Bürgermedaillen für Hans Schreyegg und Ludwig Bayer
Mit Schwert, Florett und Hirn

Sie hatten über drei Jahrzehnte bei fast allen wichtigen Entscheidungen über die Zukunft der Stadt ihre Finger im Spiel. Die haben Hans Schreyegg (links) und Ludwig Bayer (rechts) so geschickt eingesetzt, dass sie der Stadtrat einstimmig als Träger der Bürgermedaille vorgeschlagen hat. Bürgermeister Rupert Troppmann (Mitte) verlieh ihnen die zweithöchste Auszeichnung der Stadt gerne. Bild: Götz
Die Umgehung, die Musikschule, das Neustadt-Treffen, die Weihnachtsbeleuchtung. Alles irgendwie altbekannt, alles irgendwie da. Die Vordenker hinter diesen Ideen bekamen am Dienstag Bürgermedaillen ans Revers. Weil sich die Stadt eben nicht einfach irgendwie entwickelt hat.

Bürgermeister Rupert Troppmann, selbst ein kommunalpolitischer Haudegen, gestand, dass ihm die Laudatio für Hans Schreyegg und Ludwig Bayer viel Kopfzerbrechen bereitet hat. Auf einstimmigen Beschluss des Stadtrats erhielten die beiden CSU-Männer am Dienstag in feierlichem Rahmen die zweithöchste Auszeichnung der Stadt.

Sie würdigte damit 54 Jahre Stadtratsarbeit, über 100 Jahre Parteipolitik, 24 Jahre Kreispolitik und jahrzehntelanges Engagement in Vereinen und Organisationen. Dafür war Biss notwendig, seit Bayer und Schreyegg 1978 gemeinsam in den Stadtrat einzogen. "Es war nicht die Regel, dass Junge und nicht in Neustadt Geborene gewählt wurden", betonte Troppmann.

Konträre Charaktere

Doch in den Jungspunden steckte etwas, das sich zum Wohle vieler prächtig entfalten sollte - politische Leidenschaft. Die äußerte sich in manchem lautstarken Wortgefecht samt einem unvergessenen Auszug der CSU-Fraktion aus der Stadtratssitzung, aber auch mit Gespür für das Machbare. All das zeichnete nach den Worten Troppmanns die beiden Weggefährten aus - bei allen Unterschieden im Charakter. "Hans focht mit feiner Klinge, Ludwig mit dem Schwert." Was über Jahrzehnte aus diesen Attacken und Paraden, Schlachten und Versöhnungen, Finten und Verteidigungen entstand, ist das moderne Neustadt, dessen Geschichte eher die Älteren kennen.

Beispiel Bayer: Wer weiß schon, dass er in den 70er Jahren den ersten Trimmpfad oberhalb des Gymnasiums gebaut hat? 1979 gründete er die Jugendblaskapelle, aus der die Musikschule entstand.

Er war Mitinitator der Lobkowitzer Kulturfreunde und der Schuldnerberatung. Auch der erste Weihnachtsmarkt unterhalb des Gassls ging auf seine Initiative zurück.





Beispiel Schreyegg: Er ist Geburtshelfer der Arbeitsgemeinschaft "Neustadt in Europa", des größten Städtepartnerschaftsverbunds auf dem Kontinent. Der ehemalige Bürgermeisterkandidat war Motor für den Bau der Umgehung und für die Einrichtung von Verwaltungsgemeinschaften, die heute in Bayern gang und gäbe sind. Auch die Kastanienallee zwischen Theisseiler Straße und St. Felix hat sich Schreyegg ausgedacht.

Gemeinschaft gestiftet

Es ist Troppmann anzurechnen, dass er im Rathaussaal nicht jeden Erfolg und jede Hilfestellung der beiden hervorkramte. Sonst wären die Ehrengäste, allen voran die Familien der Bürgermedaillenträger nach dem Eintrag ins Goldene Buch womöglich erst sehr spät zum festlichen Abendessen ins "Weiße Rössl" gekommen. CSU-Fraktionschef Alois Zehrer brachte es mit einer gewitzten Laudatio auf den Punkt: "Ihr habt Bürgersinn bewiesen und vielen Bürgern ein Stück Gemeinschaft geschaffen."

Hans Schreyegg blickte auf all dies etwas nachdenklich zurück. Landauf, landab sinke die Wahlbeteiligung, die Mitarbeit in Parteien oder die Bereitschaft, sich für und nicht gegen etwas zu engagieren. "Politik ist ein schmutziges Geschäft, heißt eine dümmliche Ausrede, wenn sich jemand nicht einbringen will. Politik ist auch saubere, harte Arbeit auf allen Ebenen für uns Bürger. Und darum sollten wir uns auch zahlreicher mit der Politik befassen." Ludwig Bayer gab in diesem Sinne die Meriten der Bürgermedaille an Mitstreiter im Hintergrund weiter. "An alle diejenigen, die mich bei verschiedenen Gelegenheiten angesprochen und gesagt haben: Jawohl, bei dieser Sache machen wir mit."

"Bei dieser Sache" haben sich auch die Ehefrauen Hannelore Bayer und Uschi Schreyegg im richtigen Maße eingebracht und zurückgenommen. Dafür waren ihnen Blumen vom Bürgermeister sicher. Bayer konnte auch anderen familiären Stolz nicht verhehlen. Mit Tanja Kippes sitzt nun seine Tochter im Stadtrat. "Macht sie recht gut", lobte der Papa, der ihr 34 Stadtratsjahre voraus hat.
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