Bundestag befasst sich mit Privilegien - Ländliche Region profitiert davon nicht
Placebo für Elektroautos

Wolfgang Haberberger mit seinem Renault Twizzy. Seit Herbst 2012 ist der Bürgermeister fast täglich mit dem E-Mobil unterwegs.
Lokales
Neustadt am Kulm
05.03.2015
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Bahnfrei, äh "busfrei" für Fahrer von Elektroautos? Der Bundestag befasste sich am Donnerstag mit Privilegien für E-Mobile. Kommunen sollen den Fahrern erlauben dürfen, die Busspur zu nutzen und kostenlose Parkplätze für die Elektrowagen reservieren können. Wolfgang Haberberger fährt seit eineinhalb Jahren mit Strom. Von den Ideen hält der Bürgermeister von Neustadt am Kulm mit Blick auf die ländliche Region wenig.

"Es ist bestimmt ein zusätzlicher Anreiz für Großstädte, in kleinen Dörfern gibt es keine Busspuren und Parkplätze haben wir genug", sagt Haberberger. Seiner Meinung nach reichen die Anreize nicht. "Wir brauchen auf dem Land ein Gesamtpaket, wie es beispielsweise Skandinavien hat." Dort gebe es nicht nur Parkplätze, man könne kostenlos tanken und bekomme Zuschüsse für die Fahrzeuge. "Das alles fehlt bei uns." Dabei biete besonders der ländliche Raum Potenzial für die mit Strom fahrenden Wagen. "Man ist hier auf Autos angewiesen. Wir haben für die Kulmregion Konzepte entwickelt, um Elektroautos einbinden zu können." Haberberger möchte E-Autos auf Bahnhöfen bereitstellen, damit Touristen die Region erkunden und Bürger Vorurteile abbauen können.

Bis zu 30 Prozent teurer

"Viele Bürger sind neugierig auf die Modelle, scheuen sich aber, große Summen dafür in die Hand zu nehmen", meint der Bürgermeister. Die Elektroautos seien 20 bis 30 Prozent teurer als herkömmliche und dann sei da noch das Problem mit dem Akku. "Wer misstrauisch ist, könnte zumindest einmal ausprobieren, wie sich so ein Auto fährt."

In Deutschland gibt es laut Haberberger über neun Millionen Fahrzeuge, die täglich weniger als 40 Kilometer fahren. Für solche Strecken seien Elektroautos ebenso geeignet wie Benziner oder Diesel. "Ich fahre mit meinem Twizzy täglich rund 25 Kilometer zur Arbeit, und bin zufrieden damit." Ist der Tank leer, steckt Haberberger seinen Renault an der Steckdose an - für rund drei Stunden. "Elektroautos vermindern die Produktion von Feinstaub, den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid und fahren mit regenerativen Energien wie Solarstrom", zählt er die Vorteile auf.
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