Der Kulm birgt noch Schätze

Da lag es: Grabungsleiter Dr. Hans Losert ist von den Funden "auf engstem Raum" begeistert. "Das erleben Archäologen selten", bemerkte der Wissenschaftler und verwies auf acht Pfeilspitzen und weiteres Material auf wenigen Quadratmetern. Entdeckt hat der Dozent auch neue "Kulturschichten". "Die versprechen mehr spannende Hinweise auf die Menschheitsgesichte am Kulm". Bild: do
Lokales
Neustadt am Kulm
01.09.2015
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Das war die Überraschung: Unterm Basaltgestein des Kulms entdeckte Grabungsleiter Dr. Hans Losert mit seinem Team neue "Kulturschichten". Die lassen manche Sensation erwarten, mutmaßt der Privatdozent als er seinen Gästen die Grabungsergebnisse 2015 vorstellte.

Seit fünf Jahren gräbt Archäologe Hans Losert am Vulkanberg nach Zeugnissen vergangener Epochen. Gleichzeitig analysiert der Wissenschaftler die Entwicklung der Block-Halde am Kulm-Massiv. Die geologischen Verhältnisse und die Vegetation rund um den Vulkanberg sind für den Experten der Universität Bamberg interessant wie die archäologischen Entdeckungen. Bei einer Exkursion auf Einladung des Historischen Vereins für Oberfranken und des Fördervereins "Rauher Kulm" fesselte der Grabungsleiter 50 Teilnehmer mit seinen Informationen zur wahrsten Sinne des Wortes Schritt für Schritt die Siedlungsgeschichte am Kulm.

Völkerwanderung

Dr. Hans Losert verwies auf Funde aus allen Menschheitsepochen und erläuterte das reiche Fundspektrum auf und um den Kulm aus der Zeit der Neandertaler und der Steinzeit bis hin zur Bronze- und Eisenzeit. Der Exkursionsleiter vermutete hinter diesem Entwicklungsabschnitt Metallfunde im Fichtelgebirge. Seine Zeitreise etwa 2200 Jahre vor Christus bis 300 vor Christus gestaltete Losert mit Erklärungen zu anspruchsvollen Keramikfunden aus der Keltenzeit und schloss Zusammenhänge mit einer Völkerwanderung nicht aus.

Fasziniert zeigten sich die Exkursionsteilnehmer über die Informationen zur slawischen Kultur im Kulmbereich. Der Wissenschaftler verwies auf die Entdeckung von Grabfeldern aus dem 6. Jahrhundert nach Christus. Aus dem frühen Mittelalter stamme auch die slawische Besiedlung im Strudel einer weiteren Völkerwanderung.

Dieser Hochphase der Besiedlung rund um den Kulm widmete Dr. Hans Losert seine besondere Aufmerksamkeit. In der Zeit Karl des Großen sei ein Ringwall und eine uneinnehmbare Grenzburg auf dem Kulm-Kegel entstanden, wusste der Grabungsleiter und verwies auf zahlreiche kriegerische Auseinandersetzungen während der ungarischen Reiter-Einfälle. Das 14. Jahrhundert sei wohl auch das Zeitalter gewesen, in dem die Slawen unter anderem mit der Akzeptanz von Deutsch als Geschäftssprache zu Oberpfälzer wurden. Auch der Name Kulm erinnere an die Präsenz der Slawen. Aus dem slawischen Wort "Kulm" = Burg sei der Rauhe Kulm entstanden. Nach der Bedeutungslosigkeit der Befestigungsanlage sei schließlich ab dem 16. Jahrhundert das Steinmaterial der Festung abgetragen und überwiegend für den Häuserbau verwendet worden.

Grabung geht weiter

Die Neugier des Expeditionsleiters auf den Kulm ist lange nicht gestillt. Mut machen Losert die spektakulären Funde auf engstem Raum. "Auf kleinster Fläche sind acht Pfeilspitzen gefunden worden, das ist sehr ungewöhnlich", betonte der Wissenschaftler. Auch deshalb gehen die Grabungsarbeiten weiter, versicherte Dr. Losert. In einem weiteren Schritt will er mit seinem Team die Ringmauer rekonstruieren und die Suche nach dem ehemaligen Torbereich zur Ober-Burg fortsetzen. Die Exkursion über "Stock und Basaltstein" endete mit weiteren archäologischen und geschichtlichen Betrachtungen und dem Bestaunen und Erläutern "phantastischer Funde", zum Beispiel von Pfeilspitzen und anderen interessanten Fundstücken.
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