Neustadt am Kulm und der Denkmalschutz
Kein Sorgenkind

Zwei Neustädter Wahrzeichen: der Kulm und das denkmalgeschützte Ensemble des Marktplatzes. Während der alte Vulkan recht pflegeleicht ist, sorgen die historischen Bauten immer wieder für Diskussionen und Ärger mit dem Amt für Denkmalpflege. Bild: wüw
Politik
Neustadt am Kulm
28.06.2016
182
0

Ein Sorgenkind der Denkmalpflege? Nein, als solches möchte das Landesamt für Denkmalpflege die Kulmstadt nicht bezeichnen. Aber zu tun gibt es doch einiges für die Behörde: "Es gibt leider immer wieder ungenehmigte Bauvorhaben, bei denen im Vorfeld keine Beratung stattfinden konnte."

Grundsätzlich äußert die Behörde Verständnis für den Ärger den manche Neustädter über Vorgaben und Auflagen empfinden, es sei auch richtig, dass der Denkmalschutz ins Eigentumsrecht eingreift. Allerdings unterscheide er sich dabei nicht von anderen Belangen, bei denen das Eigentumsrecht mit dem Interesse der Allgemeinheit kollidiert. "Der Eigentümer erhält sein Denkmal im Interesse der Allgemeinheit, leistet einen Beitrag zum Gemeinwohl. Im Gegenzug stehen ihm die kostenfreie Beratung sowie Möglichkeiten, die Aufwendungen steuerlich geltend zu machen und Fördergelder zu beantragen, zu."

Dass sich Neustädter zudem ärgern, wenn die Informationslage unklar ist, sei nachvollziehbar. Allerdings sei es Aufgabe eines Grundstücks- oder Gebäudeeigentümers, sich zu informieren. Ein unklare Sachlage ist kein Argument sich nicht an Vorgaben zu halten. Zudem bemühe sich die Denkmalschutzbehörde um klare Infos, Das Amt verweist etwa auf den Bayerischen Denkmal-Atlas: Über diesen Dienst sind online Informationen - Texte, Bilder, Karten - zu allen Bau- und Bodendenkmälern sowie Ensembles verfügbar.

Speziell zu Neustadt am Kulm habe es in der jüngeren Vergangenheit Informationsveranstaltungen gegeben. Die Bürger seien gebeten worden, möglichst früh mit Stadtverwaltung, dem Landratsamt oder dem Landesamt in Kontakt zu treten, wenn Veränderungen im Baubestand geplant sind. "Leider geschieht dies viel zu selten." Sich frühzeitig zu informieren und mit den Fachstellen in Kontakt zu treten, vereinfache Vieles. "Es ist keineswegs so, dass der Wunsch, ein Denkmal instand zu setzen oder Umbauten vorzunehmen, automatisch zu Konflikten mit der Denkmalpflege führt: Denkmalschutz ist kein Veränderungsverbot." Schließlich bedürfen auch denkmalgeschützte Häuser der Pflege. Bei einem Denkmal benötige der Bauherr aber vorab eine Erlaubnis der Unteren Denkmalschutzbehörde.

Mit dieser gehen eine kostenfreie Beratung sowie die Möglichkeiten zur steuerlichen Abschreibung von Aufwendungen und der Beantragung von Fördergeldern einher. Wichtig ist es, sich rechtzeitig mit der Unteren Denkmalschutzbehörde in Verbindung zu setzen. Das Landesamt biete Broschüren und Flyer mit Informationen für Bauherren an. Empfehlenswert sei ein Heft, das den Ablauf von Baumaßnahmen am Baudenkmal erläutert, ein anderes erläutert finanzielle Förderungen und steuerlichen Absetzbarkeit. Alle Veröffentlichungen gibt es auf der Homepage zum Download.

ZurückhaltendZum Streit um die Sanierung des Marktplatzes gibt sich das Landesamt für Denkmalpflege zurückhaltend. Das Amt war an der Jurysitzung des Wettbewerbs zur Neugestaltung des Marktplatzes durch einen Fachberater vertreten. "Aus denkmalfachlicher Sicht konnte dem Sigerentwurf zugestimmt werden." Allerdings vertrete das Amt wie das Preisgericht die Auffassung, dass der Entwurf "in wesentlichen Bereichen noch überarbeitet werden muss". Unter anderem müssen historische Gegebenheiten stärker berücksichtigt werden.

"Aus denkmalpflegerischer Sicht sollte die Platzgestaltung sich am historischen Vorbild orientieren - die Anliegen der Interessengemeinschaft stoßen insofern auf großes Verständnis." Eine Überarbeitung liege bislang nicht vor, daher gebe es "gegenwärtig keine Gesprächsgrundlage für die weitere Abstimmung". (wüw)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.