Kanal zu voll

Gehen die Wasseruhren in der Kulmstadt falsch? Nicht wirklich. Die Verwaltung vermutet vielmehr unter anderem unzulässige Einleitungen in den Kanal als Erklärung für die große Diskrepanz zur Wasserabgabemenge. Archivbild: Huber
Lokales
Neustadt am Kulm
19.06.2015
2
0

In der Kulmstadt bestehen Zweifel am korrekten Verbraucherverhalten. Einige Bürger stehen im Verdacht, das Abwassernetz zum Nulltarif zu nutzen. Auch das Anzapfen privater Wasserquellen ist dem Rathaus nicht ganz geheuer. Folge: fehlende Einnahmen aus der Wasserver- und Abwasserentsorgung. Das muss sich ändern. Aber wie?

Bürgermeister Wolfgang Haberberger klagte an. Er schließt nicht aus, dass immer mehr Grundstückseigentümer auf illegale Weise versuchen, Kosten für Trink- und Abwasser zu sparen. Das gehe zulasten der Ehrlichen. Weniger Wasser- und Abwassergebühren bedeuteten bei gleichen Unterhaltungskosten auf Dauer höhere Einleitungsgebühren.

Das Rathaus vermutet auf manchem Wohngrundstück und auf Bauernhöfen eine massenhafte Verwendung von Regen- und privatem Brunnenwasser, das als Brauchwasser in das städtische Kanalnetz gelangt. Hintergrund dieses Verdachtes ist dort der hohe Fremdwasseranteil. Der Kläranlage wird deutlich mehr Abwasser zugeführt als Trinkwasser aus der Versorgungsleitung entnommen wird. Als Ursachen vermutet die Verwaltung private Trinkwasseranlagen, ein undichtes Leitungsnetz und eben Schwarzeinleitungen.

Beginn mit Verspätung

Vielleicht eilte es deshalb dem ein oder dem anderen Rat nicht, "pünktlich" in die Stadtratssitzung zu kommen. Diese begann am Dienstagabend mit fast halbstündiger Verspätung. Während der Bürgermeister das Gremium für 19 Uhr geladen hatte, verwiesen die später eintreffenden Stadträte auf einen in der Geschäftsordnung verankerten Sitzungsbeginn um 19.30 Uhr in den Sommermonaten.

Gefahr von Verunreinigung

Die dann vollzählige Runde konfrontierte Haberberger mit den Grundsätzen der Beitrags- und Gebührensatzung zur Wasserversorgung und zur Abwasserentsorgung. Danach seien bei "Eigengewinnungsanlagen" entsprechende Nachweise zu führen und der Stadt bekannt zu geben. Diese Nachweise, zum Beispiel mit dem Einbau eines weiteren geeichten Zählers, seien unabdingbar, zitierte Haberberger aus einer Vorlage der Finanzverwaltung. Ein weiteres Gefahrenszenario zeichnete der Bürgermeister bei der Trinkwasserversorgung. Er und die Verwaltung befürchten Verbindungen zwischen internen häuslichen Trinkwasser-Kreisläufen und dem Leitungsnetz der Stadt. Dadurch bestehe die Gefahr einer Verunreinigung des städtischen Trinkwassers.

420 Haushalte erhielten deshalb Post von der Stadt. Die groß angelegten Fragebogenaktion sollte Antworten auf das Nutzungsverhalten der Wasserabnehmer und der Kanal-Einleiter liefern. In der Stadtratssitzung war die Ernüchterung groß, als Haberberger nur von 81 Rückantworten berichtete. Davon hätten sich 12 Einleiter zur Verwendung von Quell- und privatem Brunnenwasser bekannt.

Von Lücken in der Postzustellung war nun die Rede. "Viele haben das Anschreiben der Stadt nicht bekommen", wussten einige Räte. Damit fehle ein objektives Gesamtbild über die Ver- und Entsorgungspraktiken. Nicht zur Debatte standen Grundstücks- und Hofkontrollen. Vielmehr hofften Bürgermeister, Rat und Verwaltung auf eine wachsende Einsicht der Wasserkunden, städtische Anfragen zu beantworten. Eine neue Umfrageaktion soll es richten.
Weitere Beiträge zu den Themen: Juni 2015 (7771)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.