Sicher ist nur "ein steiniger Weg"

Viel Atmosphäre strahlt das Bild vom Marktplatz der Architekten Felix Holzapfel-Herziger (Hamburg) und Volker Jungwirth (Bayreuth) aus. Das Team erhielt im Planungs-Wettbewerb den ersten Preis. Bild: do
Lokales
Neustadt am Kulm
06.05.2015
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Es gibt einfachere Termine für Architekten. Vor Stadtrat und vielen Zuhörern warben die Wettbewerbssieger für ihre Pläne für die Zukunft des Markplatzes von Neustadt am Kulm. Sie argumentierten, baten und schmeichelten.

Planungs- und Baukultur ist auch Verfahrenskultur. Dem städtebaulichen Wettbewerb zur Neugestaltung des Marktplatzes der Kulmstadt mit der Auswahl der drei Preisträger folgte nun im Stadtrat die Auftragsverhandlung. Vorbereitet von den Verfahrensbetreuern vom Büro Pfab/Rothmeier aus Regensburg präsentierten die Erstplatzierten noch einmal ihre Vorstellungen zur Neugestaltung des Schmuckkästleins. Überrascht zeigte sich das Gremium vom Rückzug des zweiten Preisträgers, der Landschaftsarchitekten "lohrer-hochrein" aus München. Zur Bewertung verblieben das Architekturbüro Lehner aus Weiden (SHL) als Drittplatzierte und die Wettbewerbs-Sieger Felix Holzapfel-Herziger (Hamburg) und Volker Jungwirth (Bayreuth).

Die Auftragsverhandlungen nach der Verdingungsordnung für freiberufliche Leistungen erstreckten sich auf die Prüfung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und die fachliche Eignung. Nach vorheriger Gewichtung der Kriterien durch den Stadtrat standen in der Präsentation zunächst Überlegungen zur Einarbeitung von Bürgerwünschen in den Wettbewerbsentwurf zur Diskussion. "Den Platz nicht neu erfinden" gehörte für Dr. Emil Lehner und Uwe Reil zu den Kernaussagen. In 90 Minuten versuchten die Städteplaner das Gremium und die vielen Zuhörer von einem Konzept der "Durchlässigkeit" zu überzeugen. Die Architekten plädierten für eine großzügige Grünflächenplanung, eine "flexible" Straßenführung, brachten einem Brunnen direkt vor dem Rathaus ins Spiel und bescheinigten den Kulmstädtern ein ausreichendes Parkplatzangebot.

Es folgten Anmerkungen zu Details, etwa zur Materialauswahl und zum Beleuchtungskonzept. Am Beispiel der Stadt Griesbach schlugen die Planer eine Bürgerbeteiligung mit Versammlungen, Workshops und Einzelgesprächen vor und prophezeiten einen steinigen Weg. Für die Neustädter keine Überraschung. Von Bürgermeister Wolfgang Haberberger auf das sensible Thema der künftigen Kreisstraßen-Trasse hingewiesen, demonstrierte Dr. Lehner viel Flexibilität. "Wir müssen Lösungen im Dialog finden", befand der Architekt. In Gesprächen könne das Für und Wider einer Verlegung zur südlichen Häuserfront abgewogen werden. Auch über einen neuen Standort des Kriegerdenkmals könne man nachdenken. Standortregeln gebe es dafür nicht. Dann schmeichelte der Planer den Neustädtern. "Dieser Raum mit solch schönen Häusern verdient mehr Qualität". Dazu erläuterte der Architekt seine weiteren Vorstellungen zur Qualitätssicherung, zur Kommunikation, zum Baustellenmanagement, zu Kosten und Honorar.

Im Wechsel demonstrierten Felix Holzapfel-Herziger und Volker Jungwirth ihre Vorstellungen von einem "Marktplatz mit Charme" und die Transparenzschritte auf dem Weg zu einem der schönsten Stadtplätze der Oberpfalz. Für selbstverständlich halten die Planer die Berücksichtigung von Bürgerwünschen in ihrem Wettbewerbsentwurf. Auch über die Weiterentwicklung mit Blick auf die Neutrassierung der Kreisstraße sei zu reden.

Ein Schwerpunkt-Anliegen ist auch für das Team Holzapfel/Jungwirth die Mitnahme der Anlieger bei der Realisierung der Marktplatz-Umgestaltung. "Stadt, Anlieger, Geldgeber und Planer müssen auf Gemeinsamkeit bedacht sein", argumentierte Volker Jungwirth. Mit Streit könne kein Projekt reifen. Am Beispiel der Generalsanierung des Marktgräflichen Opernhauses in Bayreuth - dort sind beide Planer federführend für die Restaurierung verantwortlich - erläuterte das Duo Holzapfel/Jungwirth im Schlussteil der "Auftragsverhandlung" die vertraglichen Vorgaben zur Planungstransparenz, zur Kostenkontrolle, zur Qualitätssicherung und zur Termin- und Bauabschnittsplanung.

Zur Frage der Lärmbelästigung von der Kreisstraße ausgehend und bei Verwendung von lärmverstärkenden Materialien urteilte Volker Jungwirth: "Es darf jedenfalls keine Verschlechterung geben". Mit Lärm-Messungen könne man noch während des Planungsprozesses "an Stellschrauben drehen", um dieser Sorge zu begegnen. "Wir sind auch nicht angetreten, um auf einer 50 Stundenkilometer-Regelung zu bestehen, bemerkte Landschaftsarchitekt Felix Holzapfel-Herziger. Das Thema der Materialauswahl für den Straßen- und Gehweg-Belag verbannte Volker Jungwirth in die Bauphase. Dann könne mit einer Bemusterung eine gute Lösung gefunden werden.
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