Bank-Chef geht in Ruhestand
Mario macht den Abschied leichter

Edmund Kopp.
Wirtschaft
Neustadt am Kulm
11.03.2016
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Am Mittwoch geht Edmund Kopps Berufslaufbahn nach mehr als 47 Jahren zu Ende. Ein gewisser Mario Draghi macht dem Vorstandsvorsitzenden der Raiffeisenbank am Kulm den Abschied etwas leichter.

Seit 1982 arbeitet der Witzlasreuther Kopp bei der Raiffeisenbank am Kulm. In der Zeit stieg er vom Umschüler zum Chef auf. Vor seinem Ausscheiden spricht der 61-Jährige im Interview über die Probleme der Banken, den Trend zur Fusion und die eigene Altersvorsorge.

Am Donnerstag hat EZB-Chef Mario Draghi erneut die Zinsen gesenkt. Macht Ihnen das den Abschied leichter?

Edmund Kopp: Obwohl am Mittwoch mein letzter Arbeitstag ist, habe ich mich mit dem Abschied und dem Ruhestand selbst noch gar nicht beschäftigt. Aber es stimmt schon, angesichts der EZB-Zinspolitik kommen schwere Jahre auf die Branche zu, da fällt es schon leichter zu gehen.

Können Sie in ein paar Sätzen für den Laien erklären: Wieso sind die Zinsen so niedrig und weshalb tut das den Banken so weh?

Kopp : Alles begann mit der Lehman-Pleite im Jahr 2008. Seither haben die Banken Schwierigkeiten. Der EZB ist die Inflation zu niedrig. Sie senkt die Zinsen, um das Geld billiger zu machen und so die Wirtschaft anzutreiben. Banken sollen mehr verleihen.

Das funktioniert nicht?

Kopp: Es ist eine schöne Theorie, in der Praxis verschwindet das viele Geld in irgendwelchen Kanälen. Vermutlich bläht sich schon eine neue Blase auf, wie die Immobilienblase vor einigen Jahren in den USA. In der realen Wirtschaft kommt nichts an. Der Effekt ist bislang verpufft und er wird auch diesmal verpuffen.

Ist nicht das eigentliche Problem, dass die Nachfrage nach Krediten fehlt? Niemand will das Geld der Banken, obwohl es so billig ist.

Kopp : Das kann ich nicht bestätigten. Bei der Raiffeisenbank am Kulm hatten wir zuletzt ein stabiles Wachstum bei den Krediten von sechs Prozent im Schnitt. Die Leute investieren vor allem in Immobilien als Eigenheim oder Geldanlage. Das Problem für die Bank ist, dass der Zinsüberschuss immer kleiner wird.

Was bedeutet Zinsüberschuss?

Kopp: Die Differenz zwischen dem Zins, den die Bank selbst für Geld bezahlt und dem Zins, den die Geld fürs verliehene Geld bekommt. In normalen Zeiten ist das die Haupteinnahmequelle der Banken. Derzeit ist davon beinahe nichts mehr übrig.

Banken und Sparkassen in der Region versuchen Kosten durch Kooperationen zu senken oder streben Fusionen an. Die relativ kleine Raiffeisenbank am Kulm hält sich zurück. Werden Sie nicht nervös?

Kopp. Nein. Sicher sind die Aussichten nicht rosig, alle müssen sich Gedanken über die Kosten machen. Ich glaube aber nicht an Fusionen. Die Spareffekte sind nur kurzfristig. Außerdem geht der genossenschaftliche Gedanke, die Kundennähe, verloren, wenn die Bank zu groß wird. Ich bin kein Freund großer Gebilde. Außerdem zeigt sich auch, dass bislang alle Fusionspläne gescheitert sind.

Was könnte die Probleme der Banken tatsächlich lösen?

Kopp : Am besten wären höhere Zinsen, helfen würde auch, wenn die Regulatorik einfacher würde. Wir brauchen immer mehr Mitarbeiter, um die Anforderungen der Aufsicht einzuhalten. Ansonsten brauchen die Banken neue Geschäftsmodelle oder müssen das Kundenpotenzial besser ausschöpfen.

Geben Sie unseren Lesern einen Tipp: Wie haben Sie selbst finanziell für den Ruhestand vorgesorgt?

Kopp: Ich setzte auf eine Mischung aus Aktien, eine schon länger laufende Lebensversicherung und die gesetzliche Rente. Wichtig ist die Anlage zu diversifizieren.

Und abseits vom Geld? Wie werden Sie Ihren Ruhestand gestalten.

Kopp: Vor allem möchte ich wieder mehr Sport machen. Ich walke, jogge oder fahre Rad. In den letzten beiden Jahren ist das aber immer weniger geworden. Dazu möchte ich Städtereisen unternehmen, Zeit mit meinen beiden Enkeln verbringen und ganz einfach den Ruhestand genießen.
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