Viel Grün, wenig Pflaster

Das Interesse der Kulmstädter an der Präsentation der Architektenvorschläge zur Marktplatz-Neugestaltung war groß. Kurzerhand hatte der Bürgermeister zur öffentlichen Stadtratssitzung in den geräumigen Schulungsraum des Feuerwehrhauses eingeladen. Dort stellte unter anderem Landschaftsarchitekt Felix Holzapfel-Herziger (stehend) seine Pläne vor. Bild: do
Lokales
Neustadt am Kulm
14.02.2015
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Mit einer Transparenzoffensive wirbt Bürgermeister Wolfgang Haberberger für die Sanierungspläne im Altstadtbereich. Die Vorstellung des Gestaltungskonzepts war erneut Gegenstand der Diskussion.

"Die Abstimmung des Planungsprozesses mit Stadtrat und Stadtbürgern ist uns wichtig", versicherten die Architekten Felix Holzapfel-Herziger vom Büro "Landschaftsarchitektur+" aus Hamburg und Volker Jungwirth aus Bayreuth bei ihrer Präsentation im Schulungsraum des neuen Feuerwehrhauses. Dorthin war die Stadtratssitzung wegen des vermuteten öffentlichen Interesses verlegt worden.

Zu Recht, wie sich bestätigen sollte. Zahlreiche Anlieger machten sich ein Bild von den zu Planskizzen gereiften Vorschlägen. Als wesentliche Gestaltungsmaßnahmen sehen die Landschaftsplaner die Verlegung der Ortsdurchfahrt der Kreisstraße in Richtung des südlichen Altstadtensembles und eine großzügige Ausweisung von Erholungsflächen vor. Zu den Vorschlägen des Hamburger Planers gehören die Absenkung der Straßentrasse um zirka 80 Zentimeter, um die Hanglage zu den Wohngebäuden zu entschärfen, ein Einbahnverkehr mit einer Fahrbahnbreite von 3,50 Metern vor der nördlichen Häuserzeile und 100 Pkw-Stellplätze im Osten des Marktplatzes.

Festplatz integrieren

Keinesfalls schmäler als bisher sollen die Gehwegbreiten entlang des Altstadtensembles ausfallen, versicherte der Architekt. Zu den Gestaltungsvorschlägen gehören ferner die Anlage eines 25 mal 10 Meter großen Festplatzes, die Gestaltung eines "Kirwabaumplatzes" und viel Grünfläche, in der zum Beispiel eine öffentliche WC-Anlage mit Lagermöglichkeiten, ein Rosengarten, Wasserspiele, Spielmöglichkeiten für Kinder und ein Schachfeld enthalten sind. Auch das Denkmal östlich des Rathauses soll bleiben, betonte Felix Holzapfel-Herziger. Der Entwurf mit 6,50 Meter Fahrbahnbreite für die Kreisstraße sieht ferner großzügige Wendemöglichkeiten für den Busverkehr vor.

Für den Architekten lautet die planerische Leitlinie für die Marktplatzsanierung: "Wirtschaftlich denken mit viel Grün und wenig Pflaster." Auch die Verkehrsberuhigung ist dem Hamburger ein großes Anliegen. Von einer Geschwindigkeitsbeschränkung erhofft sich der Planer auch weniger Verkehrslärm. Als Konzeptvariante stellte er eine Linienführung der Kreisstraße auf der bisherigen Trasse vor. Mit dem Ausbau der Ortsdurchfahrt im Bestand hätten die Anlieger des südlichen Marktplatzensembles die Kreisstraße nicht vor der Haustür, verwies Holzapfel-Herziger auf Wünsche von Anliegern. Diese Variante gehe jedoch zulasten einer geschlossenen Grün- und Freianlagengestaltung. Auch ein Buswendeplatz sei dann nicht mehr möglich. Die Anfragen aus dem Gremium und dem Publikum waren eher spärlich.

Die Neustädter warten gespannt auf die Stellungnahme der Regierung der Oberpfalz, die Bürgermeister Wolfgang Haberberger bis März erwartet. Zum wiederholten Mal verwies der Rathauschef auf den desolaten Zustand des Marktplatzes, der Straßenentwässerung, der Abwasserkanäle und der Gehwege und erinnerte an nasse Keller und undichte Wasserspeicher. Haberberger sieht Missstände in einem Umfang, die zu Haftungsfragen führen könnten. "Es muss was passieren", betonte der Sitzungsleiter und der Architekt urteilte: "Der Zustand der öffentlichen Flächen ist eine Katastrophe". Das alles kostet. Mit im Finanzierungsboot rudern Staat und Anlieger. Von der Regierung erwartet Haberberger eine erste Zuschusstranche von einer Million Euro. "Die haben das Geld für Neustadt reserviert", versicherte er.

Wer fordert, muss zahlen

Ebenfalls nicht zum ersten Mal waren grundsätzliche Hinweise zur Kostenbeteiligung der Anlieger. Der Bürgermeister erinnerte an die verpflichtende Anwendung der Straßenausbau-Beitragssatzung. Darin ist eine Beteiligung von 60 Prozent für den Straßenausbau und von 70 Prozent für Gehwegsanierungen verankert.

"Wer fordert, muss auch mit Konsequenzen bei den Kosten rechnen", bemerkte Haberberger zu Sonderwünschen. Gleichwohl ist der Rathauschef optimistisch, die beitragspflichtigen Hauseigentümer so weit als möglich zu schonen. "Wir wollen die strikte Anwendung der Satzung verhindern", versprach er.
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