Stadtratssitzung Neustadt am Kulm
Eingriff ins Landschaftsbild?

Unmittelbar neben der Ortschaft Mockersdorf plant die Kulmstadt die Erschließung eines circa drei Hektar großen Baugebietes mit 27 Parzellen. Schon jetzt schwärmen Baubewerber vom prächtigen Panoramablick auf den "Hausberg" der Neustädter und auf das Fichtelgebirge. Bild: do
Politik
Neustadt am Kulm
11.06.2016
42
0

Der "Kulmblick" rückt ein Stück näher. So nennen Neustadts Bürgermeister und die Ratsdamen- und Herren ihren Bebauungsplanentwurf. Er soll die Voraussetzungen schaffen, die Baulandmisere der Kulmstadt zu beheben.

Weil in der Kernstadt Grundstücksalternativen fehlen, so der Bürgermeister, suchte und fand Wolfgang Haberberger im Ortsteil Mockersdorf geeignete Flächen, um eine Baulandoffensive zu starten. 27 Parzellen sehen die Planungen des Architekturbüros Wolfgang Schultes vor. Mit über drei Hektar Fläche ein relativ großes Baugebiet für eine kleine Kommune. Doch der Bürgermeister bleibt Optimist. "Die Nachfrage ist groß", bemerkte er in der Stadtratssitzung.

Für "zu groß" sehen einige Fachbehörden das Vorhaben. In der frühzeitigen Behördenbeteiligung zweifelte etwa der Bund Naturschutz "am verantwortungsvollen Umgang mit der wertvollen und nicht vermehrbaren Ressource Boden" und auch die Regierung der Oberpfalz erhob Bedenken und forderte eine nachvollziehbare Bedarfsbegründung. Auch die Standortwahl bewerteten die Regierungsstellen besonders aus städtebaulicher Sicht kritisch.

Für Planer Michael Wagner kein Problem. In seinem Abwägungsvorschlag wies er die Einwendungen des "Bundes" mit der Bemerkung zurück, dass sich die Ausweisung ausnahmslos an den Bedürfnissen und Möglichkeiten der Stadt orientiere. Den kritischen Bemerkungen der Regierung begegnete der Bürgermeister mit den ergebnislosen Bemühungen der Stadt zur Baulandausweisung an Alternativstandorten. "Für acht untersuchte Gebiete scheiterten die guten Absichten am Zuschnitt der Grundstücke, an städtebaulichen Bedenken oder an der mangelnden Bereitschaft von Eigentümern, Grundstücksflächen zur Verfügung zu stellen." Trotzdem empfahl Stadtrat Reiner Kopp, weitere Gebiete für Baulandzwecke zu prüfen: "Ich will das neue Baugebiet nicht verhindern, aber auch andere Flächen müssen auf ihre Baulandeigenschaft untersucht werden."

Die Bemerkungen des Bauamts beim Landratsamt zielten eher auf Einzelheiten der geplanten Bauweise. Hinweise und Forderungen gab es vor allem zu Garagenstandorten und Baugrenzen, Firstrichtungen, Wandhöhen, Dächern und Dachgauben, Einfriedungen und Stützmauern. Wagner nannte die Vorschläge "theoretische Verliebtheiten des Sachbearbeiters", die der Rat in der Abwägung textlich konkretisierte. Ähnlich der Stellungnahme des Bund Naturschutz sah auch das Sachgebiet Naturschutz beim Landratsamt mit dem neuen Baugebiet einen "massiven Eingriff in das Landschaftsbild". Diese Bedenken sollen durch Eingrünungsmaßnahmen zur freien Landschaft hin und auch im neuen Siedlungsgebiet selbst ausgeräumt werden, argumentierte Wagner.

Zuversichtlich zeigte sich Haberberger. "In Detailabstimmungen mit dem Sachgebiet haben wir die grundsätzlichen Hürden ausgeräumt." Keine Berücksichtigung fanden bei der städtischen Abwägung die Empfehlungen des Bauernverbandes. Die Interessenvertretung der Landwirte hatte anstelle eines Allgemeinen Wohngebiets die formale Ausweisung als Dorfgebiet vorgeschlagen, um mögliche Einschränkungen für Landwirte, zum Beispiel durch Geruchs- und Lärmbelästigung, zu minimieren. Auch die Handwerkskammer machte sich Sorgen um die künftige Standortqualität einer angrenzenden Schreinerei. Diese Bedenken seien jedoch in Einzelgesprächen mit den Betroffenen ausgeräumt worden, versicherte Haberberger. Entsprechende Feststellungen enthält auch die Abwägung.

Keine Berücksichtigung fanden auch Wünsche des Wasserwirtschaftsamtes zur Versickerung von Niederschlagswasser auf den Baugrundstücken. Planer Michael Wagner verwies nach Bodenuntersuchungen auf erhebliche Schwierigkeiten bei einer kontrollierten Versickerung und schlug stattdessen vor, bei den Vorgaben zur gedrosselten Ableitung zu bleiben.

Die sogenannte Abwägung zum Bebauungsplanentwurf "Kulmblick" genehmigte das Plenum bei einer Gegenstimme von Stadtrat Manfred Rix. Der gleichzeitige Änderungsentwurf des Flächennutzungsplanes fand die Zustimmung des gesamten Gremiums. Bis zum Jahresende ist mit einer Rechtskraft des Bebauungsplanes zu rechnen. Das jedenfalls hoffen Bürgermeister, Stadträte und Planer.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.