Elternhaus zerbombt

Einen unvergesslichen Eindruck darüber, was Kriege verursachen, erhielten die Viertklässler der Grundschule Am Rauhen Kulm beim Besuch der Ausstellung über die Bombardierung von Neustadt am Kulm am 19. April 1945. Georg Miedel (links) und Käthe Pühl (hinten links) informierten die Schüler bei der Führung über den schlimmsten Tag der Kulmstadt in der jüngeren Geschichte. Bild: ow
Lokales
Neustadt am Kulm
30.04.2015
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Vom Leid im Zweiten Weltkrieg hatten viele Mädchen und Buben der vierten Klasse der Grundschule Am Rauhen Kulm schon von ihren Großeltern gehört. Doch welche verheerenden Folgen die Bombardierung im April 1945 für die Kulmstadt hatte, sahen sie nun im ehemaligen Neustädter Schulhaus mit eigenen Augen.

Georg Miedel, der zum 70. Jahrestag dieses Desasters seine Sammlung von Akten und Bilddokumenten vorstellt, hatte die Klasse mit Lehrerin Birgit Ohla eingeladen. Unterstützung bekam der Hobbyheimatforscher von Fördervereinsvorsitzender Käthe Pühl. Sie übernahm die Führung durch die Ausstellung, während Miedel im Nebenraum einen Film zeigte, auf dem die U.S. Army damals die Bombardierung Neustadts festgehalten hatte. Pühl erläuterte anhand der Bilder, wie der Ort zur Jahrhundertwende ausgesehen hatte. Besonders die Neustädter Schüler erkannten sofort, dass große Teile der Sommerseite des Marktplatzes ganz anders aussahen.

Diesen Bereich und das Untere Tor traf der Angriff der US Air Force besonders. Auf den Bildern zeigte Pühl das Ergebnis der Bombardierung. Sie erzählte auch, dass eine 500-Pfund-Bombe das Elternhaus eines Mitschülers der Klasse, Jan Prischenk, (Sehnkehaus) total zerstört hatte. Ein bettlägeriger Bewohner konnte nicht mehr rechtzeitig gerettet werden.

Mucksmäuschenstill war es im Nebenraum, wo Miedel den Film über den Angriff zeigte. Gespannt verfolgten die Schüler, wie nach kurzer Zeit die Winterseite vom Rauch der brennenden Gebäude eingehüllt war. Wahrscheinlich habe damals Ostwind geherrscht, der den Rauch in Richtung Westen (Winterseite) trieb. Deshalb wurde dieser Teil des Marktplatzes verschont. Die Schüler konnten sehen, wie die Kampfflugzeuge über 3000 Schuss aus ihrer Bordkanone auf die gut sichtbaren Gebäude der Sommerseite abfeuerten.

Sie hatten zuvor mit ihren Großeltern über dieses Thema gesprochen. So wusste ein Schüler, dass sich bei Münchsreuth auch einige Bombenkrater befanden. Miedel informierte, dass diese nicht von den Amerikanern stammten. Ein deutsches Flugzeug hatte dort seine Bombenlast in einer Notlage im Gelände abgeworfen. Ein weiterer Schüler erzählte, dass die damaligen Brandbomben Phosphor enthielten, das beim Abwurf die verheerenden Brände verursacht hat.
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