Pfropfen hinter die Rinde

Josef Höllerl trägt Baumwachs auf die Veredelungsflächen auf. Aufmerksam beobachten die Teilnehmer des Kurses die Technik. Bild: jhö
Lokales
Neustadt am Kulm
02.05.2015
1
0

Wie man mehrere Obstsorten auf einem Baum vereint, oder Stämme umveredelt, lernten Hobbygartler bei einem Kurs im Garten von Walter Schindler.

(jhö) Der Speinsharter Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins, Josef Höllerl, zeigte den Hobbygärtnern die verschiedenen Veredelungstechniken. Wer schon immer einmal seinen Obstbaum umveredeln wollte, weil die Sorte nicht seinem Geschmack entspricht oder er Sorten zu verschiedenen Reifezeiten auf einen Baum vereinen wollte, konnte sich das nötige Wissen erwerben und es anschließend in die Tat umsetzen.

Im theoretischen Teil stellte der Fachmann die Werkzeuge und Hilfsmittel vor. Eine Säge oder Astschere zum Abwerfen der Krone, ein scharfes Kopulier- oder Pfropfmesser, Naturbast zum Verbinden sowie ein kaltstreichbares Baumwachs zum Verschließen der Schnitte. Wichtig für eine erfolgreiche Veredelung sei ein sauberes Arbeiten, die notwendige Ruhe und etwas Fingerspitzengefühl. Auf die Edelreiser eingehend, wusste Höllerl, dass sich nur einjährige, gesunde Triebe eignen. Diese werden in der Saftruhe im Winter von einem guten Mutterbaum der gewünschten Sorte entnommen und an einem kühlen, luftfeuchten Ort aufbewahrt.

Die effektivste und einfachste Methode im Hobbyobstbau sei das sogenannte "Pfropfen hinter die Rinde". Diese wird angewandt, sobald sich durch den Saftdruck im Frühjahr die Rinde gut vom Holz löst, ab Mitte April bis in den Mai. An der Unterlage wird durch einen Längsschnitt die Rinde geöffnet. Das durch einen Kopulationsschnitt versehene Edelreis mit maximal drei bis vier Augen wird hinter die geöffnete Rinde geschoben.

Von der Schnittfläche des Reisers sollten noch ein paar Millimeter sichtbar sein, dies dient der besseren Verwachsung. Verbunden wird mit Bast oder Gummibändern, danach werden die gesamten Schnittstellen mit Baumwachs verstrichen. Nach fünf bis sechs Wochen erfolgt der Austrieb der Edelreiser. Löst sich das Bindematerial nach weiteren Wochen nicht von selbst, wird es aufgeschnitten, um das Dickenwachstum zu ermöglichen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Mai 2015 (7904)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.