"Waren Planer alle Deppen?"

Zu den Zank-Äpfeln der Planentwürfe gehört die Verlegung der Kreisstraße (Bildmitte) in Richtung Winter- oder Südseite. Mit dem Heranrücken der Fahrbahn an die Häuserfront (rechts) befürchten die Anlieger erhebliche Beeinträchtigungen. Bild: do
Lokales
Neustadt am Kulm
30.04.2015
12
0

Eine Interessengemeinschaft (IG) der Marktplatz-Anlieger möchte mitbestimmen, wenn es um die Neugestaltung des Neustädter Schatzkästchens geht. Das fordern sie in einem Brief an Bürgermeister und Stadtrat.

Auch die Beteiligung an der Detail-Diskussion und vieles mehr sind weitere Wünsche. Unterschrieben haben den Brief im Namen der Betroffenen Georg Doreth und Theo Tschirschnitz.

Hintergrund ist die Befürchtung, dass die Urbanität des Ortes zerstört wird. Ein Anliegen, das Bürgermeister Wolfgang Haberberger erneut zum Instrument der direkten Bürgerbeteiligung greifen ließ. Und die Neustädter kamen am Dienstag in Scharen, um sich seine Argumente anzuhören.

Detailliert ging der Rathauschef auf die Befürchtungen und Forderungen der Antragsteller ein, etwa zur Verlegung der Kreisstraße, der geplanten Einbahnstraßen-Regelung oder der Wiederverwendung von historischem Straßenpflaster. Auch der Erhalt der großen Multifunktionsflächen, Einzel-Anhörungen der Anlieger, Erhalt bestehender Baumbestände, Aufstellung eines Maßnahmen-Kataloges unter Beteiligung der Anrainer und die Ausführung der Fahr- und Spielstraßen mit lärmschonendem Asphalt waren Gegenstand des schriftlichen Antrag, der am 21. April bei der Stadt einging. Gleichzeitig bot sich die IG an, mit einer Abordnung von 15 Personen die Anliegerwünsche mit Bürgermeister und Stadtrat zu beraten. Dazu sollte es zunächst nicht kommen.

Haberberger stellte sich im Burucker-Saal den zirka 70 Zuhörern, um aus der Sicht der Stadt und der Architekten den Planungsstand "nicht zum ersten Mal" zu erläutern und auf die Sorgen der Hauseigentümer einzugehen. Für nicht machbar hielt er die Mitbestimmung der Anlieger in Detailfragen. Es könne nicht der Anliegerwunsch erfüllt werden. Er versicherte aber, dass "jedes vernünftige Argument, das zu keiner Kostenexplosion führt", in die Planungen aufgenommen werde. Der Bürgermeister verwies ferner auf das Gesamtinteresse der Bevölkerung und auf die Notwendigkeit einer Abstimmung mit den Förderstellen.

"Von 20 Wettbewerbsteilnehmern haben 14 Planer eine Verlegung der Kreisstraße, die derzeit mitten durch den Ort führt, in Richtung Winterseite vorgeschlagen", berichtete Haberberger. "Waren das deshalb alle Deppen?" Die Frage von Theo Tschirschnitz über das Einverständnis des Landkreises als Baulastträger blieb unbeantwortet. Tschirschnitz klärte auf: "Bis heute soll es gar keinen Antrag an den Landkreis geben." Der Ex-Stadtrat folgerte aus einem Gespräch mit Landrat Andreas Meier: "Der Landkreis wird einen Teufel tun, die Kreisstraße zu verlegen, wenn nicht alle damit einverstanden sind".

In der weiteren Diskussion entwickelte sich die klare Forderung, die Kreisstraße auf der alten Trasse zu belassen. "Das muss eine Vorgabe der Stadt an die Planer sein", forderte Detlev Straub. Hermann Pühl befand: "Der Bauherr muss sich an den Wünschen der Anlieger orientieren, nicht an den Planern".

Schon zwei Meter zu viel

Die Schlussfolgerung des Bürgermeisters einer Kreisstraßen-Sanierung "in etwa" auf alter Trasse stieß auf weitere Widersprüche. "Wenn die Straße nur sieben Meter an der Häuserfront vorbeiführt, ist schon ein Heranrücken um zwei Meter zu viel". Kritische IG-Vertreter wurden schließlich mit dem Vorwurf konfrontiert: "Habt Ihr Stöpsel in den Ohren?" Diese wiederum betonten: "Wir wollen nicht blockieren, aber vieles besser machen."
Weitere Beiträge zu den Themen: April 2015 (8563)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.