Nach anonymen Anzeigen
Denkmalschutz steigt aufs Dach

Die Werkstatt steht wieder bestens da. Das Dach aber dürfte nicht so rot sein, wie es tatsächlich ist. Bild: ww
Politik
Neustadt am Kulm
08.04.2016
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Stolz mischt sich mit Stöhnen: Neustadts Ortskern ist schön, seine Bewohner müssen aber bei allen baulichen Fragen den Denkmalschutz mitreden lassen. Zuletzt häuften sich Anzeigen wegen Verstöße gegen den Denkmalschutz.

Bernd Kroher ärgert sich. Seit 2011 hat er seine Freizeit in eine alte Schreinerwerkstatt nördlich des Marktplatzes gesteckt. Der Bau stand zuvor Jahre leer, der Zustand war bemitleidenswert. Kroher wollte sich die Arbeit deshalb gar nicht antun, als ihn der Vorbesitzer das Gebäude anbot: "Aber dann habe in den Gewölbekeller gesehen." Stromanschluss hatte der Bau auch und die Aussicht auf eine eigene Werkstatt ließ Groher seine Meinung ändern.

Heute steht die Beinahe-Ruine wieder bestens da. "Von den Nachbarn habe ich nur Lob bekommen." Tadel kam dafür vom Landratsamt. Ein Schreiben vom Amt bemängelte die "roten Ziegel" auf dem Dach. Dafür wäre ein Bauantrag nötig. Den muss Kroher nun nachträglich stellen, mit welchen Konsequenzen wisse er nicht. Bei einem Telefonat mit einem Sachbearbeiter erfuhr er, dass ein anonymer Hinweis das Amt auf seine Werkstatt aufmerksam gemacht hat. "Und da bin ich nicht der einzige", sagt Kroher. Er wisse von mehreren ähnlichen Fällen.

Dies bestätigt das Landratsamt. "In den vergangenen zwei Jahren waren es zehn anonyme Hinweise", berichtet die Sprecherin Claudia Prößl. Die Mitarbeiter des Amts seien angehalten, auch anonymen Hinweisen nachzugehen. In Neustadt habe sich gezeigt, dass diese Hinweise immer begründet waren.

Neustadts Bürgermeister Wolfgang Haberberger kennt die Problematik. Grundsätzlich sei er kein Freund von anonymen Anzeigen. Er kann sich vorstellten, dass die betroffenen Bürger sich gegenseitig anzeigen: "Wenn ich zahlen muss, dann schaue ich bei meinem Nachbarn genauer hin." Er verstehe den Ärger darüber, findet aber auch, dass die denkmalrechtlichen Vorgaben sinnvoll sind. "Besonders unser Marktplatz ist schützenswert." Dennoch komme es vor, dass Hausbesitzer Kunststofffenster einbauen oder das Dach decken wie sie wollen. "Dann muss man auch damit rechnen, dass das Denkmalamt aufmerksam wird." Zuletzt erfuhr das die Sparkasse. Sie musste ihr Gebäude in der Stadt neu decken lassen, weil die Ziegel nicht den Vorgaben entsprachen. "Das Denkmalamt hat ein Exempel statuiert."

So einfach sei der Fall bei ihm nicht, sagt Kroher. Er wisse natürlich, dass das Denkmalamt in Neustadt eine große Rolle spielt, deshalb habe er sich informiert. "Die Werkstatt selbst steht nicht unter Denkmalschutz." Allerdings soll bei ihm der sogenannte Ensembleschutz greifen. Das schützenswerte Ensemble sei aber doch der Marktplatz, sagt Kroher, und von dem sei seine Werkstatt weit weg. "Der Bau liegt ja nicht einmal innerhalb der alten Stadtmauer."

Überhaupt fragt er sich, wie historisch das Ensemble tatsächlich ist. Der nördliche Marktplatz sei im Krieg komplett ausgebrannt und anschließend großteils mit Bruchsteinen neu aufgebaut worden. Auch beim Dach seiner Werkstatt kann Kroher bei besten Willen nicht sagen, wie es ursprünglich gedeckt war. Als er es übernahm, schützte ein rostiges Blech den Innenraum vor Regen. Der Rest war mit verschiedenen Ziegelsorten gedeckt. "Das Dach muss zig mal geflickt worden sein." Aber erst jetzt meldet sich der Denkmalschutz zu Wort.

Satzung soll helfenEine Gestaltungssatzung soll das Problem der Hausbesitzer mit denkmalrechtlichen Vorgaben in der Stadt entschärfen, erklärt Wolfgang Haberberger. Die Satzung soll mit der Marktplatzsanierung entstehen und genau regeln, welche Baustoffe und Materialien wo in der Stadt zulässig sind.

Der Bürgermeister möchte mit der Satzung auch ein Förderprogramm auflegen, das dabei hilft, bestehende Bausünden zu beheben. Das Programm soll Neustädter unterstützen, wenn sie ihre Gebäude so umbauen, dass sie wieder in Einklang mit den Vorgaben stehen. (wüw)
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