Georg und Angelika Doreth restaurieren ein Ackerbürgerhaus
Monument am Marktplatz

Auch außen ist das Haus von Georg und Angelika Doreth ein Schmuckstück. Das Haus am Marktplatz 44 wird 1631 mit einer gewissen Frau von Dobeneck als Besitzerin erwähnt. Doreth hat das Haus 1996 gekauft, seit 2002 saniert das Ehepaar das Haus. Fertig ist es noch nicht. Nichtsdestotrotz wollen die zwei im Dezember, spätestens aber im Januar in ihr Ackerbürgerhaus einziehen. Bilder: Gerhard Götz (12)
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Neustadt am Kulm
30.11.2016
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Das Tor zur Durchfahrt in den Hinterhof (links) hat Georg Doreth in seiner originalen Größe wieder errichten lassen. Rechts ist das Haus in seinem Zustand von 1997. Laut einer Voruntersuchung wurde das Gebäude in seiner heutigen Gestalt einheitlich um 1706 errichtet, enthält jedoch noch einen Vorgängerbau. Repro: Gerhard Götz (2)
 
Diesen Raum nutzen Angelika und Georg Doreth für Familienfeiern und Besprechungen mit den Angestellten. Ein Kalkanstrich empfindet die originale Wandfarbe nach. Die Fensterbänke und die Stützsäule dazwischen wurden wieder freigelegt.

Seit knapp 15 Jahren arbeitet Georg Doreth an seinem Ackerbürgerhaus. Fast zwei Jahrzehnte voller Arbeit liegen hinter ihm. Noch immer ist das denkmalgeschützte Haus nicht fertig. Für den Kulmstädter ist das nicht wichtig: Er erfüllt sich mit dem fast 400 Jahre alten Anwesen einen Jugendtraum.

Neustadt/Kulm. Wenn Georg Doreth durch sein Ackerbürgerhaus schreitet, weiß er zu jedem Zimmer etwas zu erzählen. Im Erdgeschoss, wo seit circa fünf Jahren das Büro seines Steinmetz-Betriebs untergebracht ist, waren früher der Schlacht- und Verkaufsraum einer Metzgerei. "An den Deckenbalken sind noch einige der Haken befestigt, an denen früher die Schweinehälften hingen", erzählt er.

Für den 65-Jährigen war schon früh klar: Wenn er sich neben seinem Eigenheim noch ein Haus anschafft - dann das Ackerbürgerhaus am Marktplatz. Lange habe er auf den Besitzer eingeredet, bis der schließlich 1996 einlenkt. Nach dem Kauf stehen erst einmal bürokratische Hürden an. Wobei: Für den Steinmetz und Restaurator, der nach denkmalschutzrechtlichen Aspekten Bauwerke bearbeitet, war das kein Thema. "Mit der Denkmalschutzbehörde gab es überhaupt keine Probleme", bestätigt auch seine Frau Angelika. Zwei bis drei Jahre habe die Bürokratie in Anspruch genommen - das sei aber völlig normal bei einem Bauprojekt dieser Größe.

Drei Jahre für ein Zimmer


Und dabei sei ihnen die Behörde bei einigen Sachen entgegengekommen, erzählt das Ehepaar. So hätte es das Eingangstor in seiner derzeitigen Größe belassen können. Doreth aber wollte das Tor wieder in seine ursprüngliche Größe versetzen und bildete den oberen Torbogen nach. Auch bei den Fenstern hätte die Behörde dem Ehepaar erlaubt, bauliche Veränderungen vorzunehmen. Aber auch da wollten Doreth und seine Frau möglichst nah am Original bleiben.

Zwei Etagen mit je knapp 200 Quadratmetern sowie ein Dachgeschoss hat das Ackerbürgerhaus vorzuweisen. In der unteren sind auf der linken Seite neben dem Büro unter anderem das Archiv und die Teeküche des Betriebs untergebracht. Im rechten Gebäudeteil haben sich die Doreths einen Raum für die Großfamilie eingerichtet: Zwei große Tische bieten Platz für Familienfeiern oder auch für Besprechungen mit den Mitarbeitern. In der anschließenden Rauchkuchl haben Angelika und Georg Doreth mit ihren Kindern und Enkeln schon die ein oder andere Pizza im Steinofen gebacken. Die Steinwände sind noch schwarz von Ruß und Rauch. Den Fußboden haben die Doreths erneuert.

Auf einer Holztreppe geht es hinauf in die Privaträume. "Im Obergeschoss beginnt das Fachwerk", erklärt der 65-Jährige beim Hinaufgehen. Der "Hausplatz" ist der Übergang zum nächsten Geschoss, wo die Doreths ihre Küche und das Esszimmer unterbringen. Mobiliar zum Kochen ist bereits aufgebaut. Links der Küche ist der Raum, in den Georg Doreth wohl die meiste Arbeitszeit gesteckt hat: "600 Stunden beziehungsweise drei Jahre hat er daran gemalt", erzählt Angelika Doreth. "Für diesen Raum haben wir die Arbeitszeit genau aufgeschrieben."

Das Zimmer hat Doreth mit einem Pinsel in einem Blauton gestrichen. Weiße, etwa ein Zentimeter lange Striche bilden das Hauptmuster. Die parallel angeordneten Linien hat der Steinmetz freihand gezeichnet, so auch die Blumen-Bordüre am oberen Rand. Das Blattmuster, das die weißen Striche umspielt, hat er mit einer Schablone angebracht. "Die Farbfassung ist von 1908", weiß Doreth. Die Originalbemalung hat er an einer der Wände entdeckt und danach nachempfunden.

