Bürgermeister geht in "die Vollen"

Auf zirka 3,16 Hektar Größe entsteht am Ortsrand von Mockersdorf ein neues Baugebiet mit 27 Parzellen. Der Grunderwerb ist bereits abgeschlossen. In der Sitzung am Dienstagabend brachte der Stadtrat den Vorentwurf des Bebauungsplanes auf den Verfahrensweg. Grafik: do
Lokales
Neustadt am Kulm
22.10.2015
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165 Leute hat Neustadt am Kulm in den vergangenen sieben Jahren verloren. Die Einwohnerzahl sank von 1335 auf nur mehr 1170. Wie kann man dieser Entwicklung begegnen? Die Stadt versucht es mit der Ausweisung eines neuen Baugebietes und hofft auf eine Zuzugswelle.

Die Nachfrage der Gemeindebürger nach Bauplätzen ist groß, begründete Bürgermeister Wolfgang Haberberger in der Stadtratssitzung am Dienstagabend seine Bauland-Offensive. Gegenwärtig verfügt die Kommune über kein einziges Baugrundstück, die Flächen im Privateigentum sind nicht verfügbar, bedauerte Haberberger. Zuletzt wurde das Gebiet "Grünlohe" als Bauland ausgewiesen.

34 Jahre her

Das ist aber schon 34 Jahre her. Seitdem herrscht im Hauptort und in den umliegenden Ortschaften Bauland-Agonie. Nichts ging mehr. Diesem Missstand zu begegnen und die negative Einwohnerentwicklung zu stoppen, geht der Bürgermeister "in die Vollen". Im Ortsteil Mockersdorf wurde der Rathauschef bei der Suche nach geeigneten Baulandflächen fündig. Für die betroffenen bisher landwirtschaftlich genutzten Grundstücke sind laut Begründung im Bebauungsplanentwurf Kaufoptionen gesichert. Die Verfügbarkeit ist deshalb gewährleistet.

Schon die Bezeichnung des künftigen Baugebietes klingt verlockend. Das Areal "Kulmblick" soll Interessenten locken. "Dafür wird es höchste Zeit", sagt der Bürgermeister. Die Konkurrenz in den Nachbargemeinden sei groß und es gebe in der Beziehung Gewaltiges aufzuholen. Dazu zitiert Wolfgang Haberberger aus einer Statistik des Kreisbauamtes: "Auf Landkreisebene ist Neustadt derzeit Schlusslicht bei den Bauanträgen, und das seit zehn Jahren".

Baulandpreis

Zum Dagegenhalten, wie es der Bürgermeister formuliert, gehört der künftige Baulandpreis. Ziel sei es, den Quadratmeterpreis unter 40 Euro zu halten einschließlich aller Erschließungskosten und Herstellungsbeiträge. Dieser Baulandpreis bewege sich deutlich unter dem vieler anderer Gemeinden. Ein Schmankerl-Betrag, der schon die ersten Bewerber nach Mockersdorf lockt. Haberberger berichtete von ersten potenziellen Interessenten.

Geplant ist die Ausweisung von 27 Parzellen mit einer Größe zwischen 758 und von rund 970 Quadratmetern je Platz. Einzelne Grundstücke überschreiten die Größenordnung von 1.000 Quadratmetern. Das neue Baugebiet umschließt eine Gesamtfläche von 3,16 Hektar. Großzügig gehaltene Parzellengrößen, wie Michael Wagner vom Architekturbüro Wolfgang Schultes bekannte. Der Bautechniker erläuterte dem Rat das Bebauungskonzept mit "schlanken" Vorgaben. Darunter versteht der Planer wenig Festlegungen. Selbst Baulinien fehlen im Vorentwurf. Das geplante Baugebiet liegt zirka 500 Meter nördlich des Hauptortes im Randbereich des Ortsteils Mockersdorf.

Angeordnet sind die Parzellen um einen Nordhang, das Plangebiet liegt laut Geländemodell zwischen 464 und 486 Meter hoch. Die Verkehrserschließung ist über die nördlich angrenzende Dorfstraße möglich. Sieben Autominuten von Kemnath oder Speichersdorf entfernt werde das neue Baugebiet auch zur attraktiven Alternative für Baubewerber aus dem Umland, betonte der Bürgermeister. Besonders auf junge Leute hofft der Rathauschef. Das bringt neuen Schwung in die Stadt und neue Einwohner.

Nach Baugebiet suchen

Wegen weiterer "Feinheiten" des Vorentwurfs verwies Michael Wagner auf Informationen in einer nichtöffentlichen Besprechung des Stadtrates. Deshalb hielten sich Rückfragen von Ratsmitgliedern in Grenzen. Käthe Pühl verwies auf die Notwendigkeit, auch Bauinteressenten aus den anderen Stadtgebieten eine Chance zu geben und Reiner Kopp forderte, auch im Hauptort Neustadt nach einem Baugebiet zu suchen.

"Für Baubewerber fehlen die Alternativen", argumentierte Kopp. An deren Bedarf zweifelte Michael Wagner. Der sei schwierig nachzuweisen und werde womöglich beim Landratsamt kritisch gesehen. Mit einem einstimmigen Beschluss brachte der Stadtrat den Vorentwurf auf den Weg durch die Institutionen. In einem ersten Schritt beginnt unter anderem das Anhörungsverfahren bei den Behörden und bei den weiteren Trägern öffentlicher Belange.
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