Das "Haus der kleinen Füße" feiert Jubiläum
Von Kindesbeinen an

Das Bild zeigt Kinder, die 1944 in die Kinderschule gingen. Viele der Buben und Mädchen leben noch heute in der Kulmstadt oder in der näheren Umgebung. Bilder: Walter (2)
Vermischtes
Neustadt am Kulm
16.04.2016
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Das Bild zeigt die ehemalige Kinderschule, die am Standort der ehemaligen Raiffeisenbank stand. Die Kinderschule wurde um 1945 geschlossen.

Das "Haus der kleinen Füße" am Grünlohweg gibt es schon 20 Jahre. Die Einrichtung am Grünlohweg ist aber nicht der erste Kindergarten in der Geschichte der Kulmstadt.

Bereits vor 90 Jahren gab es in Neustadt am Kulm eine sogenannte Kinderschule. Sie stand dort, wo heute die Raiffeisenbank ihr Gebäude hat. Die Betreuung der Kinder lag in den Händen von Frau Stollberg und ihrer Tochter sowie von Liselotte Wanner (verheiratete Schulthes). Mit drei Jahren konnten Kinder bereits in die Kinderschule geschickt werden. Bis Anfang 1945 war die Kinderschule intakt. Später hat man vergebens versucht, sie weiter zu betreiben.

Eng verbunden mit dem Kindergarten ist der evangelische Diakonieverein, Trägerverein des Kindergartens. Der bereits verstorbene ehemalige Neustädter Pfarrer Ulrich Cronenberg war es, der 1969 feststelle, dass es in der Gemeinde Neustadt am Kulm viele Kinder, aber keinen Kindergarten gab. Er versuchte, möglichst viele Bürger und Gemeindemitglieder für seine Kindergartenidee zu gewinnen. Ihm gelang es schließlich, 32 Gemeindemitglieder für seine Vorstellungen zu gewinnen.

Gegründet wurde der Diakonieverein im Juli 1969. Nach der Auflösung der Schule fand sich in Filchendorf mit dem dortigen Schulhaus ein geeignetes Gebäude. Auch die Stadt Neustadt am Kulm gab grünes Licht, 1970 wurde der Kindergartenbetrieb aufgenommen. Eltern meldeten insgesamt 60 Kinder an. Der Beitrag betrug damals 20 Mark. Hinzu kamen 5 Mark Fahr- und 1 Mark Spielgeld.

Staat und Stadt zahlen


Von Anfang an zog sich das Problem der Beförderung der Kinder nach Filchendorf wie ein roter Faden durch das Vereinsleben des Diakonievereins. Eine einschneidende Änderung gab es 1972: Die Regierung der Oberpfalz begrenzte die Kinderzahl auf 45. Finanziell konnten die Verantwortlichen etwas aufatmen: Der Staat und die Stadt Neustadt am Kulm übernahmen je 20 Prozent der Personalkosten, kurze Zeit später sogar ein Drittel.

1977 erkannte die Regierung den Kindergarten endgültig an. 1980 plante man einmal mehr den Umbau der Einrichtung. Wie bereits in den Jahren zuvor scheiterte dies jedoch am fehlenden Geld. 1987 platzte der Kindergarten aus allen Nähten. Um allen Kindern den Besuch zu ermöglichen, wurden Ganztags-, Halbtags- und Nachmittagsgruppen eingeteilt. Ein Jahr vorher gab es für den Vorstand des Diakonievereins eine weitere Hiobsbotschaft: Die Landeskirche hatte die Zuschüsse gestrichen, weil die Beiträge zu niedrig angesetzt worden waren.

Alle willkommen


Einmal mehr wurde der Neubau eines Kindergartens ins Gespräch gebracht. Die Regierung der Oberpfalz machte hier deutlich, dass ein Neubau nur in Neustadt am Kulm in Frage komme. Ein großer Förderer und Kämpfer für einen neuen Kindergarten war neben Hans Köstler auch der mittlerweile verstorbene ehemalige Bürgermeister Karl Pühl. Er gründete 1992 einen Förderverein. Insgesamt stellte dieser für den Kindergartenneubau über 120 000 Mark zur Verfügung. Auch die evangelische Kirche unterstützte den Neubau finanziell.

Nach vielen Verhandlungen und Diskussionen im Stadtrat wurde grünes Licht für einen Neubau in Neustadt am Kulm im sogenannten Schulgarten erteilt. Der erste Spatenstich erfolgte 1994.

Erfreulich ist, dass evangelische und katholische Kinder die Einrichtung besuchen. Die Verantwortlichen legen großen Wert darauf, dass auch Kinder einer anderen Glaubensrichtung oder Kinder, die keiner Religion angehören, willkommen sind. Das "Haus der kleinen Füße" ist auch über die Grenzen Neustadt am Kulms beliebt: So kommen die Kinder nicht nur aus der Kulmstadt, sondern aus Schwarzenbach, Netzaberg, Eschenbach, Speichersdorf, Kemnath, Immenreuth, Oberbibrach, Vorbach und Schlammersdorf.
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