Grabungen am Rauhen Kulm
Keramik aus der Vorgeschichte

Dr. Hans Losert von der Universität Bamberg erklärt, wonach er mit seinen Studenten und Helfern in der harten Erde unter dem ehemaligen Verteidigungswall am Rauhen Kulm gräbt. Bild: pckl
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Neustadt am Kulm
26.08.2016
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Der Rauhe Kulm hat schon viel erlebt, Menschen haben seit der Steinzeit ihre Spuren auf ihm hinterlassen. Dr. Hans Losert geht ihm auf den Grund. Zehn Stunden täglich waren der Grabungsleiter und seine Helfer in den vergangenen Wochen im Einsatz, heute präsentieren sie ihre Ergebnisse.

Schon von Weitem hört man Privatdozent Dr. Hans Losert von der Universität Bamberg und sein Team klappern und kratzen. Wie jedes Jahr seit 2004 verbringen er, einige Studenten und freiwillige Helfer vier Wochen am Rauhen Kulm, um dessen Vergangenheit zu enthüllen.

Kinder als Archäologen


"Wir finden hier zu 95 Prozent Scherben von zerbrochenen Töpfen", erzählt der Archäologe. Es dauert nicht lange, bis die neunjährige Hobbyarchäologin Carmen ruft, um Losert ihre neueste Entdeckung zu zeigen: Scherben, die wahrscheinlich aus der Zeit von 1200 bis 800 vor Christus stammen, lange bevor sich der erste Ritter auf dem Basaltberg niederließ.

Carmen verbringt schon seit einigen Jahren ihre Schulferien an den Ausgrabungsstätten am Kulm. Kinder sind dort gerngesehene Gäste, denn sie "nehmen diese Arbeit sehr ernst. Die wenigen Münzen unter den Fundstücken wurden alle von Kindern entdeckt." Auch Messer haben die Archäologen schon viele am Rauhen Kulm gefunden, "Dinge eben, die man leicht verliert". Schmuck, Pfeilspitzen und sogar Kinderspielzeug sind eher eine Seltenheit, zeigen aber, dass am Kulm einiges los war. Was man den Überresten heute nicht mehr ansieht: Der Berg war nicht nur ein Verteidigungsposten, sondern zog auch viele vor allem slawische Siedler an. Auf dem Kulm lebten die Menschen relativ sicher, denn der stabile Verteidigungswall aus Basaltsteinen und Holz und der unwegsame Zugang machten die Burg nahezu uneinnehmbar.

Losert interessiert sich vor allem für diese Verteidigungsanlagen. Der Verlauf der Mauer ist größtenteils noch sichtbar, der hölzerne Wehrgang und die Stützpfeiler sind allerdings längst zu Humus zerfallen. Übrig sind nur noch einige Löcher im Boden, anhand derer Losert und seine Helfer eine grobe Vorstellung von der Anlage gewinnen. "Dafür ist aber auch etwas Fantasie nötig", meint Losert mit einem Augenzwinkern.

Führung am Kulm


Der Rauhe Kulm sei aber nicht nur ein Kultur-, sondern auch ein Naturdenkmal: "Aufgrund der extremen Temperaturunterschiede wachsen hier Pflanzen, die eigentlich nur in subpolaren beziehungsweise mediterranen Gebieten gedeihen." Nordischer Streifenfarn und Co. seien jedoch durch Einwanderer wie das Springkraut gefährdet.

Heute, Freitag, sind die Grabungsarbeiten für dieses Jahr beendet. Der Historische Verein für Oberfranken und der "Förderverein Rauher Kulm" laden daher zu einer kostenlosen Führung mit Dr. Hans Losert ein, bei der er die neuesten Erkenntnisse und viel Interessantes und Wissenswertes zur Geschichte des Rauhen Kulms präsentiert. Treffpunkt ist um 15 Uhr am Wanderparkplatz am Kulmeingang . Die Führung ist kostenlos, Spenden sind erwünscht. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Fundstücke aus den Grabungen sind in einer Ausstellung im Rathaus in Neustadt am Kulm zu sehen.

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Weitere Informationen:

www.neustadt-am-kulm.de
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