Ob ihm mit der Zeit der Rücken schmerzte? "Die Arme haben wehgetan", erzählt er. "Mit dem linken habe ich den rechten Arm gehoben", um weitermalen zu können. "Die Decke wurde fünf- bis sechsmal gekalkt", ergänzt Ehefrau Angelika, die auch fleißig bei der Hausrestaurierung mit angepackt hat. Aus dem neuen Wohnzimmer geht es durch eine niedrige Tür - früher waren die Menschen kleiner als heute - in die obere Rauchkuchl. "Sie wird zur Dusche", sagt Angelika Doreth. Das Schlafzimmer des Ehepaares schließt sich daran an.

Auf der anderen Seite der neuen Küche befindet sich der "rote Salon", wie ihn Georg Doreth nennt. Daraus wird ein Gästezimmer. Die Farben gebranntes Siena, Neapelgelb und Zinnoberrot bilden hier das Wandmuster. Die Decke ist noch nicht fertig , "soll aber auch noch weiß werden", sagt Doreth mit Blick auf die holzfarbene freigelegte Decke. Ein weiteres Zimmer soll ebenfalls für Gäste genutzt werden, darin soll nur die Wand zwischen dem Fachwerk blau gestrichen werden. Das Dachgeschoss ist laut Doreth alles Neubau. Ein Teil davon ist als Wohnung vermietet.

Familienprojekt


Zwei Ordner voll mit alten Bildern des Gebäudes heben Georg und Angelika Doreth auf. Die Bilder und auch die Geschichte des Hauses benötigte das Ehepaar für die Denkmalschutzbehörde. Die Restaurierung war ein "Familienprojekt", wie Angelika Doreth erzählt. Auch zwei der vier Söhne arbeiten im Steinmetzbetrieb. Sie und die Mitarbeiter hat das Ehepaar "mit eingespannt", erklärt es. So hatten die Angestellten auch während der normalerweise ruhigen Wintermonate ihre Arbeit. Zimmerer, Schreiner und Elektriker haben bei der Restaurierung geholfen.

Im Dezember, spätestens aber im kommenden Januar, will das Ehepaar in das Ackerbürgerhaus einziehen. Doch auch dann ist in dem Haus noch viel zu tun.

Geschichte des AckerbürgerhausesLaut Verzeichnis der Steuereinnahmen in den Rechnungen des markgräflichen Kastenamts ist 1631 eine Frau von Dobeneck Besitzerin des Anwesens. Erst eine weitere Rechnung von 1667 überliefert als nächsten Besitzer Magister Alexander Carner. Er stirbt 1668, seine Witwe erscheint als Besitzerin. Erst 1706 taucht Wolf Porsch als Hausbesitzer auf, er verkauft das Anwesen an Metzger Konrad Kopp. Die Familie baut das Haus im jetzigen Zustand auf. Innerhalb der Familie wird das Anwesen weitervererbt.

Metzgermeister Johann Georg Kopp stirbt vor 1828, das Anwesen fällt an eine Erbengemeinschaft. Nach einer Güterzerschlagung werden die landwirtschaftlichen Flächen an die Meistbietenden verkauft: an Johann Adam Högen, er stirbt jedoch kurz darauf. 1833 waren seine Witwe und deren Töchter Eigentümer. Die Witwe verkauft das Anwesen an Tochter Anna Barbara, die mit dem Weber Johann Dennerlein vermählt ist. Neben Brau- und Gemeinderecht besitzt das Haus auch das Forstrecht. Dennerlein stirbt 1859, es erben die Witwe und die acht Kinder. Die Erben verkaufen an Metzger Georg Adam Dennerlein.

Er und Magdalena Dennerlein bewirtschaften das Anwesen bis 1902: Sie übergeben es an Sohn Johann Wolfgang. Er verkauft 1907 an Johann Bauernfeind. Der Landwirt vermietet die Metzgerei an Jakob Kopp, der 1909 eröffnet. 1936 übergibt Bauernfeind die Liegenschaft an Tochter Dorothea Heinlein. Von 1942 bis zu ihrem Tod waren Fritz und Manfred Heinlein Besitzer. Bis 1996 gehörte das Anwesen Metzgermeister Günther Heinlein.


HintergrundDas Ackerbürgerhaus hat Georg Doreth 1996 für 150 000 D-Mark gekauft. Bisher hat ihn die Restaurierung etwa 900 000 Euro gekostet. "Es wird aber wahrscheinlich insgesamt eine Million kosten", sagt Doreth. "Aber damit haben wir von Anfang an gerechnet." Gefördert wird das Projekt vom Bezirk Oberpfalz und dem Landesamt für Denkmalpflege mit 35 Prozent.

Doreth ist Steinmetz- und Bildhauermeister sowie Restaurator. Er führt einen Betrieb, in dem mittlerweile zwei seiner vier Söhne arbeiten. Seit über 40 Jahren arbeitet der 65-Jährige in der Denkmalpflege und ist mit seinem Unternehmen in der Restaurierung und Natursteinbranche tätig. Zu seinen Restaurierungsarbeiten gehören unter anderem Teile des Schlosses Sankt Emmeram in Regensburg, des Kloster Weltenburg und des Klosters Speinshart. (esc)

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