Interview mit Architekt Felix Holzapfel-Herziger zum Marktplatz Neustadt am Kulm
"Es muss sich etwas ändern"

Felix Holzapfel-Herziger. Bild. hfz
Politik
Neustadt am Kulm
22.08.2016
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Der Marktplatz bewegt die Gemüter in Neustadt am Kulm, aber auch in Hamburg macht man sich Gedanken. Felix Holzapfel-Herziger und Volker Jungwirth haben mit ihrem Büro Landschaftsarchitektur+ den Planungswettbewerb gewonnen. Dass sie soviel Überzeugungsarbeit leisten müssen, überrascht sie.

Nach Beschluss des Stadtrats wird mit dem Hamburger die Sanierung als Teil der Städtebauförderung umgesetzt. Wie er die Auseinandersetzung in Neustadt erlebt, berichtet der Architekt im Interview.

Herr Holzapfel-Herziger: Als Architekt haben Sie häufiger mit Widerständen gegen Planungen zu tun. Ist die Reaktion in Neustadt am Kulm ungewöhnlich für Sie?

Felix Holzapfel-Herziger: Es ist ungewöhnlich, wie fundamental der Widerstand ist. Ich habe den Eindruck, dass einzelne Gegner auch für Argumente nicht zugänglich sind, sich total gegen jede Veränderung sperren.

Die Gegner Ihrer Pläne wehren sich aber nicht gegen die Sanierung. Sie wollen die Platzstruktur erhalten.

Unter anderem wegen der Sanierung des Kanals ist ein Totalausbau nötig. Das bietet die seltene Chance, die Struktur zu optimieren und an neue Anforderungen anzupassen.

Für die Anwohner ist die Struktur bereits ideal. Wo liegen die Schwächen des heutigen Marktplatzes?

Zum Beispiel in der viel zu großen Verkehrsfläche, die nicht benötigt wird. Täglich befahren höchstens 1000 Autos den Platz. Weniger befestigte Fläche würden viel Geld sparen.

Wo sehen Sie Kompromissmöglichkeiten? Können Sie den Gegnern noch entgegenkommen?

Wir sind den Gegnern bereits weit entgegengekommen. Die beschlossene Variante IV unterscheidet sich stark vom Entwurf, mit dem wir vor fast zwei Jahren den Wettbewerb gewonnen haben. In den nun beschlossenen Planentwurf sind verschiedene Anregungen aus den Arbeitsgruppen eingearbeitet.

Was hat sich konkret geändert?

Wir haben nun auf beiden Seiten Einbahnstraßenregelung, zunächst war dies nur auf der Sommerseite vorgesehen. Um auch auf der Winterseite den Verkehr zu beruhigen, haben wir dies angepasst. Eine weitere Änderung sind zwei zusätzliche Querungen über den Platz, ursprünglich war nur eine vorgesehen. Den Landwirten sind wir entgegengekommen, indem wir die Querung auf Höhe der Kirche leichter befahrbar gemacht haben. Hier gibt es noch Spielraum, wenn der Denkmalschutz dem Abriss der nicht mehr genutzten Felsenkeller zustimmen würde.

Was sagen Sie zum Vorwurf, Ihr Plan nehme dem Neustädter Marktplatz seinen einmaligen Charakter? Nach dem Umbau werde er aussehen wie viele andere Stadt- und Dorfplätze.

Dieser Aussage kann ich nicht zustimmen. Schon wegen seiner Topographie wird der Marktplatz unverwechselbar bleiben. Ich kenne keinen vergleichbaren Platz, der ein solches Gefälle aufweist. Dies ist auch für die Planung eine Herausforderung.

Würden Sie sich wünschen, dass sich die Bürger mehr auf Ihr Expertenwissen verlassen ?

Es ist manchmal ein Problem, dass sich Menschen schwer vorstellen können, wie ein umgestalteter Platz aussehen wird. Bei den Bürgergesprächen in Neustadt waren vor allem Menschen jenseits der 60 vertreten. In diesem Alter fällt es verständlicherweise schwerer, sich von etwas lange Vertrautem zu lösen. Der hohe Altersdurchschnitt und der Bevölkerungsrückgang in der Stadt zeigen aber: Es muss sich schnell etwas ändern, sonst brauchen wir über eine Marktplatzsanierung bald nicht mehr sprechen.

Wann wird der Umbau des Platzes beginnen?

2020 steht das 650. Gründungsjubiläum der Stadt an, Ich hoffe, dass wir dann fertig sind. Die Stadt hat einen innovativen Bürgermeister, der etwas bewegen will. Ich glaube, dass sich auch der überwiegende Teil der Neustädter wünscht, dass sich etwas bewegt. Die besonders lauten Protestierer sind meist nicht die Mehrheit.

Wie gefällt Ihnen Neustadt am Kulm persönlich?

Durch ihre besondere Lage zwischen den beiden Kulmen, der besonderen Topographie des Markplatzes und der historischen Gebäude ist die Stadt etwas Besonderes. Wir wollen beitragen, sie lebenswert zu erhalten. Es ist mir wichtig, dass die Neustädter wissen: Wir machen unsere Arbeit für die Menschen der Stadt.
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Barbara Scherl aus Neustadt am Kulm | 25.08.2016 | 00:23  
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