Notvorstand als Ideallösung

Lokales
Neustadt am Kulm
16.04.2015
23
0

Wolfgang Haberberger hat wieder keinen Nachfolger gefunden: Keiner der sieben anwesenden Jagdgenossen war bei der Jagdversammlung bereit, den Vorsitz der Genossenschaft zu übernehmen: Der Bürgermeister bleibt Notvorstand.

"Was wollt Ihr mir denn noch zumuten?", fragte Wolfgang Haberberger die Genossen der beiden Jagdbögen. Es könne doch nicht sein, dass er weiter Kassier, Kassenprüfer, Katasterverwalter, Vorstand, Protokollführer und Vermittler in einer Person bleibe. Doch die Genossen blieben hart, daran änderte auch nichts, dass der Bürgermeister auf inzwischen wieder geordnete Finanzen verweisen konnte.

Jagdgenosse Hans Schäffler erklärte, dass aufgrund der Kenntnisse und Fähigkeiten das Amt beim Bürgermeister sehr gut aufgehoben sei. Auch Alois Kausler erklärte, dass mit dem Bürgermeister als Notjagdvorstand jemand am Werk sei, der bei Wildschadensverhandlungen Geschick bewiesen habe. Von der Versammlung bekam der alte und neue Vorstand als eine Art Gegenleistung "grünes Licht", eine Spende in Höhe von 300 Euro aus dem Guthaben der Jagdgenossenschaft für das Herrichten eines Spielplatzes im Gemeindegebiet verwenden zu können.

Jagdpächter Karl-Heinz Böhm berichtete für den Jagdbogen I, dass der Abschuss nicht erfüllt werden konnte: 14 von 15 Rehen wurden geschossen, weiterhin 16 Füchse, drei Hasen und drei Enten. "Schwarzwild war im Sommer so gut wie nicht vorhanden, derzeit sind aber Schwarzkittel im Revier", teilte Böhm mit. Er wies auf die Problematik hin, dass geackerte geerntete Maisflächen für Schwarzwild "gefundenes Fressen" seien, das Risiko für einen Schwarzwildschaden sehr groß sei.

Ernst Gebhardt berichtet von Jagdbogen II ebenfalls von einem knapp verpassten Abschusssoll. Von 13 geforderten Rehen blieben nur zehn auf der Strecke. Füchse habe er 15 erlegt, Hasen drei und Sauen ebenfalls drei. "Momentan sind die Wildsauen nur zeitweise im Revier und machen wenig Schäden." Der Dachs sorge für größere Probleme.

Angesprochen wurde auch die künftige Jagdpacht: Sowohl Böhm und Udo Geißler (Bogen I) wie auch Gebhardt und German Künneth (Bogen II) erklärten, dass sie die Pacht behalten wollen. Böhm machte aber deutlich, dass dies nicht zu den bisherigen Bedingungen erfolgen könne. Die Rahmenbedingungen hätten sich verschlechtert: So greife der Staatsforst massiv in den Rehbestand ein, er müsse nun viel länger für ein Reh ansitzen.

"Wir können kaum noch eine Auswahl treffen, für den Staatsforst ist ein totes Reh ein gutes Reh", meinte Böhm. Eine wildbiologische Denkweise suche man beim Staatsforst vergebens. Auch sei die Jagd schwieriger geworden, weil teilweise Landwirte bis in den Abend hinein die Felder bestellen. In der Diskussion kamen die Anwesenden überein, die beiden Jagdbogen künftig gleichzustellen: Der jährliche Pachtpreis soll jeweils 500 Euro betragen.

Hinzu kommt eine Wildschaden-Pauschale je Pacht in Höhe von 300 Euro, welche in jedem Falle ausbezahlt werden soll. Einstimmig verständigten sich die Jagdgenossen darauf, die Pachtverträge vorzeitig ab 1. April 2016 für weitere neun Jahre zu verlängern. Beschlossen wurde auch, dass 1000 Euro vom Jagdpachtschilling für den Wegebau verwendet werden.
Weitere Beiträge zu den Themen: April 2015 (8563)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.