Kein Interesse am Vorsitz der Jagdgenossen
Ungeliebtes Ehrenamt

Damit dürfte ich der dienstälteste Notvorsitzende in ganz Deutschland sein.
Politik
Neustadt am Kulm
31.03.2016
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Bürgermeister Wolfgang Haberberger wird sein ungeliebtes Amt als Notvorsitzender der Jagdgenossenschaft Neustadt am Kulm nicht los. Auch in der jüngsten Jahreshauptversammlung fand sich kein Mitglied, das das Amt übernehmen wollte. So blieb dem Bürgermeister nichts übrig, als weiterzumachen. Seit acht Jahren übe er das Amt inzwischen aus, erklärte Haberberger. "Damit dürfte ich der dienstälteste Notvorsitzende in ganz Deutschland sein", berichtete er von einem Rekord, über den er sich gar nicht recht freuen will.

Ewig wolle er das Amt nicht mehr ausüben, weshalb er darüber nachdenke, den Druck auf die Jagdgenossen zu erhöhen, den Vorsitz wieder selbst zu übernehmen. Er spiele mit dem Gedanken, den Genossen seine Arbeit als Vorsitzender in Rechnung zu stellen, erklärte der Bürgermeister. "Dazu bin ich nämlich berechtigt."

Vor der Wahl sprach Haberberger über die Finanzen der Jagdjahre 2014/15 und 2015/16. In diesem Zeitraum meldeten die Genossen nur drei Wildschäden, einer davon wurde nicht abgerechnet. Erst im Dezember 2015 und jetzt im März 2016 kamen zwei weiter Meldungen dazu. Geld gaben die Genossen vor allem für die Katastererstellung aus. Weil es kaum Schäden gab, beschlossen die Jagdgenossen in den beiden zurückliegenden Versammlungen auch, sich mit insgesamt 2000 Euro an Wegesanierungen zu beteiligen.

Im vergangenen Jahr wurden die Pachtverträge neu abgeschlossen; die Pachtverträge für die Jagdbögen I und II laufen nun wieder zeitlich synchron. Die Pächter Ernst Gebhardt und German Künneth für den Jagdbogen II blieben ebenso wie Karl-Heinz Böhm und Udo Geißler für den Jagdbogen I. Die ab 1. April laufenden Verträge bringen in den nächsten neun Jahren allerdings deutlich weniger Pacht. Deshalb beschlossen die Jagdgenossen, diesmal keine Gelder für Wegesanierungen zur Verfügung zu stellen.

Die Jäger berichteten für den Jagdbogen I von 15 erlegten Rehen, eine Geiß war Fallwild. Damit wurde der Abschuss knapp erfüllt. Sauen wurden neun geschossen, Feldhasen drei. Dazu kamen nur zwei Füchse, weil diese derzeit unter der Räude leiden. An Geflügel erlegten die Jäger vier Blesshühner, einen Graureiher, 22 Stockenten, eine Elster und fünf Eichelhäher. Was die Verbissschäden anbelangt, ist Neustadt am Kulm in beiden Jagdbögen sehr gut aufgestellt. Das letzte Verbissgutachten erlaubt, den Rehabschuss zu senken.

Jäger Ernst Gebhardt berichtete von elf erlegten Rehen und einem Stück Fallwild im Jagdbogen II. Hasen wurden hier drei erlegt, vier Hasen waren Fallwild. Im zurückliegenden Jahr starben zudem vier Dachse im Straßenverkehr. Darüber hinaus schossen die Jäger vier Füchse und vier Graureiher. Eine Wildsau starb bei einem Verkehrsunfall. Des Weiteren wurden 20 Stockenten geschossen.

Einige Jagdgenossen forderten mehr Engagement von der Stadt, was das Heckenschneiden, Putzen von Gräben und die Wegesanierung anbelangt. Der Bürgermeister erklärte, dass in den vergangenen acht Jahren seiner Amtszeit dahingehend sehr viel gemacht worden sei und auch weiterhin gemacht werde. Allein 2015 seien mehrere Kilometer Wege im Zuge des Leaderprogrammes aufgeschottert und gewalzt worden.

Beim Heckenzuschnitt sprach Haberberger von einem Rekordergebnis: Über 400 Schüttmeter mussten gehäckselt werden. "Die Stadt hat hier nur begrenzte Kapazitäten an Personal und Gerät zur Verfügung, auch muss der Haushaltsansatz dafür eingehalten werden", sagte der Bürgermeister.
Damit dürfte ich der dienstälteste Notvorsitzende in ganz Deutschland sein.Wolfgang Haberberger über seine acht Jahre im Amt bei der Jagdgenossenschaft
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