Grabungsführung: Besucher bei archäologischem Fund am Kulm live dabei
Messer-Päckchen im Geröll

Lokales
Neustadt am Kulm
29.08.2011
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Es war Spannung pur, was Archäologe Dr. Hans Losert den Besuchern bei der ersten Grabungsführung vermittelte. Schon am unteren Ringwall erzählte er, gerade sei etwas gefunden worden, das jemand zwischen den Basaltsteinen am oberen Ringwall versteckt hatte. Gespannt verfolgten dann rund 30 Geschichtsinteressierte, wie Student David Grüner ein Päckchen mit Messern und einer Armbrustspitze herauszog.

Da erstmals schon am Mittwoch eine Führung angesetzt war, hatten die Besucher die Chance, das Grabungsteam bei der Arbeit zu beobachten. Eine zweite Führung mit ebenso vielen Teilnehmern folgte am Freitagnachmittag. Einige Besucher waren zum ersten Mal dabei. Daher ging Losert auf die Entstehungsgeschichte des Kulms als Maar-Vulkan ein. Den Beweis dafür, dass er vor 15 Millionen Jahren aktiv war, hatte ein Lava-Rest bei einer früheren Grabungskampagne geliefert.

Auch konnte der Archäologe mit Fundstücken die Theorie widerlegen, die Region sei lange unbesiedelt gewesen. Die ältesten Funde vom Kulm stammen aus der Jungsteinzeit. Mit Hans Bäthe war ein ausgesprochener Spezialist der Vorgeschichte anwesend. Er konnte gleich einen Fund datieren und damit Losert bestätigten, der Privatdozent am Bamberger Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit ist.
Ins frühe Mittelalter datiert Losert den unteren Ringwall, der als Mauer vor ungarischen Reiternomaden schützen sollte. Durch zwiebelförmige Staffeln von einem Meter Höhe, die sich unterhalb der Mauer befanden, war das Einnehmen der Burg auf dem Kulm zu Pferde unmöglich. Nach der Schlacht am Lechfeld waren die Ungarn nicht mehr gesehen.

Die Mauer, durch Funde karolingischer Keramik bereits ins 8. Jahrhundert datiert, wurde später von unten durch einen Wall abgestützt. "Ein halber Wall, wie wir ihn hier haben, ist sehr untypisch", erklärte Losert. Der Nachweis einer Pfostenschlitzmauer war in dieser Grabungskampagne nicht möglich, da der Schnitt bei jedem Regen volllief und bis zum Nachmittag das Wasser darin stand.

Wesentlich mehr Glück hatten die zehn Studenten des Aufbaustudiengangs "Denkmalpflege" am oberen Ringwall. Die dortige Befestigung hatte allerdings keinen verteidigungstechnischen Hintergrund. "Das war nur Protzkraft", deutet Losert an, dass in dem schlecht begehbaren Gelände zwischen den Basaltsteinen keine drei Meter hohe Mauer notwendig gewesen wäre.
"Der heutige Fund des Tages ist eine Kreuzfibel", erklärt er weiter. Die Brosche aus Eisen mit einem gleichförmigen Kreuz hatte wahrscheinlich in der Mitte eine Stein-Einlage. Losert datiert sie in die Zeit um 800, als Karl der Große zum Kaiser gekrönt wurde. Weitere Funde lassen sich neben Keramikscherben aus dem frühen Mittelalter keltischer Drehscheibenware zuordnen. "Bei einem Randstückfund sind der Finder und ich für die nächsten zwei Stunden glücklich", so der Grabungsleiter. Als weiteren "recht schönen Fund" präsentierte er einen bronzenen Fingerring aus karolingischer Zeit.

Besucher wollten wissen, ob die Grabungen im nächsten Jahr fortgeführt werden. "Wenn der Naturschutz mich lässt", verwies Losert auf Einsprüche von Naturschützern, denen Grabungen im FFH-Gebiet ein Dorn im Auge sind.
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