Neues archäologisches Fundstück vom Beginn der Menschheit
Neue Geschichte für den Kulm?

Die Vorsitzende des Fördervereins Rauher Kulm Käthe Pühl eröffnete nach sechs Jahren wieder eine archäologische Ausstellung in den alten Posträumen des Rathauses. Bürgermeister Wolfgang Haberberger (links) dankte dem Grabungsteam und überreichte Grabungsleiter Dr. Hans Losert und Pühl eine Spende. Bilder: ow (2)
Vermischtes
Neustadt am Kulm
17.10.2016
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Gefundenes einfaches Steinwerkzeug, das von Menschen, die noch vor den Neandertalern lebten, gemacht wurde.

Der Rauhe Kulm hütet noch immer viele Geheimnisse. Bei der diesjährigen archäologischen Grabung gab es wieder neue Erkenntnisse.

(ow) "Der heutige Tag ist ein besonderes Ereignis für unsere Region", schwärmte Käthe Pühl, Vorsitzende des Fördervereins Rauher Kulm, bei der Eröffnung der Archäologieausstellung. Vor sechs Jahren wurden an gleicher Stelle schon einmal archäologische Fundstücke von den Grabungen am und um den Rauhen Kulm vorgestellt. Zwischenzeitlich waren diese Exponate in verschiedenen Ausstellungen in Eger, Warschau und Krakau unterwegs. Mit Grabungsleiter Dr. Hans Losert (Universität Bamberg) stellte der Förderverein eine Ausstellung mit neuen Funden zusammen.

"Der Rauhe Kulm zieht die Menschen schon seit tausenden von Jahren magisch an. Deshalb haben sie sich hier schon in früher Zeit angesiedelt", wusste Bürgermeister Wolfgang Haberberger. Sein Dank galt Losert, der seit 2004 die Geschichte des Rauhen Kulms ergründet.

Wichtiges Siedlungszentrum


"Der Rauhe Kulm gehört inzwischen zu den wichtigsten Fundorten in der Oberpfalz", erklärte Losert. "Vor 15 Jahren galt die nördliche Oberpfalz von der Besiedlung her noch als unbedeutend. Die zahlreichen Funde am und um den Kulm zeigen, dass die Neustädter Landmarke schon sehr früh ein wichtiges Siedlungszentrum war." Von einer kleinen Sensation sprach der Wissenschaftler über Funde aus der diesjährigen Grabung: Ein Steinwerkzeug vom Beginn der Menschheitsgeschichte - ein sogenanntes "Pebble Tool" - zeige, dass vermutlich Urmenschen, die noch vor den Neandertalern lebten, in der Region unterwegs waren.

Diese Geröllsteine aus Flusskieseln würden normalerweise auf dem Rauhen Kulm nicht vorkommen. "Sie wurden woanders gesammelt, abgeschlagen, damit scharfe Kanten entstehen, und dann als einfaches Werkzeug benützt." Losert datierte ihr Alter auf mindestens 30 000 bis 40 000 Jahre vor Christus.

Die Grabungsstelle am Ringwall in der Nähe des Steinbruchs sei ein Glücksfall: Eigentlich dürften dort gar keine Fundstücke mehr sein, da in diesem Bereich im vergangenen Jahrhundert durch Basaltabbau der Ringwall zerstört wurde. Unter der untersten noch bestehenden Steinlage fand das Grabungsteam Pfostenlöcher einer hölzernen Befestigungsanlage. Hier machte der Wall eine Kurve, ein weiteres Tor im Ringwall befand sich hier.

Kein Mutterboden


Auf eine Überraschung stießen die Wissenschaftler noch weiter unten. Erstmals entdeckten sie am Rauhen Kulm unter der Steinlage eine 30 Zentimeter starke Kulturschicht, die eine Vielzahl von Fundstücken enthielt. Da der Rauhe Kulm früher nicht bewaldet war, konnte sich kein Mutterboden bilden. Die darüber liegende Mauer hatte diese ältere Kulturschicht konserviert. Losert datierte sie in die Urnenfelderzeit (12 000 bis 800 vor Christus). Aus dieser Epoche stammt auch das bei einer früheren Grabung gefundene Bronzebeil. In der Schicht fanden die Archäologen eine besonders polierte Keramik, die wie Silber glänzt. Sie hat Verzierungen mit geometrischen Motiven. Sie stammt aus dem 11. bis 12. Jahrhundert vor Christus.

Der größte Teil der diesjährigen Fundstücke befindet sich noch in der Universität in Bamberg. Losert versprach, diese so schnell wie möglich wissenschaftlich aufzuarbeiten, damit sie in der Ausstellung der Öffentlichkeit gezeigt werden können.

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Die Ausstellung ist an den folgenden drei Sonntagen von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Die Posträume sollen auch in den Wintermonaten an jedem ersten Sonntag im Monat geöffnet werden.
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Stefan Krapf aus Flossenbürg | 17.10.2016 | 20:57  
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