sitz war Schloss Guttenthau.

Im zweiten Themenblock beschrieb Andreas Pickert Entstehung, Aufbau und Verwaltungsaufgaben des Markgrafentums Bayreuth und das Amt Neustadt am Kulm. Das Fürstentum Kulmbach (seit 1603 Bayreuth) entstand auf der Grundlage von Hausverträgen der zollerischen Burggrafen von Nürnberg. Nachdem die Hohenzollern 1415/1417 mit Burggraf Friedrich VI. von Nürnberg die Mark Brandenburg übernahmen, trugen sie den Markgrafen-Titel auch in Franken.

Eine schlimme Zeit erlebte das Markgrafentum unter Albrecht Alkibiades. Aus Geldnot überfiel er 1552 die Reichsstadt Nürnberg. Den zunächst militärisch unterlegenen Nachbarn presste Albrecht gewaltige Summen ab. Doch schon ein Jahr später wendete sich das Blatt. Das Heer seiner Gegner zerstörte neben der Hauptfestung Plassenburg auch die Burg am Rauhen Kulm. Die Markgrafenzeit brachte Neustadt eine Blüte. Mitte des 17. Jahrhunderts war die Stadt Sitz eines markgräflichen Amtes, eines Kastenamtes, einer Forstbehörde sowie eines Justizamtes. Mit der Einverleibung nach Bayern im Jahre 1803 verlor die Kulmstadt alle Ämter und damit seinen Wohlstand. Nur noch einmal war der Kulmstadt ein Erfolg beschieden, als 1927 eine Forstaußenstelle angesiedelt wurde. Diese schloss 1972 als Teil der Gebietsreform.
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