Geschichte der Raiffeisenbank Neustadt am Kulm

Die Raiffeisenbank Neustadt am Kulm kann auf eine mehr als 100-jährige Geschichte zurückblicken. Bild: ww
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Neustadt am Kulm
23.01.2016
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In Zeiten, in denen sich die Sparkassen zurückziehen, setzen die Raiffeisenbanken auf Erhalt in breiter Fläche. Ein Rückblick auf die vergangenen Hundert Jahre liegt da nahe.

1911, 34 Jahre nach Gründung des ersten Darlehenskassenvereins in Bayern, wurde in Neustadt am Kulm die Raiffeisenkasse gegründet. 25 Pioniere waren es, die am Anfang des Genossenschaftswesens in der Kulmstadt standen. Bei der ersten Generalversammlung im gleichen Jahr wurde mit dem damaligen Ortspfarrer Johannes Rummel ein Geistlicher zum Rechner gewählt. Er übte das Amt elf Jahre lang, bis 17. Dezember 1922, aus. Als zweiter Rechner wurde Friedrich Pühl gewählt.

Wie sparsam in der damaligen Zeit gewirtschaftet wurde, ist aus dem Protokoll zu ersehen, in dem es wörtlich heißt: "Bei der Wahl eines künftigen Rechners erklärte sich Pfarrer Rummel nochmals bereit, um dem Verein die Kosten für die Ausbildung eines Rechners zu ersparen, die Rechengeschäfte auf ein Jahr weiterzuführen und gleichzeitig einem künftigen Rechner Gelegenheit zum Einarbeiten zu geben."

Bessere Auslastung


Am Sonntag, 27. September 1970, zog die damalige Raiffeisenbank Neustadt am Kulm dann auf den von der evangelischen Kirche erworbenen Platz, auf dem die frühere Kinderschule stand, in die neuen Räume der jetzigen Zweigstelle der Raiffeisenbank am Kulm ein. Zuvor war die "Darlehenskasse" in der "Gemeindekanzlei" im vormaligen Rathaus und später im Anwesen Kopp untergebracht. Ganz so einfach war dann die im Jahre 1970 angestrebte Fusion mit der Raiffeisengenossenschaft Kirchenlaibach-Speichersdorf doch nicht. Eigentlich wollte man seitens der Neustädter Genossenschaft schon zwei Jahre vorher eine Verschmelzung mit der Nachbargenossenschaft Mockersdorf anstreben. Aber, so schreibt der Chronist damals, wer geht schon von München nach Pfaffenhofen? Wörtlich heißt es weiter, dass genau das die Nachbarn wollten, als sie nämlich verlangten, dass bei einer Fusion der Sitz Firkenhof lauten sollte.

In der nächsten Zeit versuchten es die Neustädter ein zweites Mal mit der Raiffeisengenossenschaft Kirchenlaibach-Speichersdorf. Die Vertreter der Genossenschaft waren zu einem Kompromiss mit den Neustädtern bereit. Der damalige 1. Vorsitzende Otto Porsch aus Scheckenhof leitete die außerordentliche Generalversammlung. Als Fachmann referierte Bezirksdirektor Forster aus Regensburg. Er erwähnte unter anderem die sinnvolle und rationellere Auslastung einzelner Buchungsmaschinen, die Behebung der Personalfrage im Krankheitsfalle bei einem Einmannbetrieb, die Heraufsetzung der Großkreditgrenze, bessere Konkurrenzfähigkeit mit anderen Banken und vieles mehr. Weitere Punkte waren Bedingungen der Genossenschaft Neustadt, die sie sich bei einem Zusammenschluss mit Speichersdorf vorbehalten habe: der gemeinsame Name Raiffeisenbank am Kulm oder auch garantierte Mitglieder im Vorstand und im Aufsichtsrat.

Ein Gegner für einen Zusammenschluss war unter anderem der ehemals langjährige Vorsitzende Friedrich Zeder, der argumentierte, dass der Zeitpunkt für eine Verschmelzung beider Genossenschaften zu früh sei. Der damalige Aufsichtsrat Eduard Pecher schob auch Bedenken gegenüber der Mockersdorfer Genossenschaft aus dem Weg, indem er wörtlich sagte: "Für Mockersdorf ist die Türe nie zu." Direktor Albrecht von der Zentralbank Bayreuth appellierte, der Fusion zuzustimmen. Dem ausgiebig diskutierten Für und Wider folgten bange Minuten. Am Ende verkündete Befürworter Pfarrer Ulrich Cronenberg dass bei 11 Neinstimmen 59 Mitglieder für einen Zusammenschluss stimmten.

1971 geboren


Als drei für die Genossenschaft zugestandene Vertreter wurden Otto Porsch (Scheckenhof) für den Vorstand, für den Aufsichtsrat Otto Schäffler (Neustadt am Kulm) und Hans Schimmel (Filchendorf) gewählt. Im Januar 1971 war es dann soweit: In einer außerordentlichen Generalversammlung stimmten die Mitglieder dem Verschmelzungsvertrag mit Wirkung zum 1. Januar 1971 einstimmig zu. Die "Raiffeisenbank am Kulm" war geboren.

Als Mitgift brachte die Raiffeisenkasse Neustadt am Kulm eine Bilanzsumme von 2,1 Millionen Mark und einen Umsatz von 13 Millionen Mark mit. Die Bilanzsumme der Bank von Speichersdorf/Kirchenlaibach betrug 4,6 Millionen Mark, der Umsatz belief sich auf 45 Millionen Mark. (Interview auf Seite 25)
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